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Kinderschutzambulanz : „Beweisen können wir den Missbrauch selten“

Die Kinder werden gründlich untersucht: ein Röntgenbild von einem Kleinkind in der Frankfurter Kinderklinik Bild: Wolfgang Eilmes

Die Kinderschutzambulanz am Universitätsklinikum Frankfurt hat in fünf Jahren mehr als 900 Kinder auf Misshandlungen untersucht. Für die Sicherheit der Kinder müsse man jedem misstrauen.

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          Schreie eines Babys hallen durch die Gänge des Universitätsklinikums. Dann hört man drei dumpfe Schläge, und es wird still. Die Kindesmisshandlung, die mit einer Puppe nachgestellt wurde, passiert auch in Wirklichkeit. Mehr als 900 Kinder, bei denen ein Verdacht bestand, hat die Kinderschutzambulanz in den vergangenen fünf Jahren untersucht, knapp vier in jeder Woche. Die Kinder wurden mit Schütteltrauma, Hämatomen oder nach sexuellem Missbrauch in die Klinik gebracht, wo Ärzte die Symptome als Folge von Misshandlungen erkennen und festhalten.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um vor Gericht zu zeigen, dass bestimmte Verletzungen nur mit Gewalteinwirkung entstehen, gibt es Hilfsmittel wie die Puppe. Sie schreit, bis sie so stark geschüttelt wurde, dass Hirnblutungen entstehen würden. Die Einblutungen sind spezifisch und entstehen erst bei hohem Kraftaufwand oder mehreren Schlägen. „Ein Sturz vom Sofa kommt für das Schädigungsmuster nicht in Frage“, sagt Thomas Klingebiel, Leiter der Kinderklinik.

          Am häufigsten sind körperliche Misshandlungen

          Vor fünf Jahren wurde die Kinderschutzambulanz mit einer Anschubfinanzierung der Kinderhilfestiftung eingerichtet, die Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ ermöglichte den Ausbau. Die Mediziner zogen in einem Symposion eine Bilanz. Drei Ärzte und zwei Psychologinnen untersuchen die Kinder, bei denen Missbrauch vermutet wird; etwa 200 Kinder wurden seit 2010 stationär behandelt. Der Verdacht entsteht oft erst bei anderen Untersuchungen, wenn ein Kind etwa wegen eines Beinbruchs ins Krankenhaus kommt.

          Am häufigsten sind körperliche Misshandlungen: blaue Flecken, Brüche, Verbrennungen oder eben ein Schütteltrauma bei Babys. Viele Kinder werden auch wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch vorgestellt. Meist seien es Mädchen, sagt Marco Baz Bartels, der Oberarzt in der Kinderschutzambulanz ist. Es gibt aber auch Fälle von Vernachlässigung, also Kinder, die schmutzig oder mangelernährt sind.

          Kinder sehen Schuld oft bei sich

          „Normalerweise sind Eltern die besten Behandlungspartner in der Kinderheilkunde“, sagt Baz Bartels. In der Kinderschutzmedizin müsse man aber jedem misstrauen. Die Misshandlungen geschähen in allen Schichten, sagt Matthias Kieslich, der die Ambulanz leitet. Wenn ein Kind mit Verdacht auf Misshandlung in die Ambulanz komme, würden zuerst Befunde gesammelt. Dann schließe er Krankheiten oder Unfälle aus. Manche Kinder hätten zum Beispiel Blutgerinnungsstörungen und daher viele blaue Flecken. Bei jedem fünften Kind gebe es keine Anzeichen von Gewalt. Schließlich prüfe er, ob das Kind weiterhin gefährdet sei. In 80 Prozent der Fälle kooperiert die Ambulanz mit dem Jugendamt, das die Kinder von gewalttätigen Eltern trennen kann.

          Kinder, die geschlagen würden, nähmen ihre Eltern fast immer in Schutz, erzählt Baz Bartels. Er erinnert sich an einen Fünfjährigen, der „grün und blau gedroschen“ zu ihm gekommen sei, aber meinte, es sei seine Schuld, dass der Vater ihn verprügelt habe. „Beweisen können wir den Missbrauch selten“, sagt Baz Bartels. Vor Gericht führe eine gute medizinische Dokumentation aber zu fundierten Entscheidungen. Daher sei die Arbeit der Kinderschutzambulanz wichtig.

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