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BKA ermittelt : „Kinderpornographie wird bagatellisiert“

Behörden sehen „Bagatellisierung“: Kinderpornographie Bild: dpa

Das Bundeskriminalamt ermittelt wegen Versendens von Videos mit sexueller Gewalt. Die Zahl der Verdächtigen könnte sich erhöhen. Der jüngste Beschuldigte ist erst 14.

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          Die Videos, die seit Monaten im Umlauf sind, sind grausam. Eines zeigt die Vergewaltigung eines zehn Jahre alten Jungen mutmaßlich in Afghanistan. In einem anderen sind sexuelle Handlungen zweier Jungen aus den Vereinigten Staaten zu sehen. Sie wurden offenbar von einem Erwachsenen dazu angestiftet, der sich über das Internet das Vertrauen der Kinder erschlichen hatte. „Cyber-Grooming“ nennt die Polizei das.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dies sind nur zwei von jenen Sequenzen, die nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes und der hessischen Generalstaatsanwaltschaft derzeit unter Schülern und jungen Erwachsenen kursieren und massenhaft herumgeschickt wurden – von einigen eher unbedarft, von anderen als „lustig“ markiert, kommentiert mit kleinen Texten, Emojis oder Smileys. Wie berichtet, haben diese beiden Videos ausgereicht, um eine der größten Razzien der vergangenen Monate in elf Bundesländern zu veranlassen.

          Jüngster Beschuldigter ist erst 14

          21 Beschuldigte hat das Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt – darunter Jugendliche aus Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt-Dieburg und dem Main-Taunus-Kreis. Die jüngsten von ihnen sind gerade einmal 14 Jahre alt. Gerade haben die Behörden mitgeteilt, dass sich der Kreis der Beschuldigten noch erheblich vergrößern könne. Nach den Worten von Staatsanwalt Christian Hartwig gehen die Behörden „Hinweisen nach, die womöglich zu weiteren Tatverdächtigen führen. Diese haben dann auch mit Konsequenzen zu rechnen.“

          Dass derartige Videos, die strafrechtlich als Kinderpornographie gelten, auch schon von Jugendlichen angesehen und über das Smartphone weiterverschickt werden, ist für die Ermittlungsbehörden kein neues Phänomen, wie die Leiterin der Abteilung für Schwere und Organisierte Kriminalität im BKA, Sabine Vogt, gestern in Wiesbaden sagte. Allerdings habe man festgestellt, dass mit diesen Videos eine „Bagatellisierung“ verbunden sei, der man „entschieden entgegenwirken“ müsse. „Mit jedem Bild, das abermals verbreitet wird, wird das betroffene Kind einmal mehr zum Opfer. Das ist vielen nicht bewusst.“

          Vogt hofft, dass die jüngste Razzia, bei der viele Wohnungen durchsucht wurden, einen abschreckenden Effekt hat. Vor allem den Eltern sei nicht bewusst gewesen, was ihre Kinder über das Handy verschickt hätten. Die Beschuldigten selbst hätten ihre Smartphones und anderen Geräte abgeben müssen, da die Datenträger sichergestellt worden seien. Vielen sei erst zu diesem Zeitpunkt klargeworden, dass sie sich strafbar gemacht hätten und dass nun gegen sie ermittelt werde.

          Die Zahl der Videos, die viele Jugendliche für „lustig“ hielten, sei enorm. So erhalte das BKA täglich Meldungen der amerikanischen Nichtregierungsorganisation National Center for Missing and Exploited Children: Dabei gehe es ausschließlich um kinderpornographisches Material. Allein im vergangenen Jahr sind auf diesem Weg 70 000 Hinweise bei den deutschen Ermittlern eingegangen. Bei etwa einem Drittel, sagt Vogt, habe es sich um Material gehandelt, das die Jugendlichen als „Bagatelle“ abgetan und herumgeschickt hätten, obwohl es sich um Kinderpornographie gehandelt habe.

          Dass viele Jugendliche kein ausgeprägtes Bewusstsein dafür hätten, was Videos und Fotos bei einem jungen Menschen ausrichten können, weiß Heidemarie Jung vom Verein „Dunkelziffer“. Sie berichtete gestern in Wiesbaden aus Anlass der jüngsten Vorfälle von einer Schülerin, die Suizidgedanken hege, weil sie bei intimen Handlungen mit einem Jungen gefilmt worden sei. Das Video sei anschließend in der Schule verbreitet worden. Viele schauten sich so etwas auf dem Handy an, ohne es als Straftat wahrzunehmen, so Jung. „Der Bildschirm schafft Distanz.“

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