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Kindergärten : Das Tischgebet - so selbstverständlich wie Turnen und Basteln?

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Der Herausforderung, Kindern aus vielen Kulturen zu begegnen, müssen sich natürlich auch die kirchlichen Einrichtungen stellen. Deren Träger sind in der Regel die Kirchengemeinden. Wie ausgeprägt das christliche Profil der Kindergärten ist, hängt auch von ihnen ab. Wenn Tischgebete stattfinden, achten die Erzieherinnen darauf, niemanden auszugrenzen, und wählen deshalb beispielsweise Texte, in denen allgemein "Gott" angerufen wird - eine Formulierung, die auch Muslime mittragen könnten. "Wir erinnern mit den Gebeten daran, daß nicht alles selbstverständlich ist", sagt Ursula Braunberger, Erzieherin im Kindergarten der evangelischen Andreasgemeinde in Frankfurt-Eschersheim. Und deutlich spricht Brunhilde Hetterich, Leiterin des katholischen Kindergartens der Pfarrei St. Michael im Nordend von einem "pastoralen Auftrag", den die Gemeinde mit dem Kindergarten verbinde. Der umfasse auch, den Kindern beizubringen, was Gebet bedeute. Beide berichten davon, daß sogar muslimische Eltern nichts dagegen hätten. Manchen Muslimen sei die Wertevermittlung in einem christlichen Kindergarten lieber als gar keine, sagt Hetterich.

Um zu erfahren, wie nichtchristliche Eltern die Arbeit in den evangelischen Kindergärten beurteilen, hat das Diakonische Werk für Frankfurt eine Umfrage gemacht. Zwar lägen die endgültigen Ergebnisse noch nicht vor, doch hätten immerhin rund vier Prozent der Befragten von sich aus angegeben, daß sie das Profil der kirchlichen Einrichtung am Tischgebet erkennten, teilt Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks, mit. "Uns ist wichtig, daß Spiritualität gelebt wird, und dazu gehört das Tischgebet." So wie die Diakonie berät der katholische Caritasverband, selbst Träger von Kindereinrichtungen, Erzieherinnen. Die Gebetspraxis in den Kindergärten sei sehr unterschiedlich, sagt Renate Elbert, Geschäftsführerin der beim Verband angesiedelten Frankfurter Arbeitsgemeinschaft katholischer Tageseinrichtungen für Kinder. Gleichwohl gebe es viele Fragen zur religionspädagogischen Praxis in Kindergärten.

Daß das Tischgebet als ein Teil jener Praxis außer dem Bezug zu Gott auch einen zwischenmenschlichen Aspekt hat, darauf macht Klara London, die Leiterin des Kindergartens der Pfarrei St. Anna in Frankfurt-Hausen, aufmerksam. "Es geht darum, zur Ruhe zu kommen vor dem Essen. Indem die Kinder sich die Hände reichen, zeigen sie, daß sie Frieden miteinander halten und gemeinsam essen wollen." Ein Mahl zusammen zu beginnen, sei in der heutigen Fast-food-Mentalität alles andere als selbstverständlich, sagt Gabriele Freyberg, Vorsitzende des Wiesbadener Stadtelternbeirats. "Deswegen gibt es auch einen nichtreligiösen Tischspruch in unseren kommunalen Einrichtungen." In ihrem Urteil dürften Leiter und Träger kommunaler wie kirchlicher Kindertagesstätten übereinkommen: "Eine Tischkultur einzuüben und pflegen ist extrem wichtig." STEFAN TOEPFER

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