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Kinderbetreuung in Wiesbaden : Viele wollen sich vom Hort nicht trennen

Ein umstrittenes Projekt: Grundschüler in Wiesbaden sollen in der Schule statt im Hort betreut werden. Bild: dpa

Millionenbeträge wollen CDU und SPD in Wiesbaden bis zum Jahr 2016 in die Kinderbetreuung investieren. Der Ausbau stößt nicht nur bei den Eltern auf Widerstand.

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          Millionenbeträge wollen CDU und SPD in Wiesbaden bis zum Jahr 2016 in die Kinderbetreuung investieren. Die Opposition und viele Eltern stören sich jedoch an der damit verbundenen Gebührenerhöhung. Aber auch die organisatorische Verwirklichung des Vorhabens stößt jetzt auf Schwierigkeiten.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wie berichtet, haben die Stadtverordneten mit der Mehrheit der großen Koalition beschlossen, bis zum Ende der Wahlperiode 1500 weitere Krippenplätze zu schaffen. Damit würde sich die Stadt einer Versorgungsquote von rund 50 Prozent annähern. Dass der weit über die gesetzliche Quote hinausgehende Bedarf besteht, ergaben umfassende Befragungen der Eltern. Dabei stellte sich auch heraus, dass für rund 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen eine Betreuung vor und nach dem Unterricht gewünscht wird.

          Die Betreuung an den Grundschulen muss neu geordnet werden

          Um den Bedarf von 6000 Plätzen annähernd zu decken, müssen 3100 neue entstehen. Die eine Hälfte davon wird gleichsam aus dem Boden gestampft. Die andere entsteht durch eine Umstrukturierung, die zwar auf den ersten Blick kompliziert wirkt, aber jedenfalls in der Theorie sinnvoll zu sein scheint. Die Kommunalpolitiker von CDU und SPD haben 1500 Hortplätze in den Blick genommen, die gegenwärtig in verschiedenen Kindertagesstätten untergebracht sind. Das Angebot, das Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren hier gemacht wird, sollen sie künftig an Grundschulen bekommen. Die dort vorhandenen freien Klassenzimmer werden um- oder ausgebaut. In den Räumen, die an den Kindertagesstätten zurückgelassen werden, entstehen zusätzliche Krippenplätze.

          Während dafür das Amt für Soziale Dienste verantwortlich ist, muss das Schulamt die Betreuung an den Grundschulen neu ordnen. Ihm stehen dafür rund 15 Millionen Euro zu. Fünf zusätzliche Mitarbeiter sind mit dieser Aufgabe betraut. Der Vorteil des Umzugs der Horte liegt auf der Hand. Mädchen und Jungen werden künftig an ein und demselben Standort unterrichtet und betreut. Insgesamt ziehen 50 Horte um. Zwei Pilotprojekte sollen Anfang Januar in Klarenthal und Bierstadt den Anfang machen.

          Das perfekte Chaos

          Doch viele Mütter und Väter wehren sich gegen das Vorhaben. So haben beispielsweise die Eltern der 60 Grundschulkinder, die von dem Hort der Klarenthaler Kindertagesstätte zur Betreuung an die Geschwister-Scholl-Schule wechseln sollen, schwere Bedenken. In einem Brief an die Entscheidungsträger im Rathaus bitten sie darum, das Vorhaben auszusetzen. Sie fürchten, dass die Qualität der Betreuung leiden werde. Sie sei in der Kindertagesstätte immer an gesetzliche Standards gebunden gewesen, die an den Grundschulen nicht mehr gelten würden.

          So stünden dort weniger Räume zur Verfügung. Außerdem gebe es weniger pädagogische Fachkräfte. Denn es gelte ein anderer Personalschlüssel. Wenn eine Betreuungsperson wegen Krankheit ausfalle, sei das „Chaos perfekt“. Die Skepsis, die von der Fraktion der Grünen geteilt wird, gilt auch dem Klarenthaler Volksbildungswerk. Es war schon bisher mit der Betreuung an der Geschwister-Scholl-Schule betraut. Die zusätzlichen Kinder bedeuteten eine Überforderung, meinen die Eltern.

          Die Brücke zur Ganztagsschule

          Eine ähnliche Debatte gibt es im Stadtteil Bierstadt. Dort war für die Betreuung der Grundschulkinder bislang ein Förderverein verantwortlich. Für die Versorgung von weiteren aus dem Hort dazukommenden Kindern fehlt den ehrenamtlichen Kräften aber die Zeit. Darum übertragen sie die Aufgabe jetzt dem Arbeiter-Samariter-Bund.

          Das Vorhaben sei für manche Eltern ein schwieriges Thema, meint Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU). Schließlich sei in den Horten gute Arbeit geleistet worden. Die Betreuung an den Grundschulen werde aber in Zukunft keinesfalls schlechter sein. Denn dort ließen sich neue Synergien nutzen. Die Lehrer, die die Kinder unterrichteten, stünden in einem ständigen Kontakt zu den Sozialpädagogen, die sie außerhalb der eigentlichen Schulzeit betreuten. So könnten sie dem einzelnen Schüler künftig besser gerecht werden als in der Vergangenheit. „Das ist die Brücke zur Ganztagsschule.“

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