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Immer mehr Kinder in Frankfurt : Kinderbetreuung muss ausgebaut werden

Kinderbetreuung: In Frankfurt soll sich die relevanten Altersgruppen bis 2019 um jährlich etwa 1500 Kinder vergrößern. Bild: Grimm, Lena

Seit 15 Jahren nimmt die Kinderzahl in Frankfurt zu. Die Kinderbetreuung wird damit eine immer größere Herausforderung für die Stadt. Die Situation ist dabei in den einzelnen Stadtteilen ganz unterschiedlich.

          Die Kinderbetreuung bleibt auch in den nächsten Jahren eine der größten Herausforderungen der Frankfurter Kommunalpolitik. Laut einer jetzt vorliegenden Prognose vergrößern sich die relevanten Altersgruppen bis zum Jahr 2019 um jährlich etwa 1500 Kinder. Da ein wachsender Teil von ihnen betreut werden soll, müssen die Angebote von Krippen, Tageseltern, Kindergärten, Horten und Ganztagsschulen massiv ausgebaut werden. Allein die Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige soll bis 2019 auf rund 13.300 steigen. Zum Vergleich: 2008 gab es noch nicht einmal 4000 Plätze.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit 15 Jahren nimmt die Kinderzahl in Frankfurt zu. Dieser Trend soll sich nach Berechnungen der Stadt bis mindestens 2025 fortsetzen. Hohe Zuwächse sind nicht nur in den Neubaugebieten, sondern auch in den zentrumsnahem Stadtteilen Nordend, Sachsenhausen, Bockenheim, Westend und Gallus zu verzeichnen. Die Gruppe unter drei Jahren wird laut Prognose von derzeit rund 23.000 bis 2019 auf knapp 25.000 Kinder wachsen. Ähnliche Zunahmen werden für die Kindergarten- und Grundschulkinder erwartet.

          Prognosen gehen von steigendem Versorgungsgrad aus

          Dass das Betreuungsangebot entsprechend ausgebaut werden muss, folgt nicht nur aus den politischen Willensbekundungen der schwarz-grünen Römerkoalition, sondern bis zum Grundschulalter auch aus den rechtlichen Vorgaben. Kinder im Krippen- und Kindergartenalter haben einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Einrichtung oder bei Tageseltern. Freie Kapazitäten gibt es kaum, in einzelnen Stadtteilen kommt es immer wieder zu Engpässen.

          Der jetzt vorgelegte Magistratsbericht über „Stand und Perspektiven der Kindertagesstätten-Entwicklungsplanung“ erfasst die Zahlen bis 2014 und liefert darüber hinaus Prognosen bis 2019. Demnach betrug der Versorgungsgrad der sogenannten U3-Gruppe im vorigen Jahr 42 Prozent, für dieses Jahr werden 45 Prozent prognostiziert. Das ist ein im Bundesvergleich sehr hoher Wert, zumal alle Kinder unter drei Jahren einbezogen werden, obwohl die sogenannte Betreuungsgarantie erst vom vollendeten ersten Lebensjahr an gilt.

          Nachfrage in einigen Bezirken besonders hoch

          Bis zum Jahr 2017 will der Magistrat einen U3-Versorgungsgrad von mindestens 50 Prozent erreichen. Dafür müssen etwa 2400 zusätzliche Plätze in Kitas und bei Tageseltern entstehen. Um die Quote trotz weiter steigender Kinderzahlen zu halten, sind bis 2019 noch einmal 460 zusätzliche Plätze nötig. Doch damit nicht genug: Weil in einigen Bezirken die Nachfrage besonders hoch ist, soll dort auch ein höherer lokaler Versorgungsgrad erreicht werden, so dass das stadtweite Ausbauziel 53 Prozent beträgt. Gegenüber dem Stand von 2014 sind das etwa 3600 zusätzliche Plätze.

          In der Altersgruppe von drei bis sechs Jahren ist schon seit 2011 ein Versorgungsgrad von 95 Prozent erreicht, mit anderen Worten: Fast jedes Kind besucht den Kindergarten. Es geht somit vor allem darum, das Angebot entsprechend der wachsenden Kinderzahl auszubauen und außerdem Lücken in einzelnen Stadtteilen zu schließen. Allerdings bemisst sich der Bedarf nicht nur in Plätzen, sondern auch in Betreuungszeiten. Vor zehn Jahren blieb lediglich die Hälfte der Kindergartenkinder den ganzen Tag in der Einrichtung, heute sind es drei Viertel.

          Mehr Schulen mit Nachmittagsprogramm

          Anders als die Jüngeren haben Grundschüler keinen einklagbaren Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Das ist ein Grund, warum die Zahl der Hortplätze seit 2008 bei knapp unter 9000 stagniert. Der zweite Grund ist, dass die Stadt auf einen Ausbau der Nachmittagsbetreuung in den Schulen setzt. In der sogenannten Erweiterten Schulischen Betreuung und in der Übermittagbetreuung gab es 2014 rund 4270 Plätze. Werden weitere städtische Programme und die vom Land finanzierten Ganztagsschulen einbezogen, beträgt der Gesamtversorgungsgrad für Grundschüler 60 Prozent.

          Weiter vergrößern soll sich das Angebot durch den „Pakt für den Nachmittag“. Seit Anfang dieses Schuljahres nimmt Frankfurt an der Kooperation zwischen dem Land und einzelnen kommunalen Schulträgern teil. Zu den derzeit zehn Frankfurter Schulen, die ihre Kinder täglich bis 17 Uhr betreuen, sollen in den nächsten Jahren weitere hinzustoßen. Im Gegenzug sollen die rein kommunalen Übermittags- und Nachmittagsprogramme reduziert werden. Davon verspricht sich die Stadt nicht nur eine Vereinheitlichung, sondern auch eine Kostenersparnis, da das Land im „Pakt für den Nachmittag“ die Hälfe der Kosten übernimmt. Für die Betreuung der jüngeren Kinder liegt ein solches Modell in weiter Ferne: Die Gebäude und das Personal der Krippen und Kindergärten muss die Kommune fast allein finanzieren.

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