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Kind gestorben : Betrunkene Raserin wegen tödlichen Unfalls verurteilt

  • Aktualisiert am

Eine Frau soll betrunken auf einer Autobahn einen tödlichen Unfall verursacht haben. Bild: dpa

Eine Frau hat betrunken einen Autounfall verursacht haben, bei dem ein Kind gestorben ist. Nun fiel das Urteil gegen die Angeklagte.

          Ein Vater und seine Kinder sind in einem Kleinwagen auf der A5 bei Bad Nauheim unterwegs und kurz vor dem Ziel, als sie von einer betrunkenen Autofahrerin gerammt werden. Bei dem Unfall im Oktober 2018 stirbt ein fünf Jahre alter Junge an Kopfverletzungen, sein Vater und die beiden Geschwister werden verletzt. Das Amtsgericht Friedberg hat nun die 43 Jahre alte Unfallverursacherin unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Sie sei „offensichtlich fahruntüchtig“ gewesen, begründete die Vorsitzende Richterin am Montag das Urteil. „Sie waren eine tickende Zeitbombe.“

          Zuvor hatte die Angeklagte unter Tränen die Trunkenheitsfahrt eingeräumt und sich bei dem Vater entschuldigt. Sie sei selbst Mutter und könne sich das Geschehen nicht verzeihen. Die Angeklagte ist alkoholkrank - ein Grund, warum das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit bei der Frau ausging.

          Vor dem folgenschweren Oktobertag sei sie eineinhalb Jahre lang trocken gewesen, sagte sie. Dann habe sie erfahren, dass ihr Sohn im Krankenhaus liege und aus Sorge zur Flasche gegriffen. Wie sie ins Auto gestiegen und es zum Unfall gekommen sei, wisse sie nicht mehr.

          Sicher ist nach Ansicht des Gerichts, dass sich die Angeklagte mit mindestens 1,69 Promille intus im Odenwald hinters Steuer gesetzt hatte und bereits fast 100 Kilometer gefahren war, als sie mit Tempo 160 das deutlich langsamere Auto des 35-jährigen Familienvaters gerammt hatte. Der Kleinwagen und der Kompakt-SUV der Frau gerieten auf den Seitenstreifen, das Auto der Familie drehte sich, landete auf dem Dach und rollte über die Leitplanke. Übrig blieb ein Wrack.

          „Kein Mitverschulden des Vaters“

          Für den Sachverständigen war klar: Der Vater konnte mit der Kollision nicht rechnen. Der Junge sei zudem ordnungsgemäß auf einem Kindersitz auf dem Beifahrersitz angeschnallt und gesichert gewesen. Auch die Vorsitzende betonte: „Es gab kein Mitverschulden des Vaters.“

          Immer wieder kommt es zu Unfällen oder brenzligen Situationen, weil Verkehrsteilnehmer alkoholisiert sind. Im Mai wurde beispielsweise ein Lkw-Fahrer zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er betrunken mit seinem 40-Tonner als Geisterfahrer auf Autobahnen in Südhessen unterwegs gewesen war. Bei einer Kollision wurden eine Autofahrerin und ihr Beifahrer verletzt. Im März erlitten nahe Darmstadt sieben Menschen Verletzungen - wegen eines missglückten Überholmanövers eines betrunkenen Autofahrers.

          Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurde 2018 bei deutschlandweit 13 447 Unfällen mit Personenschaden Alkoholeinfluss festgestellt. Dem Verkehrssicherheitsrat zufolge, der sich auf das Jahr 2017 bezieht, war Alkoholeinfluss bei 4,4 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden eine der Ursachen. Allerdings starben 7,3 Prozent aller tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer in Deutschland infolge eines Alkoholunfalls - jeder 14. Getötete.

          Viele Verursacher sind Wiederholungstäter

          Die Zahl der Alkohol-Unfälle sei zwar seit längerem nicht mehr in der absoluten Spitze, erläuterte Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Aber es bleibe ein „sehr relevantes“ Problem. „In der Statistik sehen wir viele Wiederholungstäter.“ Die grundsätzliche Wirkungsweise von Alkohol begünstige, dass Fahrer risikobereiter und enthemmter seien - auch beim Tempo. Hinzu kämen langsamere Reaktionen und „Tunnelblick“.

          Unfälle unter Alkoholeinfluss seien schwerer, sagte eine Sprecherin des Automobilclubs ADAC. „Die Zahl der Verletzten und Getöteten bei Unfällen unter Alkoholeinfluss weicht von der Zahl ohne Einfluss von Alkohol ab.“ Zur Bekämpfung von Alkohol im Verkehr befürworte der ADAC unter anderem verstärkte Kontrollen und eine Ausweitung des Alkoholverbots für Fahranfänger auf einschließlich 24 Jahre.

          Die Unfallfahrerin von Bad Nauheim muss dem Urteil zufolge, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist, nicht nur in Haft, sondern auch ihren Führerschein abgeben. Der Vater des getöteten Jungen sagte am Ende des Prozesses mit bemerkenswerter Kraft und Ruhe, er hoffe, dass sein Sohn nicht umsonst gestorben sei - und die Angeklagte ihr Leben vielleicht noch zum Positiven wenden könne.

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