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Eintracht Frankfurt : Der Flirt geht weiter

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Aktion: Kicker Chinedu Obasi - hier noch für Hoffenheim am Ball - und die Frankfurter Eintracht kommen sich näher Bild: ddp

Kicker Chinedu Obasi und die Frankfurter Eintracht kommen sich näher: Der vertragslose Stürmer verlängert sein Vorspiel in Frankfurt, Trainer Veh gerät ins Grübeln.

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          Dass Chinedu Obasi in der vergangenen Woche für drei Tage mittrainierte, mochte Eintracht-Trainer Armin Veh gar nicht groß kommentieren. „Nichts Weltbewegendes“, sagte er. Aber jetzt tauchte der 29 Jahre alte in Nigeria geborene Stürmer zu Beginn dieser Trainingswoche wieder im Kreise der Frankfurter Fußballprofis auf. Und da rückt ganz unwillkürlich die Frage in den Vordergrund: Was bahnt sich da an? Veh will nichts ausschließen, schließlich hat er noch nicht die Ideallösung für die Position des linken offensiven Mittelfeldspielers gefunden. Eine Rolle, die Obasi durchaus ausfüllen kann. Aber der Eintracht-Trainer schließt eine spontane Verpflichtung aus, die theoretisch möglich wäre, weil der Offensivspieler vertragslos ist. „Vor dem Trainingslager in Abu Dhabi passiert nichts. Wir werden nach der Rückrunde in Ruhe den Markt sondieren“, sagt Veh. Auch auf die Gefahr hin, dass ihn Obasi in den nächsten Tagen volllends überzeugt und ihn ein anderer Klub wegschnappt. „Dann ist das eben so.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Schon in den ersten drei Tagen seines Frankfurter Aufenthaltes hat Obasi angedeutet, dass er durchaus eine Verstärkung für die Eintracht sein kann. Seine Ballfertigkeit und Spielübersicht hat er im letzten halben Jahr nicht verloren, obwohl er in dieser Zeit nur ganz sporadisch in den Genuss eines Mannschaftstrainings gekommen ist. Nachdem Schalke 04 seinen Vertrag nicht verlängerte, ging Obasi mit seiner Familie für einige Wochen in die Vereinigten Staaten, wo ihm ein Nagel herausgenommen wurde, der seine Schienbeinknochen fixierte. Nach seiner Rückkehr trainierte er auf Empfehlung seines ehemaligen Trainers aus Hoffenheimer Zeiten, Ralf Rangnick, einige Zeit bei Red Bull Salzburg. Die Österreicher machten ihm auch ein Vertragsangebot, doch der Afrikaner wollte nicht „zwei Schritte zurück“ in seiner Karriere machen: „Ich bin noch jung genug, um oben Fußball spielen zu können.“

          Seit 2007 in Deutschland

          Aber so einfach ist es nicht für ihn. Der AFC Sunderland verzichtete nach einer Probezeit auf seine Verpflichtung: Die Engländer suchten einen Stürmer, der sie quasi aus dem Stand heraus aus dem Tabellenkeller der Premier League schießen würde. Das ist bei einem Profi, der wegen Verletzungen in den vergangenen Jahren kaum spielte und ein halbes Jahr ganz ohne Spielpraxis ist, nicht zu erwarten. Auch Hannover 96 entschied sich, eher seinem bestehendem Sturm-Personal zu vertrauen. Eine weitere Absage könnte den Stürmer abstempeln.

          Deshalb sieht Veh sich in der Verantwortung, den Spieler zu schützen. „Ich will das mit dem Probetraining gar nicht so hoch hängen. Denn wenn wir Obasi dann nicht holen, sieht es für die Öffentlichkeit so aus, als hätte er nicht bestanden oder er wäre gescheitert. Das muss aber gar nicht sein. Vielleicht gibt es zum Zeitpunkt der Entscheidung nur ein günstigeres Angebot für uns.“ Auf jeden Fall hat Obasi den Eintracht-Trainer schon mal dazu bewogen, seine Vorspielzeit zu verlängern. „Veh hat mich gebeten, ich bin gerne gekommen“, sagt der gebürtige Nigerianer, der einen deutschen Pass besitzt, in sehr gutem Deutsch. Ihm gefällt es in dieser Trainingsgruppe sehr gut: „Ich würde gerne ganz kommen“, gibt er zu. Er habe mehrere Angebote gehabt, doch nach einiger Bedenkzeit sei ihm klar geworden: „Ich möchte unbedingt in der Bundesliga bleiben, hier ist es am besten.“

          Obasi kam 2007 nach Deutschland, Trainer Rangnick verpflichtete ihn für fünf Millionen Euro vom norwegischen Klub Lyn Oslo. Der Nigerianer wurde eines der Gesichter des Hoffenheimer Aufstiegs und bildete mit Demba Ba und Carlos Eduardo eine bemerkenswerte Offensivreihe. Er erzielte für die Kraichgauer in 91 Bundesligaspielen 25 Tore.

          In der Winterpause 2011/12 wechselte der Stürmer zu Schalke 04, wo er immer wieder zurückgeworfen wurde. Vor allem durch Schienbeinentzündungen, die der Nagel in seinem Bein auslöste, der ihn eigentlich von seinen Schienbeinbeschwerden befreien sollte. Es reichte für ihn in dreieinhalb Jahren nur zu 52 Pflichtspielen. Nur selten konnte er bei seinen Einsätzen einen richtig guten Eindruck hinterlassen, zuletzt beim Champions-League-Spiel im November 2014 gegen Sporting Lissabon, in dem er ein Tor und eine Torvorlage zum 4:3 beitrug. Der Schalker Manager Horst Heldt entschied sich, seinen Kontrakt nicht zu verlängern. Obasi kann das verstehen. „Mein Körper hat den Nagel nie angenommen, ich konnte meine Leistung nicht zeigen.“ Nun aber sei er von dem Stück Stahl befreit, und er fühle sich hervorragend. Seine Verpflichtung bilde für keinen Klub ein Risiko: „Ich bin wieder richtig gut drauf.“

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