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Apfelwein mit Tradition : Nur Äpfel von Privatleuten

  • -Aktualisiert am

Familienbetrieb: Auch Renate Tautges und Enkel Philipp helfen während der Erntezeit im Getränkemarkt. Bild: Michael Braunschädel

Bis Mitte Oktober kommen Bürger aus der ganzen Rhein-Main-Region und bringen Früchte zur Kelterei Trageser. Daraus wird seit neuestem auch Cider.

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          Lukas Iffland fährt an diesem Tag mit seinem kleinen roten Traktor heute schon zum vierten Mal die Straße am Ortseingang von Altenmittlau rechts ab und reiht sich in die Schlange der Autos vor der Kelterei Trageser ein. Drei der vier großen Becken auf der linken Seite sind bis zum Rand mit Äpfeln gefüllt. Bienen und Wespen summen durch die Luft, als Iffland beginnt, die vollen Säcke aus seinem Anhänger auf eine Waage zu heben. „Pro Fuhre waren es heute zirka 400 Kilogramm“, sagt er. Seine Familie habe drei Streuobstwiesen geerbt. Wenn er Zeit hat, erntet er die Äpfel und bringt sie zur Kelterei. Für zwei Kilogramm Früchte gibt es im angrenzenden Getränkemarkt der Familie Tautges einen Liter Apfelsaft oder Apfelwein zum halben Preis – Lohnmost heißt das Konzept. Für die Kelterei beginnt mit dem 11. September eine anstrengende Zeit. Bis Mitte Oktober werden etwa 3000 Privatkunden wie Iffland ihre Äpfel zu ihnen bringen.

          Seit Otto Trageser 1949 seine Küferei mitten im Ort um eine Kelterei ergänzte, wird in dem Familienbetrieb Apfelwein und Apfelsaft produziert. Da es im Main-Kinzig-Kreis viele Streuobstwiesen gibt, bot es sich damals an, die hergestellten Fässer auch mit Apfelsaft und Apfelwein zu füllen, sagt sein Urenkel Philipp Tautges.

          Familienbetrieb in dritter Generation

          In den fünfziger Jahren erwarb seine Familie das wesentlich größere Betriebsgelände am Ortsrand, das bis heute genutzt wird, und eröffnete in den Sechzigern den angrenzenden Getränkemarkt. Dort seien er und sein Bruder Alexander quasi aufgewachsen, berichtet Philipp Tautges. „Als Kinder haben wir im Lager Höhlen und Burgen aus leeren Kästen gebaut und bei der Apfelannahme die Äpfel gewogen“, erzählt der Sechsundzwanzigjährige, während er durch den Laden läuft. „Hallo Opa“, ruft er einem älteren Mann – Günter Tautges – zu, der gerade damit beschäftigt ist, das Leergut am Eingang des Getränkemarkts entgegenzunehmen. „Das lässt sich der Opa nicht nehmen“, sagt er und schüttelt lachend den Kopf. Günter Tautges, der Schwiegersohn des Gründers, stieg mit seiner Frau Renate 1973 in den Familienbetrieb ein, den inzwischen Sohn Christoph und dessen Frau Petra in der dritten Generation führen.

          Mit Tradition: Gründer Otto Trageser im damals neuen Lager. Bilderstrecke
          Apfelwein mit Tradition : Kelterei Trageser

          „Na, dich habe ich doch schon als kleinen Jungen hier rumspringen sehen“, ruft ein älterer Mann, der seine Äpfel jedes Jahr zur Kelterei bringt, Alexander Tautges zu. Sogleich begrüßt ihn der Rest der Familie fröhlich. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass wir heute schon so viele Äpfel bekommen“, sagt Philipp Tautges mit Blick auf die vollen Becken. Morgen von sechs Uhr an wollen sie mit dem Pressen beginnen.

          Dazu werden die Äpfel durch eine kleine Öffnung aus den Becken auf einen Sortiertisch gespült, wo Angestellte faule Früchte aussortieren. Für einen Pressdurchlauf braucht es 10 Tonnen, die zwischen 8000 und 9000 Liter Saft ergeben. „Eigentlich lohnt sich das Ganze jedoch erst ab zwei Durchläufen pro Tag, weil wir die Presse jeden Abend reinigen müssen“, sagt Philipp Tautges. In schlechten Erntejahren wird daher nicht jeden Tag gepresst. „Wir hatten dieses Jahr einen durchwachsenen Sommer, aber mehr Glück als andere Regionen“, sagt er. „Richtung Fulda gab es im Mai noch Frost.“ Er erwarte daher eine durchschnittliche Ernte.

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