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Kelten-Museum Wetterau : Alles in der Schwebe

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Die Statue des Keltenfürsten lockte seit Mai bereits rund 90.000 Besucher in das archäologische Landesmuseum nach Glauburg-Glauberg. Bild: Kretzer, Michael

Die Kultur der Kelten ist faszinierend, voller Rätsel, die seit jüngerer Vergangenheit erst richtig erforscht werden. Darüber etwas wissen wollen viele.

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          Die Blumen liegen noch nicht bereit, aber es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis in der „Keltenwelt am Glauberg“ der 100.000. Besucher begrüßt werden kann - die Marke von 90.000 war im Spätherbst schon überschritten. Selbst die größten Optimisten hatten nicht einen derartigen Publikumsansturm auf das erst im vergangenen Mai eröffnete Museum erwartet. Und das alles, weil dort, in der tiefsten Wetterau, 1996 eine rätselhafte Sandsteinstatue mit merkwürdigen Ausbuchtungen am Kopf, der Einfachheit halber Ohren genannt, gefunden wurde.

          Keine Frage, ohne diese von der Öffentlichkeit als „Keltenfürst“ adoptierte Figur wäre zumindest in Hessen das allgemeine Keltenfieber einige Grad niedriger. Auch die drei damals ebenfalls entdeckten, prachtvoll ausgestatteten „Fürstengräber“ hätten nicht ein derart großes Echo auslösen können. Und je länger der nach den Funden in den späten neunziger Jahren entbrannte Streit um den richtigen Ausstellungsort für den versteinerten Glauberg-Herrscher wogte, desto berühmter wurde die Figur. Am Ende war im Sinne der Region alles gut, und der „Fürst“ erhielt für neun Millionen Euro die teuerste Begräbnisstätte in der Geschichte des Landes Hessen. Der Erfolg gibt recht. Setzt sich der Besucherandrang auf die aus dem Museum, einem Archäologiepark und einer Forschungsstätte gebildete „Keltenwelt am Glauberg“ unvermindert fort, wird sie Saalburg und Hessenpark den Rang ablaufen.

          Die Figürlichkeiten regen die Vorstellungskraft an

          Dass Prähistorie zum Publikumsfavoriten aufstieg, sagt viel über den allgemeinen Wandel im Verständnis von Geschichte. Und die Bereitschaft, auch in Zeiten knapper Mittel für archäologische Funde eigens ein Museum zu errichten, kommt dem zunehmenden Wunsch von Museumsdidaktikern entgegen, das Überlieferte durch anschauliche Präsentation begreifbar zu machen - und offenbar auch den Wünschen des Publikums. So gesehen, ist die Glauberg-Statue ein Geschenk der Götter. Die Figur gibt einer schriftlosen Epoche ein Gesicht, lässt aber genügend Raum, um über das Spekulative neugierig zu machen auf das historisch Gesicherte. Und mit dem Keltentum ist eine Kultur zu entdecken, deren meisterliche Beherrschung von (Kunst-)Handwerk und Bauwesen dank intensiver Forschungstätigkeit der vergangenen Jahrzehnte offenbar geworden ist. So machtvoll, dass sie jetzt, nach zwei Jahrtausenden der Vergessenheit, antiken Hochkulturen gleichgestellt wird.

          Der Erfolg des Glauberg-Museums erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass dort die Fertigkeiten der Kelten in überzeugender Dramaturgie und Darstellung präsentiert werden. Im Museum scheint alles zu schweben. Noch der kleinste Gegenstand ist an hauchdünnen Stäben einzeln aufgehängt und wird von der indirekten Lichtführung nachgerade zum Leuchten gebracht. Nie hat man die figuralen Details keltischen Schaffens genauer in Augenschein nehmen können, nicht die Fabelwesen auf Fibeln, Gürtelhaken oder den beiden metgefüllten Kannen, nicht den Schmuckbesatz einstiger Bekleidung und schon gar nicht die reichen Goldbeigaben, die Finger-, Arm-, Ohr- und Halsringe der beiden unter einem 48 Meter breiten Grabhügel bestatteten Toten. Und dann betrachtet man dann den eigentlichen Star der Ausstellung, die frei aufgestellte Sandsteinstatue des „Keltenfürsten“, die neben dem Grabhügel in einem Graben lag.

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