https://www.faz.net/-gzg-9t8cs

Keine kleine Gebietsreform : Ein großer Wurf bleibt Fiktion

Fühlen sich als Rheingauer: Die Bürger von Hallgarten verbindet mehr mit der Region als mit Oestrich-Winkel. Bild: Cornelia Sick

Der Appell zur Fusion kleinerer Kommunen ist zu kurz gedacht. Die Zusammenarbeit von Gemeinden macht eine umfassende Reform aber nicht überflüssig. Noch größere Verbünde wären vermutlich für die Bürger sinnvoller.

          5 Min.

          Einmal und nie wieder? Dass es in Hessen zur Neuauflage einer Gebietsreform kommt, wie sie vor fast 50 Jahren von einer sozialliberalen Koalition beschlossen wurde und erbitterte Abwehrkämpfe im Land provozierte, gilt als höchst unwahrscheinlich. Auch nach der nächsten Landtagswahl ist keine Koalition absehbar, die ein derart heißes politisches Eisen anpacken würde. Anstatt die Peitsche verordneter Zusammenschlüsse zu schwingen, setzt das Land bislang mit durchwachsenem Erfolg auf das Zuckerbrot finanzieller Zuschüsse zu sinnvoller interkommunaler Zusammenarbeit.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Dabei gilt heute unverändert, was der frühere hessische Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld (FDP) 1974 als Ziel der hessischen Gebiets- und Funktionalreform ausrief: neue Einheiten zu bilden, die so groß und damit so leistungsfähig sind, dass sie alle Aufgaben erfüllen können, die eine moderne Gemeinde heute und in Zukunft hat. Nach 150 Jahren ohne Grenzänderung hielt Bielefeld damals die Zeit zum Handeln für gekommen, weil die Grenzen noch „aus der Postkutschenzeit“ stammten. Zum Stichtag im Jahr 1969 hatte es in Hessen noch 2642 Gemeinden, 39 Landkreise und neun kreisfreie Städte gegeben.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. + F.A.S. – Adventsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Allein geht es nicht: Der Rapper Kollegah kann sich forsche Töne leisten, weil er einen Beschützer hat.

          Familienclans und Rocker : Die „Rücken“ der Rapper

          Rapper in Deutschland haben oft mit kriminellen Milieus zu tun. Sie lassen sich von Rockern und Clans beschützen. Wenn die Hintermänner streiten, wird es gefährlich. Ein Einblick in die Welt von Kollegah, Capital Bra und Bushido.
          Hier geschah es: Auf dem Radweg zwischen deutschen Museum (links) und Europäischen Parlament (rechts) erstach ein Unbekannter Domenico L.

          Mord an der Isar : Bayern betritt kriminalistisches Neuland

          In München wird die erweiterte DNA-Analyse eingesetzt, um den Mörder von Domenico L. zu fassen. Ermittler erfahren so, welche Haar-, Augen- und Hautfarbe der Täter vermutlich hat. Das ist in Deutschland eigentlich noch verboten.