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Mainzer Taubertsbergbad marode : Keine großen Sprünge

Marode: In diesem Becken sind Fliesen am Boden lose Bild: Stadt Mainz

Kaputte Fliesen, gesperrte Rutschen: Das Mainzer Taubertsbergbad ist in einem miserablen Zustand. Die Stadt rechnet mit dem Schlimmsten.

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          Der Sprungturm und das dazugehörige Becken im Sportbad sind mit rotweißen Bändern abgesperrt, die Turbo- und die Blackhole-Rutsche sowie der Hot-Whirlpool außer Betrieb, und auch das Nichtschwimmerbecken darf nicht betreten werden, weil sich Fliesen gelöst haben und der von scharfkantigen Rissen durchzogene Boden gefährlich ist. Zwölf Jahre nach der Eröffnung zeigt sich das Mainzer Taubertsbergbad in einem derart schlechten Zustand, dass man sich im Rathaus ernsthaft sorgt, ob und wie lange der Pächter seine Verpflichtungen noch erfüllen kann und will.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Vertraglich ist die zum bröckelnden Imperium des Stuttgarter Unternehmers Uwe Deyle gehörende Firma Starwaters als Betreiber für Pflege und Instandhaltung des gegenüber dem Hauptbahnhof gelegenen Hallen- und Freibades zuständig. Früher seien die von der Stadt als Eigentümer des Gebäudes gemeldeten Mängel dann auch irgendwann beseitigt worden, sagte gestern Sport- und Finanzdezernent Günter Beck (Die Grünen). Danach sehe es aktuell aber nicht aus. Wobei auf den Internetseiten des Freizeit- und Erlebnisbades seit Tagen nur von „Wartungsarbeiten“ im Innern gesprochen wird. Deshalb erhalten Besucher zurzeit 20 Prozent Rabatt.

          Untergrund schlecht gemacht?

          Dass sich die Betonbauer mit den Plattenlegern inzwischen wohl auch vor Gericht darüber streiten, wer den Murks beim Beckenbau zu verantworten hat, ist laut Beck Teil einer offenbar nicht enden wollenden Geschichte. Es gehe darum, ob der Untergrund schlecht gemacht oder aber der falsche Fliesenkleber gewählt worden sei. Für den Ausfall von Rutschen und Whirlpool macht der Betreiber hingegen eine schadhafte Filteranlage verantwortlich, was seiner Ansicht nach auf Pfusch am Bau zurückzuführen sei.

          Zwar hat Deyle, der gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, angekündigt, die Schäden zu beseitigen und seinen bis 2022 laufenden Pachtvertrag einzuhalten. Allerdings hat die von ihm als Geschäftsführer geleitete Gruppe in den vergangenen Jahren schon mehrere Bäder-Projekte aufgeben müssen. Zuletzt ging Mitte 2015 die Königstherme in Königsbrunn bei Augsburg in Insolvenz. Zuvor hatte sich Deyle als Eigentümer in Gesprächen mit den Schwaben vergeblich darum bemüht, einen Investitionszuschuss der Stadt für die überfällige Modernisierung des 30 Jahre alten Gebäudes zu erhalten. Auch im nahe gelegenen Neusäß ist der Stuttgarter Unternehmer 2013 mit seinem Erlebnisbad gescheitert.

          In Mainz stand das im Jahr 2000 begonnene Vorhaben der hochverschuldeten Stadt, durch Einbindung eines privaten Betreibers das zentral gelegene Bad für den Unterricht der Schulen und den Vereinssport zu erhalten, von Anfang an unter einem schlechten Stern. Vier statt veranschlagter zwei Jahre blieb das Taubertsbergbad zu, das entgegen hochtrabender Politikerpläne auch keine mondäne „Römertherme“ geworden ist. Mit Hilfe von Grundstücksverkäufen und einem Landeszuschuss von vier Millionen Euro ließ sich nur eine kleinere Neubauvariante für 18,5 Millionen realisieren, die der Kommune eine zusätzliche Kreditlast von gut elf Millionen aufbürdete. Den Bau eines „schlüsselfertigen Bades“ übernahm eine dafür gegründete Arbeitsgemeinschaft - bestehend aus dem Planungsbüro Deyle und der Ingelheimer Bauunternehmung Karl Gemünden GmbH.

          Eine Million Euro plus sieben Prozent Mehrwertsteuer erhält die Deyle-Gruppe jährlich dafür, dass im Sportbad weiterhin bei recht günstigem Eintritt geschwommen werden kann, während die Preise für die angegliederte „Thermenlandschaft“ und die „Saunenwelt“ deutlich höher liegen. Im Gegenzug wird von Deyle eine Pacht von einer Million plus 19 Prozent Mehrwertsteuer verlangt, was der Stadt als Eigentümerin ein Plus von rund 120.000 Euro im Jahr bringt.

          Für das zweite Mainzer Schwimmbad im Stadtteil Mombach, das vor zehn Jahren aus Kostengründen aufgegeben werden sollte, hat sich eine andere Lösung gefunden. Die Einrichtung an der Oberen Kreuzstraße wurde von der gemeinnützigen Schwimmverein GmbH übernommen, die unter anderem für die Bereitstellung einer Traglufthalle sowie für die Förderung des Schul- und Vereinssports jährlich eine Million Euro Betriebskostenzuschuss bekommt.

          Wie auch immer es mit dem Taubertsbergbad weitergehe, die Stadt werde für alle Eventualitäten gerüstet sein, sagte gestern der zuständige Dezernent. Für ihn stehe fest, dass der Pächter am Zug sei. Es gehe darum, für die Mainzer ein zweites Hallen- und Freibad an der Wallstraße zu erhalten und die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu sichern.

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