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Landgericht entscheidet : Keine Anklage gegen Witwe von Bruno Schubert

Lebt nicht mehr in Frankfurt: Meharit Schubert Bild: dpa

Im Oktober 2010 starb der Frankfurter Ehrenbürger Bruno Schubert. Eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts Frankfurt hat die Anklage gegen seine Witwe wegen versuchten Totschlags jetzt abgewiesen.

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          Der Tod von Bruno Schubert, Frankfurter Ehrenbürger, Mäzen und Brauerei-Erbe, landet nicht vor Gericht. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts hat das Hauptverfahren gegen seine Witwe Meharit nicht eröffnet. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein, nun muss das Oberlandesgericht entscheiden.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Strafverfolger hatten Meharit Schubert vor zweieinhalb Jahren wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen angeklagt; Schuberts langjähriger Freund und Generalbevollmächtigter soll Beihilfe geleistet haben. Schubert war im Oktober 2010 in seiner Villa in Sachsenhausen im Alter von fast 91 Jahren gestorben. Seine mehr als 60 Jahre jüngere Frau habe ihn, der an einer Lungenentzündung schwer erkrankt war, nicht ausreichend versorgt, ihm insbesondere nicht genügend zu trinken gegeben, lautete der Vorwurf.

          Verdacht auf Mord aus Habgier

          Für eine gewisse Zeit bestand sogar der Verdacht, Schubert sei aus Habgier ermordet worden. Anlass bot sein Testament, mit dem er seinen früheren Letzten Willen zugunsten seiner neuen Frau geändert hatte. Zuvor hatte er, wie mit seiner früheren Gemahlin vereinbart, sein Vermögen der gemeinsam gegründeten Umweltstiftung zugute kommen lassen wollen. Sein Sohn erstattete nach dem Tod Schuberts Anzeige gegen die Witwe: Sie hätte den Schwerkranken unbedingt in eine Klinik bringen lassen müssen, stattdessen habe sie darauf bestanden, ihn selbst zu versorgen. Sie verwies hingegen auf eine Patientenverfügung, in der ihr Mann gewünscht habe, zu Hause, gepflegt von ihr, zu sterben.

          Die Staatsanwaltschaft zögerte. Erst als auch aus dem großen Freundes- und Bekanntenkreis des Mannes, der Mitglieder der Frankfurter Gesellschaft regelmäßig zum Essen und Gedankenaustausch um sich versammelte, immer mehr Zweifel laut wurden, Schubert sei eines natürlichen Todes gestorben, kamen die Ermittlungen in Gang. Die Leiche wurde exhumiert und untersucht. Die Gutachten ergaben zwar keine eindeutigen Beweise dafür, dass man Schubert habe verdursten lassen. Sie verdichteten aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber den Eindruck, die Witwe und der Bevollmächtigte hätten zumindest billigend in Kauf genommen, dass Schubert aufgrund der schlechten Versorgung früher sterbe. Angeklagt wurde freilich nur versuchter Totschlag, weil jedenfalls die Todesursache nicht mehr zu klären war. Den Vorsatz, Schubert sterben zu lassen, indem man ihn schlecht versorge, sieht die Schwurgerichtskammer des Landgerichts nicht als hinreichend belegt an. Die Richter lehnten es daher nach langer Prüfung der Anklage ab, das Hauptverfahren zu eröffnen.

          Meharit Schubert lebt schon lange nicht mehr in Frankfurt. Dem Vernehmen nach betreibt sie in ihrer Heimat Äthiopien einen Steinbruch. Der Bundesgerichtshof hatte ihr in letzter Instanz das vermeintlich zig Millionen Euro schwere Erbe Schuberts zugesprochen. Auf welche Höhe es sich am Ende tatsächlich noch belief, ist unklar. Zumal das Finanzamt erhebliche Forderungen hat. Erst nach Schuberts Tod wurde klar, wie viel Kapital er am deutschen Fiskus vorbei in die Schweiz transferiert hatte.

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