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Initiative gegen Extremismus : „Fausthiebe nehme ich sportlich“

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Will von niemandem abhängig sein: Andreas Balser, Vorsitzender der Antifa-Bi in Friedberg Bild: Wolfgang Eilmes

Andreas Balser ist Gründer der Antifaschistischen Bildungsinitiative aus Friedberg, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Manchmal wird der Immobilienmakler auch selbst bedroht.

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          Als das Handy klingelt, schauen alle zu Andreas Balser. Der 36 Jahre alte Vorsitzende der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-Bi) aus Friedberg geht kurz ran, bevor er die wöchentliche Sitzung der Gruppe eröffnet. Zehn junge Menschen sitzen im Halbkreis, sie sind dunkel gekleidet, manche mit Piercings im Gesicht. Es geht um die Organisation des politischen Sommerfestivals „Sound of Liberty“ im Spätsommer.

          Vor 13 Jahren hat Balser mit Freunden zusammen die Antifa-Bi gegründet, die inzwischen mehr als 200 Mitglieder zählt. Er verabscheue Nazis, stellt er klar: „Für ihre Ideologie, für ihre Gewalt gegen Andersdenkende, eigentlich für ihre schiere politische Existenz.“ Seither filmt er auf rechtsextremen Demonstrationen, prangert die Demokratiefeinde an und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Selbst Körperverletzungen und Drohungen scheinen ihn nicht einzuschüchtern. „Ich hatte schon Morddrohungen an der Windschutzscheibe stecken und bekomme immer wieder Fäuste auf Demos ab. Das nehme ich sportlich.“

          Bereits in der Schule engagiert

          Balser recherchiert über Rechtsextreme in der Wetterau, dokumentiert deren Tun, macht es öffentlich und zeigt sie an. Einmal standen Neonazis deswegen vor seiner Haustür, bis er die Polizei rief. Er habe keine Angst und mache sich eher Sorgen um diejenigen, die keine Möglichkeit hätten, an die Öffentlichkeit zu gehen oder sich selbst zu schützen, sagt er.

          Balser stammt aus einer Lehrerfamilie, am Esstisch wurde über Politik diskutiert, wie er sagt. Als Schüler in der Oberstufe habe er erste Konflikte mit Mitschülern ausgetragen, die mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln im Unterricht erschienen seien und sich zur rechtsextremen Szene bekannt hätten. Daraufhin organisiert er erste Anti-Nazi-Demonstrationen und vernetzt sich mit Gleichgesinnten. Dabei lernte er auch seine Frau kennen.

          „Alternative Entfaltungsräume“ für junge Menschen

          Er studierte, eröffnete eine Bar, gab beides wieder auf und stiegt in das Immobiliengeschäft des Großvaters ein. Anfangs erledigte er Hausmeistertätigkeiten und war für Abrechnungen verantwortlich, bald übernahm er auch größere Projekte und bildete sich schließlich zum Immobilienmakler weiter. Es ist Balser wichtig, sein Einkommen unabhängig zu erwirtschaften, wie er sagt: „So mache ich mich nicht von irgendwem abhängig.“ Wenn er sich mit Kunden trifft, trägt er Anzug, privat bevorzugt er Pullover und Funktionshosen. So kennt man ihn auch im Verein.

          Mit diesem möchte er jungen Menschen „alternative Entfaltungsräume“ in der Wetterau bieten. Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz veranstaltet die Initiative regelmäßig einen Poetry Slam. So hat zum Beispiel der 16 Jahre alte Dennis vor zwei Jahren zu dem Verein gefunden und ist seitdem dabei. Seine Großeltern seien in den Gaskammern ermordet worden, sagt er. „Ich will nicht, dass so etwas wieder geschieht.“

          Engagierte Jugendliche wie Dennis gibt es laut Balser aber recht wenige. Das liege auch am begrenzten kulturellen Angebot in der Wetterau. „Es gibt einige Jugendzentren und Gaststätten, in denen sich junge Leute aufhalten können, aber ernsthafte Angebote wie in Großstädten sind nicht vorhanden.“ Jugendförderung sei eine kommunale Aufgabe, die Städte hätten jedoch kaum Geld. „Das ist deutlich zu spüren und bietet einen Nährboden für Rechtsextremismus“, meint Balser.

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