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Fehlender Internetzugang : Kein Anschluss im Altenheim

  • -Aktualisiert am

Endlich Netz: Im Altenheim haben die Bewohner selten Internetzugang. Bild: mauritius images / Federico Juli

Obwohl immer mehr ältere Menschen das Internet nutzen, bieten viele Altenpflegeheime kein W-Lan an. Dabei würde ein Internetzugang älteren Menschen neue soziale Teilhabe ermöglichen.

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          In vielen hessischen Altenpflegeheimen haben Bewohner keinen Zugang zum Internet. Auch in der größten hessischen Stadt Frankfurt stellen nur wenige Einrichtungen W-Lan bereit. Die Awo und die Caritas dort bieten nach eigenen Angaben noch kein Internet an. In den Einrichtungen der Diakonie dagegen haben bisher drei von sieben Altenpflegeheimen einen W-Lan-Hotspot eingerichtet. Der befinde sich allerdings meist im öffentlich zugänglichen Teil der Einrichtung, etwa im Foyer, sagt eine Sprecherin. Der Empfang im Zimmer gehört demnach nicht zum Standard.

          Die Caritas plant nach eigener Darstellung, im Laufe dieses Jahres in einem ihrer Frankfurter Heime W-Lan in allen Zimmern und Gemeinschaftsräumen anzubieten. Von der Awo hieß es, man arbeite an einem Konzept. Wann mit flächendeckendem W-Lan zu rechnen ist, blieb offen. Anders ist die Lage bei der Awo Nordhessen. Dort verfügen 16 der 30 Heime über öffentliches W-Lan. Bei der Awo Hessen-Süd sind es vier von 21.

          Die soziale Teilhabe versagt

          Eine flächendeckende W-Lan-Versorgung von Altenpflegeheimen wünscht sich der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen. „Ohne die Möglichkeit, im Netz zu agieren, werden viele grundsätzliche und soziale Aspekte der Teilhabe nicht ermöglicht“, sagt ein Sprecher. Ältere Menschen hätten allein schon wegen ihres Alters Nachteile. Mit dem Zugriff auf das Internet könnten Heimbewohner Kontakt zu ihren Freunden und Familienangehörigen aufrechterhalten und weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Zugleich fördere ein Internetzugang die Eigenständigkeit der Bewohner, da sie beispielsweise Bank- und Behördenangelegenheiten selbständig erledigen könnten.

          Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen fordert einen unentgeltlichen Internetzugang in Altenpflegeheimen. Das gehöre zur Daseinsvorsorge, sagt Janina Stiel, Referentin für Digitalisierung und Bildung. Laut einer Studie von „pflegemarkt.com“ stellen in Deutschland 37 Prozent der Einrichtungen W-Lan zur Verfügung. Davon wiederum bieten nur sechs Prozent die Nutzung unentgeltlich an.

          Jörg Wilhelm, Geschäftsführer der Johanna-Kirchner-Stiftung, die zur Awo gehört, weist darauf hin, dass es bisher nur eine geringe Nachfrage nach W-Lan in Altenpflegeheimen gebe. Er schätzt, dass sich fünf bis zehn Prozent der Bewohner Internet wünschen. Dennoch sei er sich bewusst, dass die W-Lan-Verfügbarkeit für die Auswahl der Pflegeeinrichtung immer wichtiger werde, da zunehmend Senioren in die Heime kämen, die das Internet seit Jahren nutzten und nicht darauf verzichten wollten. Laut Statistischem Bundesamt ist die Internetnutzung von Menschen, die 65 Jahre alt und älter sind, in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen; 2017 war es schon jeder Zweite.

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