https://www.faz.net/-gzg-71g1z

Kein Nachmieter : Die Börse hat in Hausen ein Loch hinterlassen

Anker ohne Mieter: Die frühere Börsenzentrale dominiert das Industriehof-Viertel. Bild: Fricke, Helmut

Der Umzug der Deutschen Börse nach Hausen hat den Industriehof Anfang des Jahrtausends zu einem modernen Bürostandort gemacht. Seit dem Wegzug nach Eschborn darbt das ganze Viertel.

          4 Min.

          Wer die Neue Börsenstraße in Frankfurt-Hausen entlangfährt, fühlt sich, als würde er die Landesgrenzen verlassen. Beide Straßenseiten werden von Zäunen mit Stacheldraht flankiert. Linker Hand liegt eine kleine Kaserne der Bundeswehr, Schilder weisen auf „Militärisches Sicherheitsgelände“ hin und dass hier notfalls von Schusswaffen Gebrauch gemacht werde. Rechter Hand liegt das bunkerartige Rechenzentrum der Börse. Nach einer engen Reihe von Geschwindigkeitsschwellen endet die Straße an einem großen Stahltor, dahinter liegt der graue Gebäuderiegel aus Glas und Beton, der einige Jahre lang das Herz des Viertels „Industriehof“ war - die frühere Zentrale der Deutschen Börse.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als das Unternehmen zur Jahrtausendwende vom Börsenplatz in der Innenstadt nach Hausen umzog, entstand dort eine kleine moderne Bürostadt, vom Finanzplatz Hausen wurde schon gesprochen. Viele Dienstleister siedelten sich rund um die „Neue Börse“ an. Doch seit der Dax-Konzern von 2008 an innerhalb von zwei Jahren mit allen 2000 Mitarbeitern zum Steuernsparen Richtung Eschborn umzog, steht nicht nur dessen ehemalige Zentrale leer. Im ganzen Viertel häufen sich die Leerstandsmeldungen, an vielen Häusern hängen große Mietangebotsschilder - auch ohne Provision.

          102 Millionen Euro investiert

          Dass der Eigentümer der früheren Börsen-Zentrale, die Commerzbanktochter Commerz Real, wenig Hoffnung hat, bald einen Nachnutzer für die Immobilie zu finden, die mit 48000 Quadratmetern Fläche in etwa so groß ist wie der Commerzbank-Turm am Kaiserplatz, bekommen inzwischen auch die Privatanleger zu spüren, die sich über einen Immobilienfonds einst an der Finanzierung der „Neuen Börse“ beteiligt haben.

          102 Millionen Euro haben Privatleute in den Fonds CFB 130 investiert, der nun vor dem Aus steht. Gutachter haben die Überschuldung des Fonds festgestellt, nachdem seit Jahren die Mieteinnahmen der Börse ausbleiben. „Nach Rechtslage muss nun Insolvenz angemeldet werden“, sagt ein Sprecher der Commerz Real. Das hätte den Totalverlust für die Anleger zur Folge. Sogar schon erhaltene Ausschüttungen aus den vergangenen Jahren in Höhe von 40 Millionen Euro müssten sie dann zurückzahlen.

          Umbenennung als Versuch

          Um das abzuwenden, hat die Commerz Real die Anteilseigner des Fonds für den heutigen Donnerstag zu einer Sondersitzung eingeladen, in der sie dem Verkauf der Immobilie an eine Gesellschaft der Commerz Real zustimmen sollen. Zumindest die 40 Millionen Euro könnten sie dann behalten. Sollte die neue Eigentümerin noch einen Käufer für den inzwischen in „Lateral Towers“ umbenannten Bau finden, so würden die Fondseigner laut Sprecher an den Verkaufserlösen beteiligt.

          Die Umbenennung war einer von vielen Versuchen, die Immobilie für Mieter oder Käufer interessant zu machen. Auch die Aufteilung des wuchtigen Gebäuderiegels in mehrere kleine Teile sollte die Vermietung erleichtern. Mit dem Sommerempfang der Wirtschaftsförderung vor wenigen Wochen, zu dem das große Foyer noch einmal ähnlich festlich eingedeckt wurde wie zu den früheren Neujahrsempfängen der Börse, versuchte auch die Stadt ihren Teil zur Vermarktung der Flächen beizutragen.

          Weitere Themen

          Der Schattenmann

          Eintracht-Spieler Dominik Kohr : Der Schattenmann

          Dominik Kohr fühlt sich bei Eintracht Frankfurt gut angekommen. Beim Wiedersehen mit der Werkself setzt er auf Sieg: „Wir wollen oben dranbleiben.“

          Warum sich Biowein nicht gut verkauft

          Ladenhüter : Warum sich Biowein nicht gut verkauft

          Bioprodukte gut zu finden ist das eine – sie dann auch zu kaufen das andere. Das zeigt sich auch bei Wein. Längst nicht in jedem Fall ist aber der Preis ausschlaggebend, wie eine Studie der Uni Kassel zeigt.

          Topmeldungen

          Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer im Oktober in Paris

          Islamismus in Frankreich : Kleingruppen gegen Fundamentalismus

          Mit einer neuen Schulpolitik will Frankreich Jugendliche aus Einwandererfamilien besser fördern – und so dem Islamismus entgegenwirken. Bildungsminister Blanquer hat als Schuldirektor den wachsenden Einfluss des Fundamentalismus erlebt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.