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Pandemie in Hessen : Ein Fünftel der Covid-Infizierten in einer Klinik

Füllstoff: Nicht nur diese beiden Stühle blieben in der Corona-Krise öfter leer, als dem Gastronom lieb ist Bild: dpa

In Hessen bleibt die für Lockerungen wichtige Zahl der neuen Corona-Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen unverdächtig. Aber kein Kreis ist mehr ohne Neuinfektion. Es gibt aber auch einen erfreulichen Bestwert.

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          Abermals haben die hessischen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut über Nacht dreistellige neue Covid-19-Fälle gemeldet. Indem 165 bestätigte Neuinfektionen hinzugekommen sind, sind seit Beginn der Corona-Pandemie in Hessen nunmehr 18.035 Infizierte verzeichnet worden. Nach Angaben von Fachleuten wie der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek liegt der Anstieg der Zahlen zumindest teilweise an den vermehrten Tests in den vergangenen Wochen. „Darüber hinaus häufen sich die Zahlen immer dort, wo viele Menschen zusammenkommen – insbesondere in geschlossenen Räumen und ohne Schutzmaßnahmen“, so Ciesek. Nicht jeder Infizierte zeigt dabei Symptome.

          Thorsten Winter
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          So hat Berlin, wo es zuletzt mehrere große Demonstrationen gegen die Corona-Regeln gegeben hat, mittlerweile Bayern an der Spitze der „Corona-Rangliste“ abgelöst. Das Robert-Koch-Institut weist für die Hauptstadt eine Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist bestätigten Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern, eine 23,5 aus, für Bayern eine 18. Hessen kommt auf den unverdächtigen Wert 12. Auf kommunaler Ebene ist 50 der Schwellenwert, von dem an die Behörden bestehende Lockerungen deutlich einschränken können.

          Nur eine Minderheit wird in Kliniken behandelt. Das Sozialministerium meldete zur Wochenmitte 258 Patienten in Krankenhäusern in Hessen. 45 von ihnen müssen beatmet werden, 16 mehr als vor einer Woche. 725 Beatmungsbetten sind demnach frei, sieben mehr als vor Wochenfrist. Gut ein Fünftel der regisrierten Infizierten befindet sich damit derzeit in einer Klinik.

          29 der 196 Neuinfektionen entfallen auf Frankfurt, das insgesamt auf 3192 Infizierte seit März kommt. 18 weitere gibt es im Landkreis Offenbach und 16 zusätzliche im Kreis Groß-Gerau und 14 weitere im Main-Kinzig-Kreis, in dem jüngst 1000 Personen in Quarantäne mussten. All diese Kreise haben seit dem Beginn der Pandemie mehr als 1000 Infektionen verzeichnet. Im Werra-Meißner-Kreis ist ein neuer Fall registriert worden, mithin ist kein Landkreis in Hessen mehr ohne Neuinfektionen binnen sieben Tagen.

          Die frisch berichteten neuen Fälle entsprechen 7,6 Prozent der bekanntgewordenen Neuinfektionen im Bund. Hessen stellt acht Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Anstieg ist also einerseits leicht unterproportional. Andererseits liegt absolut einer der stärksten Zuwächse der vergangenen Wochen vor. Zudem blieben zweistellige Anstiege, wie sie zu Beginn der Woche zu sehen waren, die Ausnahme.

          Wie das kurz RKI genannte Bundesinstitut auf seiner Internetseite weiter darlegt, gibt es einen weiteren Todesfall in Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen. In Summe sind es seit März offiziell 546 Corona-Opfer. Seit Anfang August sind 26 hinzugekommen. Umgekehrt wächst die Gruppe der Genesenen täglich in Hunderter-Schritten. Nun geht das RKI von 16.200 Kindern, Frauen und Männern aus, die ihre Infektion überstanden haben. Auf einen Todesfall kommen 29,6 Genesene, abermals ein neuer Spitzenwert seit Anschwellen der Pandemie.

          Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie lassen sich in neuen Zahlen fassen: Die hessische Wirtschaft ist im ersten Halbjahr deutlich geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank binnen Jahresfrist preisbereinigt um 6,1 Prozent, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag in Wiesbaden laut dpa mitteilte. Ohne die Preisbereinigung berechneten die Statistiker einen BIP-Rückgang um 3,9 Prozent.

          Das Produzierende Gewerbe musste nach Angaben der Behörde das größte Minus verbuchen. Besonders stark von der Corona-Krise seien auch einige Dienstleistungsbranchen wie das Gastgewerbe, die Luftfahrt und die Reisebüros betroffen gewesen. Eine positive Entwicklung habe es dagegen im Baugewerbe gegeben. Im BIP wird die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen erfasst.

          Marburger Wartestand

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen testen zu dürfen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg zuletzt der F.A.Z. Am Dienstag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beim Arzneimittelhersteller Sanofi eine Anlage zur Abfüllung eines Corona-Impfstoffs symbolisch in Betrieb genommen. Sanofi arbeitet aber noch an dem Vakzin. Wann es auf den Markt kommt, steht dahin.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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