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Kein Brief an die Gläubigen : Limburger Bischof schweigt weiter

  • -Aktualisiert am

Der Druck wächst: Das Vertrauen in die Amtsführung von Limburger Bischof Tebartz-van Elst ist zusehends zerrüttet. Bild: dpa

Entgegen der Ankündigung wendet sich Bischof Tebartz-van Elst nicht an die Gläubigen. In den vorherigen Tagen gab es vermehrt Kirchenaustritte im Bistum. Nun wollen einige Gläubige für ein Ende der Krise beten.

          Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst will sich am Wochenende anders als geplant doch nicht in einem Brief an die Gläubigen wenden. Das teilte der Bistumssprecher gestern mit und fügte hinzu, dies sei jetzt „nicht sinnvoll“. Offenbar ist wegen der Affäre um den Bischof in den vergangenen Tagen die Zahl der Kirchenaustritte deutlich gestiegen. Nach Angaben des Limburger Amtsgerichts hat es am Mittwoch zwölf Austritte gegeben, am Donnerstag 20 weitere. Am Freitag seien schon am Vormittag 15 Austritte registriert worden. Normalerweise melde sich alle zwei Tage ein Bürger, der seiner Kirche den Rücken kehren wolle.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch in Wiesbaden haben sich seit Mitte August ungleich mehr Mitglieder beider Konfessionen von der Kirche abgewandt als von August bis Oktober 2012. Der Sprecher des Amtsgerichts Frankfurt teilte mit, bis Anfang vergangener Woche seien die Zahlen unverändert gewesen, gestern seien sie jedoch signifikant gestiegen. Innerhalb eines Tages seien 20 Kirchenmitglieder ausgetreten – fast dreimal so viele wie üblich. Es sieht so aus, als wirke sich die Krise auch außerhalb des Bistums Limburg aus: In Mainz wurden in der vergangenen Woche 20, in dieser Woche 31 Austritte verzeichnet. Wer die Kirche verlassen will, muss dafür keine Gründe nennen; ein Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Tebartz-van Elst liegt aber nahe.

          Hohe Kosten schon bei Planung absehbar

          Die von den Vorgängen in Limburg genährte öffentliche Kritik am Umgang der Kirchen mit ihren Finanzen hat gestern die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zu einer Erklärung veranlasst. Deren Sprecher sagte, in seiner Kirche „ist beim Umgang mit Geld Transparenz das oberste Gebot“, und verwies auf die Kirchensynode, die den Haushalt beschließe.

          Unterdessen verdichtet sich der Eindruck, dass die hohen Kosten für den Dienst- und Wohnsitz des Bischofs schon bei der Planung absehbar gewesen sind. Der Architekt des Ensembles, Michael Frielinghaus, will sich aktuell zu den Kosten nicht äußern. Vor einigen Tagen schon hatte Frielinghaus, der auch Präsident des Bunds Deutscher Architekten ist, das Projekt allerdings gegen Vorwürfe verteidigt: „Das ist kein Protzbau, sondern Qualitätsarbeit erster Klasse.“ Das zeige sich auch bei der Auswahl der Materialien – „fränkischer Muschelkalk, kein Marmor“.

          Vertrauen in Amtsführung sei zerrüttet

          Für Frielinghaus steht fest: Der Bauherr habe in bestem Sinne Verantwortung für den Ort übernommen, indem er die Altbauten – das baufällige Fachwerkhaus „Alte Vikarie“ aus dem 15.Jahrhundert und das Küsterhaus von 1906 – saniert und mit den sinnvoll genutzten Neubauten verbunden habe. „Gegenüber einem der wichtigsten Kirchenbauten konnte man einen solchen Trümmerhaufen nicht stehenlassen“, sagte Frielinghaus. Jochen Riebel vom Vermögensverwaltungsrats des Bischöflichen Stuhls wirft dem Bischof vor, durch teure Sonderwünsche die Baukosten gesteigert zu haben. Allein seine Wohnung mit einem 63 Quadratmeter großen Wohnzimmer habe laut den Unterlagen 2,9 Millionen Euro gekostet. Riebel hatte vor einigen Tagen überraschend behauptet, es gebe unter dem Keller der Wohnung ein weiteres Untergeschoss. Diese Angaben treffen aber offenbar nicht zu. Frielinghaus zufolge hat der Neubau nur ein Erdgeschoss und ein Untergeschoss.

          Die Mitglieder der Bezirksversammlung im Bezirk Limburg forderten Tebartz-van Elst in einem von der Vorsitzenden unterzeichneten Brief auf, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. „Unser Ihnen immer wieder entgegengebrachtes Vertrauen in Ihre Amtsführung ist zerrüttet.“ In dem Bezirk findet vom Wochenende an eine „Gebetsstaffel“ statt, täglich in einer anderen Gemeinde. Laut Ankündigung wird dabei auf den Heiligen Geist vertraut, „dass er einen Ausweg aus der aktuellen Situation bahnt“. Begonnen wird im Pastoralen Raum Hadamar.

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