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Kehrtwende : Langfristig 1400 Stellen in der Commerzbank in Gefahr

Bank in Bewegung: Bei der Commerzbank tut sich einiges. Bild: dpa

Die Commerzbank kommt nicht zur Ruhe. Die am Dienstagabend bekanntgegebene Kehrtwende in der Strategie gefährdet bis zu 1400 Jobs in dem Konzern.

          Die Commerzbank kommt nicht zur Ruhe. Die am Dienstagabend bekanntgegebene Kehrtwende in der Strategie gefährdet bis zu 1400 Jobs in dem Konzern. 1200 Mitarbeiter arbeiten derzeit für die Eschborner Tochter für Staats- und Gewerbeimmobilienfinanzierung Eurohypo, die nach den neuen Plänen vollständig abgewickelt werden soll. 200 weitere Beschäftigte sind mit der Schiffsfinanzierung befasst, die die Bank nun ebenfalls einstellen will. Noch im März hatte Vorstandsvorsitzender Martin Blessing angekündigt, einen Teil der Eurohypo gemeinsam mit der Schiffsfinanzierung in einem neuen Geschäftsfeld zusammenzufassen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem Interview mit Blessing und dem Finanzvorstand Stephan Engels, das die Bank am Mittwoch in ihrem Intranet veröffentlichte und das dieser Zeitung vorliegt, wich Blessing der Frage nach den Folgen für die Mitarbeiter aus. „Wir haben heute die Grundsatzentscheidung getroffen und werden in den kommenden Monaten mit allen betroffenen Gremien die Details zur Umsetzung ausarbeiten“, sagte Blessing. Der Betriebsrat war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

          Auflage der Europäischen Union

          Ein Sprecher der Bank verwies darauf, dass die Verträge in der Finanzierung von Schiffen und gewerblichen Immobilien sowie in der Staatsfinanzierung Laufzeiten von Jahren oder gar Jahrzehnten hätten. Da die Commerzbank keinen dieser Verträge vorzeitig auflösen wolle, würden auch auf absehbare Zeit noch viele Mitarbeiter benötigt.

          Die Abwicklung der Eurohypo ist eine Auflage der Europäischen Union in Folge der staatlichen Stützung des Kreditinstituts in den Jahren 2008 und 2009. Zu diesen Vorgaben aus Brüssel zählt auch, dass der Name „Eurohypo“ nicht weiter verwendet werden darf. Wie die Bank gestern mitteilte, soll die abzuwickelnde Tochtergesellschaft daher voraussichtlich zum 31.August in Hypothekenbank Frankfurt AG umbenannt werden. Damit greift sie den Namen eines der Vorgängerinstitute der Eurohypo auf. Auch Tochtergesellschaften des Unternehmens sollen auf den neuen Namen umgestellt werden.

          „Beschleunigung des bisherigen Kurses“

          Zu den Plänen des Vorstands zählt auch, die Wiesbadener Immobilienfonds-Tochter Commerz Real in das Privatkundensegment einzugliedern. In der Tochtergesellschaft arbeiten 800 Mitarbeiter. Was die Eingliederung im einzelnen bedeute, ob zum Beispiel Unternehmensteile nach Frankfurt verlagert würden, sei noch nicht gewiss, sagte ein Sprecher gestern.

          Die geplanten Veränderungen sollen zum 9.August vollzogen werden. In besagtem Interview widersprach Blessing dem Eindruck einer Kehrtwende in der Strategie. Er sprach von einer „Beschleunigung des bisherigen Kurses“. Er verwies darauf, dass schon im März der Abbau von vier Fünfteln der Portfolien der Eurohypo geplant gewesen sei. Dass es weitere Veränderungen in der Konzernstruktur geben werde, schloss Blessing nicht aus. Die nun vorgestellten Pläne seien „eine erste Konsequenz“ einer umfassenderen Überprüfung. Finanzvorstand Engels kündigte für den Herbst weitere Ergebnisse an.

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