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„Keine Direktive“ : Kaum noch Schweinefleisch in Frankfurter Kitas

Öfter mal ohne Schwein auf dem Teller: Essen in Frankfurter Kitas (Symbolbild) Bild: dpa

Aus Rücksicht auf Muslime servieren Kitas in Frankfurt insgesamt weniger Schweinefleisch. Die meint, Schwein gehöre zu einer ausgewogenen Ernährung. Das Bildungsdezernat versichert: Es gibt keine Direktive.

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          Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Rathaus Römer, Michael zu Löwenstein, hält es für wichtig, in den Kindertagesstätten der Stadt Frankfurt regelmäßig Schweinefleisch anzubieten. „Schweinefleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung“, sagte er und reagierte damit auf Angaben aus dem Frankfurter Bildungsdezernat, wonach es den Leitungen der einzelnen Kitas freigestellt ist, über den Speiseplan zu entscheiden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weil es immer mehr muslimische Kinder, aber auch vegetarisch ernährte Kinder in den Frankfurter Kitas gibt, wird in vielen Einrichtungen komplett auf Mittagsmenüs verzichtet, die Schweinefleisch enthalten. Es werde von den Eltern schlicht immer seltener gewünscht, heißt es aus dem Bildungsdezernat.

          „Würstchen von Kindern begeistert gegessen“

          Er sehe einen kompletten Verzicht auf Schweinefleisch „durchaus kritisch“, sagte CDU-Politiker Löwenstein weiter. Aus eigener Erfahrung wisse er, „dass Wiener Würstchen von Kindern begeistert gegessen werden. Das sollte man ihnen auch dann nicht vorenthalten, wenn es einen hohen Anteil muslimischer Kinder gibt.“ Schließlich finde sich in den Kindertagesstätten immer auch ein vegetarisches Angebot. Deshalb sei kein Kind gezwungen, entgegen seinem Glauben oder seiner gewohnten Ernährung Schweinefleisch zu sich zu nehmen. „Es kann aber auch nicht sein, dass zum Beispiel Würstchen auch allen anderen vorenthalten werden, nur weil manche Kinder sie nicht essen.“

          Löwenstein hob hervor, dass es keine politische Vorgabe der schwarz-grünen Koalition an die Kita-Leitungen gebe, Schweinefleisch für das Mittagessen zu vermeiden. In einem Rahmenvertrag mit den Zulieferern sei lediglich geregelt, dass ein bestimmter Anteil der Nahrung aus der Region oder aus biologischem Anbau stammen müssten. „Es gibt keinerlei Festlegung auf die Art des Fleisches.“

          Eine Sprecherin des Bildungsdezernats bestätigte das. „Wir geben keiner Kita vor, was sie bestellen soll“, sagte sie. Weil die Zahl der Kinder aus muslimischen Familien zunehme, würden allerdings immer mehr Essen ohne Schweinefleisch geordert. Derzeit ist in etwa 80 Prozent der 141 Kindertagesstätten des städtischen Eigenbetriebs Kita Frankfurt das Catering-Unternehmen Apetito für das Mittagessen verantwortlich. Die übrigen Kitas werden von dem Unternehmen Wisag beliefert oder kochen selbst.

          Nach Angaben des Bildungsdezernats entscheidet jede städtische Einrichtung in Absprache mit den Eltern, welche Speisen bei den Zulieferern bestellt werden. Die Verträge mit den Caterern sähen ausdrücklich vor, dass den Kitas unterschiedliche Menüs angeboten würden, aus denen sie nach ihren Wünschen und Bedürfnissen auswählen könnten. Dazu gehörten vegetarische Speisen, aber auch milcheiweiß-, gluten- und laktosefreie Essen für Allergiker sowie leichte Vollkost für Diabetiker. Auch Wünsche aufgrund religiöser Gebote müssten in der Angebotspalette berücksichtigt werden, zum Beispiel durch Menüs ohne Schweinefleisch.

          Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Manuel Stock sagte, auch er hielte eine „Ansage von oben“, Schweinefleisch in den Kindertagesstätten zu verbieten, für falsch. Deshalb gebe es eine solche Vorgabe auch nicht - weder durch die Leitung des städtischen Kita-Eigenbetriebs noch durch das politisch verantwortliche Bildungsdezernat. Die Entscheidung den einzelnen Kitas zu überlassen, finde er richtig. „Und wenn das Schweinefleisch dann immer liegenbleibt, muss ich es auch nicht mehr bestellen.“

          Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Römer, Sylvia Weber, hat nichts dagegen, dass es Schweinefleisch gibt - solange eine Alternative vorhanden sei. Möglich sei auch, allen Kindern dasselbe Menü anzubieten, Schweinefleisch für manche aber zum Beispiel durch „Chicken Nuggets“ zu ersetzen. Von einer Direktive des Bildungsdezernats wisse sie nichts. „Ich denke, dass sich die Kitas vor Ort nach dem richten, was von den Eltern gewünscht wird.“ Deshalb gebe es in vielen Frankfurter Kitas mit einem hohem Anteil muslimischer Kinder schon seit Jahren kein Schweinefleisch mehr.

          Der Vorsitzende der BFF-Fraktion im Römer, Wolfgang Hübner, nannte es in einer Mitteilung bemerkenswert, „dass zu der von allen Römer-Parteien so hoch gelobten ,Vielfalt’ in Frankfurt Schweinefleisch für den Nachwuchs nicht mehr gehören soll“. Er gehe davon aus, dass es trotz anderer Angaben eine entsprechende politische Anweisung gebe. Es sei zudem bezeichnend, „wie eine so offensichtliche Kapitulation vor der Islamisierung der Öffentlichkeit gegenüber verheimlicht werden soll“.

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