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Vermisster Junge aus Wanfried : Kaum noch Hoffnung

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Wippe an der Werra: An diesem Ort verlor die Mutter des kleinen Aref ihr Kind aus den Augen. Bild: dpa

Vor einem Jahr verschwand der kleine Aref aus dem nordhessischen Wanfried spurlos. Die Polizei tappt im Dunkeln und die Hoffnung auf ein glückliches Wiedersehen schwindet.

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          Vor einem Jahr verlor ihn seine Mutter aus den Augen. Seit dem Abend des 4. April fehlt von dem fünfjährigen Aref jede Spur. Niemand weiß, ob der kleine Junge in die Werra gefallen und ertrunken ist oder ob er Opfer eines Verbrechen geworden sein könnte. Die Polizei ist ratlos. Beide Varianten seien denkbar, sagt ein Polizeisprecher in Eschwege.

          Die Aufklärungsquote bei Fällen vermisster Kinder bewegt sich seit Jahren eigentlich auf einem hohen Niveau. So wurden von den 6297 im Jahr 2015 als vermisst gemeldeten Jungen und Mädchen 5554 wieder angetroffen oder gefunden. „Fälle, in denen Kinder spurlos verschwinden, kommen in Deutschland äußerst selten vor“, berichtet eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA). Nur im Fall Aref herrscht inzwischen Stillstand.

          Groß angelegte Suche

          An dem Ort, wo Aref zuletzt lebend gesehen wurde, stehen eine Wippe und zwei andere Spielgeräte. Sie sind nur durch einen schmalen Weg vom Werra-Ufer getrennt. Da es sich offiziell nicht um einen Spielplatz handelt, fehlt die Umzäunung. Die Mutter hatte kurz nach dem Verschwinden erzählt, Aref sei oft alleine unterwegs gewesen. Wohl auch deshalb meldete sie ihn erst am späten Abend bei der Polizei als vermisst.

          Die Ermittler befürchteten schnell, dass der Fünfjährige in die Werra gestürzt und ertrunken sein könnte. Sie vermuteten einen tragischen Unglücksfall. Die Helfer suchten intensiv nach dem Jungen. Noch in der ersten Nacht machten sich mehr als 100 Menschen mit zwei Booten und fünf Hunden auf und durchsuchten die Gegend. Sogar der Wasserpegel in einem Teil des Flusses wurde abgesenkt, Tauchroboter kamen zum Einsatz, Hubschrauber suchten von der Luft und Boote vom Wasser aus. Alles ohne Erfolg - wurde Aref vielleicht doch entführt?

          Eltern leben in Ungewissheit

          Monate später keimte kurz neue Hoffnung auf, als der Fall Aref in einer ZDF-Sondersendung von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ über vermisste Kinder thematisiert wurde. Arefs Vater flehte darin: „Ich bitte den Entführer, Aref zurückzubringen.“ Auch die Mutter meldete sich zu Wort: „Ich bitte Sie, bringen Sie mein Kind zurück“, sagte sie mit Tränen in den Augen. Danach gingen mehr als 50 Hinweise von Zuschauern ein.

          Einer wollte Aref zusammen mit einem älteren Mann in einem Café in Berlin gesehen haben. Ein anderer wollte den Fahrer eines dunklen SUV mit Berliner Kennzeichen, der nach dem Verschwinden mehrfach in Wanfried gesehen worden sein soll, erkannt haben. Ein Phantombild wurde erstellt. Für entscheidende Hinweise in dem Fall wurde eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt. Zum Durchbruch in den Ermittlungen führte aber auch das nicht, die Eltern leben weiter in Ungewissheit über das Schicksal ihres Jungen.

          Arbeitsgruppe aufgelöst

          „Das ist für Eltern das schlimmste vorstellbare Ereignis“, sagt ein Sprecher der Initiative Vermisste Kinder. Es sei unerträglich für die Eltern, da sie die Situation, in der ihr Kind sich befindet, nicht einschätzen könnten. Viele Familien zerbrächen daran. „Manche Eltern können irgendwann damit abschließen, andere schleppen das ihr Leben lang mit sich herum“, fasst der Sprecher zusammen. „Es gibt für Eltern nichts schlimmeres als vermisste Kinder.“

          Die Polizei äußert sich mittlerweile nur noch sehr zurückhaltend. „Es hat sich nichts Neues getan, es gibt keine neuen Hinweise“, sagt der Sprecher der Polizei in Eschwege. Die Arbeitsgruppe, die mit den Ermittlungen zum Fall Aref beschäftigt war, sei inzwischen aufgelöst.

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