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Kaugummiautomaten : Beim Drehen steigt die Spannung

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Früh übt sich: An Kaugummiautomaten tätigen Kinder oft ihre erste kaufmännische Handlung. Bild: Braunschädel, Michael

In Deutschland gibt es noch bis zu 800.000 Kaugummiautomaten. Doch wer vom Betrieb der robusten Geräte leben möchte, benötigt mindestens eintausend Stück davon. Die wichtigste Regel lautet: Sie sollten an umsatzträchtigen Plätzen hängen.

          Funktioniert er noch? Das ist die entscheidende Frage, denn der Kaugummiautomat sieht schon ziemlich alt aus. Die rote Farbe platzt ab, es ist kaum noch zu erkennen, welchen Inhalt er verspricht. Egal. Es ist wie früher, die Spannung steigt. Diesmal eben nicht mit einem Groschen, der Automat verlangt 20 Cent. Die Münze kommt in den kleinen Schacht, dann wird gedreht, heraus kommt ein Cola-Kaugummi. Jetzt die anderen beiden: Für 10 Cent gibt es einen kleineren Kaugummi, und für 50 Cent eine Plastikkapsel mit einer Überraschung. Einen schwarzen Totenkopfring gibt es leider nicht. Schade, das war früher der Favorit.

          Der alte, rote Kaugummiautomat hängt an einer Hauswand in der Weiherstraße in Taunusstein. Er fristet dort kein Schattendasein. Kaugummiautomaten sind durchaus wieder beliebt, wie Paul Brühl, Geschäftsführer des Verbandes Automaten Fachaufsteller (Vafa) in Langenfeld, bestätigt. „Die Automaten verändern sich“, schildert er die Entwicklung und fügt an: „Es gibt welche mit drei oder sechs Schächten, die Aufsteller denken heute in Schächten.“ Wie viele Kaugummiautomaten es in Deutschland derzeit gibt, lässt sich nur schätzen. „Wir gehen von 500.000 bis 800.000 Automaten aus“, sagt Brühl. Für einzelne Städte gibt es gar keine Zahlen.

          Nicht über den Rand der eigenen Kaugummikugel hinaus gedacht

          Es könnte den Automatenaufstellern besser gehen, meint der Geschäftsführer und beklagt: „Es wird nicht über den Rand der eigenen Kaugummikugel hinaus gedacht.“ Laut Brühl liegt die Zukunft der Aufsteller darin, mehrere Sorten Automaten aufzustellen. „Wenn neben den Kaugummiautomaten noch ein Kaffeeautomat und einer für Snacks steht, das Beleuchtungskonzept passt und der Standort gut ist, dann ist das schon die halbe Miete.“

          Produktdiversifikation ist auch das Geschäft von Harim Om Kapila, Geschäftsführer von Krishna Trading in Wesseling in Nordhrein-Westfalen. Seine Produktpalette umfasst neben klassischen Kaugummiautomaten auch zahlreiche andere Vorrichtungen mit Namen wie Toy Station Metall, Mech-Toy und Candy Automat – dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Das ist nach Auskunft von Kapila auch notwendig, denn der Umsatz mit dem Verkauf von Kaugummiautomaten stagniert. Es gebe weniger Wandautomaten, dafür würden mehr Geräte verkauft, die innen stehen, klärt er auf. Diese Geräte, unter anderem plaziert in Kiosken, bei Messen und Baumärkten, haben laut Kapila zudem einen etwas höherwertigen Inhalt. „Da muss man dann schon ein oder zwei Euro einwerfen.“

          Vandalismus als großes Problem

          Kapila verkauft seine Geräte bundesweit. Einen regionalen Trend gebe es nicht, außer dass in Großstädten weniger Automaten frei zugänglich aufgestellt würden. „Das liegt am zunehmenden Vandalismus“, sagt er und ergänzt, auf dem Land gingen Kaugummiautomaten einfach besser und hielten länger. Das bestätigt auch Brühl, der den Vandalismus als Riesenproblem bezeichnet.

          In Frankfurt sitzt der Verband der hessischen Automatenaufsteller. Vorsitzender Waldemar Gärtner wäre zwar theoretisch für die Kaugummiautomaten zuständig, hat aber nach eigener Aussage keine Aufsteller im Verband, die die kleinen bunten Kugeln anbieten. Das liege auch daran, dass viele kleinere Unternehmer ihre Automaten aufstellen, ohne sich beim hessischen Verband zu melden oder gar zu beteiligen, wie Gärtner moniert.

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