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Kaugummiautomaten : Beim Drehen steigt die Spannung

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„Gibt es die Dinger überhaupt noch?“

Spricht man einen Frankfurter darauf an, ob er wisse, wo ein Kaugummiautomat hängt, erntet der Fragende im Regelfall ein müdes Lächeln und hört die Gegenfrage: „Gibt es die Dinger überhaupt noch?“. Ja, im Gegenteil, die andauernde Nostalgiewelle hat sogar dafür gesorgt, dass Kaugummiautomaten zu Kultobjekten werden. Im Internet finden sich Seiten, die etwa die schönsten Kaugummiautomaten im Frankfurter Nordend zeigen. Es ist ein Markt, der sich fast jeder Regulierung entzieht. Nach einer Anmeldung beim zuständigen Gewerbeamt am Wohnort darf jeder die Automaten aufhängen, wo er möchte, wie die Wiesbadener Stadtsprecherin Ilka Gilbert-Rolke bestätigt. Dementsprechend wisse man nicht, wie viele es in der Stadt gebe und wo diese plaziert seien.

Die Hersteller werben damit ganz offen und geben Tipps, wie und wo die Geräte aufgehängt werden sollten. Regel Nummer eins: Es sollten Kinder in der Nähe sein. Ein Schulweg gilt unter Insidern als optimal. Zweitens: Die Geräte müssen in Kopfhöhe von Kindern hängen, weswegen Erwachsene sie auch so oft übersehen. Die Eigentümer der Gebäude, an denen die Geräte hängen, sollten mit 10 bis 20 Prozent am Umsatz beteiligt werden, schlägt etwa das Unternehmen Schmidt-Automaten auf seiner Homepage vor und wirbt damit, dass sich der angeschaffte Automat bereits nach dem Verkauf weniger Füllungen bezahlt gemacht habe. Das, so heißt es, liege daran, dass die Automaten immer im Einsatz seien, auch wenn der Betreiber krank oder im Urlaub sei. Ladenöffnungszeiten, das versteht sich von selbst, spielen bei außen hängenden Automaten ebenfalls keine Rolle.

Kein billiger Spaß

Ganz billig ist der Spaß indes nicht. Ein professioneller Kaugummiautomat kostet ungefüllt zwischen 70 und 120 Euro. Um ihn außen an eine Wand hängen zu können, wird zudem ein Gehäuse aus Stahlblech benötigt, das es in verschiedenen Größen gibt. Für ein Drei-Automaten-Gehäuse müssen etwa bei der Firma Automaten-Vertrieb aus Adelsdorf 140 Euro brutto bezahlt werden. Dazu kommen noch die verschiedenen Füllungen, die das Unternehmen anbietet. Kaugummis mit den Namen Bubble King, Water Melon Gumball und Banana Strawberry kosten 14,90 Euro pro Packung. Gekapselte Kaugummis sind teurer; für sie müssen rund 20 Euro eingeplant werden.

Von den Automaten leben können die Aufsteller erst ab einer gewissen Anzahl. Laut Vafa-Geschäftsführer Brühl lassen sich aus einem Kaugummiautomaten im Durchschnitt zwischen 20 und 100 Euro Umsatz im Jahr erlösen. „Ich habe von welchen gehört, die machen sogar 200 Euro Umsatz, aber das ist sehr selten“, stellt er klar. Brühl geht davon aus, dass man etwa 1000 bis 2000 dieser Geräte betreiben müsse, um ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. Das liege auch daran, dass die Automaten regelmäßig befüllt werden müssten. „Der Aufsteller hat Kosten, etwa für sein Fahrzeug, die Füllungen und auch die Wartung der Geräte“, weiß der Vafa-Geschäftsführer. Zwar gingen die Automaten aufgrund ihrer simplen Mechanik fast nie kaputt, aber es würden immer wieder Dinge in die Geldschlitze hineingesteckt, die dort nicht hingehörten.

Gleichwohl bleibt Brühl ein Fan der Automaten. „Dort findet im Regelfall die erste kaufmännische Handlung eines Kindes statt. Alleine die Spannung, wenn man sieht, was man für das eingeworfene Geld bekommt“, schwärmt er. In der Tat: In der Überraschungsplastik-Kapsel des Taunussteiner Automaten steckt ein rosa Gummimonster, das man als Fingerpuppe verwenden kann. Das hat in der eigenen Sammlung noch gefehlt.

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