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Kaufinteresse : HN Geno: Wir stehen bei Hess Natur zur Verfügung

Konsumoase: Im Butzbacher Laden kommt Hess Natur ohne handelsübliches Gedudel aus – und ohne Klimaanlage. Bild: Eilmes, Wolfgang

Nach der Berufung eines zusätzlichen Geschäftsführers für Hess Natur nehmen die Spekulationen um den Ökomode-Händler aus Butzbach wieder zu.

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          Die eigens zur Übernahme des deutschen Ökomode-Marktführers Hess Natur gegründete Genossenschaft HN Geno hat mit Unverständnis auf die Berufung eines zweiten Geschäftsführers für das Butzbacher Handelsunternehmen reagiert. Die Hess Natur-Textilien GmbH habe das beste Geschäftsjahr überhaupt abgeschlossen. Angesichts dessen wertet die HN Geno die Personalie als ungünstig für den anstehenden Verkaufsprozess für den 330 Mitarbeiter zählenden Händler. „Die Spielchen mit Marke und Menschen, die da ablaufen, schaden Hess Natur und müssen aufhören“, fordert der Vorstand der HN Geno.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Genossenschaft ist im Frühjahr von Mitgliedern des Netzwerks Attac und des Betriebsrats von Hess Natur ins Leben gerufen worden. Anlass war die Sorge vor einem Verkauf an den unter anderem an Rüstungsfirmen beteiligten Finanzinvestor Carlyle, der später Abstand von einem Erwerb nahm.

          Wachsende Zustimmung unter den Mitarbeitern

          Aus Sicht der Genossenschaft hat der Eigentümer des Unternehmens nur das Interesse, so viel Geld wie möglich aus Hess Natur zu ziehen. „Wenn er das Geld haben will: Wir stehen zur Verfügung“, hob der Vorstand hervor, dem Dagmar Embshoff, Christina Pöttner und Walter Strasheim-Weitz angehören. Hess Natur zählt noch zur Primondo Specialty Group, der ehemaligen Spezialversender-Gruppe der insolventen Karstadt-Mutter Arcandor. Hinter Primondo steht der Pensionsfonds Karstadt-Quelle Mitarbeiter-Trust. Der Vorstand der HN Geno kündigte für 17.Dezember einen Demonstrationszug vom Düsseldorfer Hauptbahnhof zum Sitz des Pensionsfonds in der Stadt an, um gegen die Hängepartie um den Ökomodehändler zu protestieren.

          Wie er weiter sagte, spürt er aufgrund der Berufung des zweiten Geschäftsführers, der bisher für den Versandhandelsriesen Otto tätig war, eine wachsende Zustimmung unter den Mitarbeitern von Hess Natur. Dies gelte auch für solche Beschäftigte, die der Genossenschaft noch im Frühjahr während des später gestoppten Verkaufsprozesses reserviert gegenübergestanden hätten.

          Umsatz um ein Fünftel erhöht

          Der Betriebsrat von Hess Natur nimmt derweil wachsenden Widerstand in der Belegschaft gegen die als überraschend empfundene Personalentscheidung wahr, wie Strasheim-Weitz als Vorsitzender des Gremiums gestern sagte. Infolge der Ankündigung vom Montag, dass der 46 Jahre alte Maximilian Lang von Januar an als zusätzlicher Geschäftsführer neben Wolf Lüdge tätig sein werde, habe zunächst die Irritation überwogen. Die Berufung Langs wird schon deshalb als überraschend gewertet, weil Hess Natur im Geschäftsjahr 2010/11 den Umsatz gegen den Branchentrend um ein Fünftel erhöht und den Gewinn fast verdoppelt hat. Zudem hat das Unternehmen eine fünfstellige Zahl an Neukunden gewonnen, obwohl das Team um Lüdge von kostenträchtiger Neukundenwerbung etwa über sogenannte Mailings abgesehen hat. Binnen anderthalb Jahren ist die Zahl der Kunden in der Kartei von gut 800.000 auf rund 900.000 gestiegen, wie es in Butzbach heißt.

          Vor diesem Hintergrund hat der Betriebsrat dem Primondo-Geschäftsführer Matthias Siekmann sein „Misstrauen“ ausgesprochen. Der Betriebsrat vermutet laut Mitteilung vom Montag, dass Primondo im Zuge des Verkaufs von Hess Natur „die Fäden in die Hand nehmen und mit dem neuen Geschäftsführer einen Statthalter positionieren will“.

          „Wir sind froh, nun zwei erfahrene Manager an der Spitze zu haben“

          Primondo hat die Personalie jedoch unter anderem mit dem Verweis auf „die mittelfristig angestrebte Präsenz der Marke Hess Natur im Fachhandel“ begründet, für den „der Ausbau der Einkaufs- und Designkompetenz und der Aufbau retailfähiger Strukturen erforderlich“ seien. Gestern wies der Sprecher Siekmanns die Annahme zurück, Primondo traue Lüdge nicht zu, den Butzbacher Händler weiter auf Wachstumskurs zu halten. „Wir sind froh, nun zwei erfahrene Manager an der Spitze zu haben.“ Mit denselben Worten konterte der Sprecher die in Butzbach umlaufende Spekulation, der Eigentümer wolle die Trennung vom langjährigen Geschäftsführer vorbereiten, der die Marke in den vergangenen Jahren verjüngt und neue Käuferschichten erschlossen hat; dafür steht etwa die Verpflichtung der Designerinnen Clodagh und Eviana Hartman. Der Sprecher hob hervor, dass Lüdge weiter für die Markenführung zuständig sein werde. Lang solle Design und Marketing fortentwickeln.

          Er bekräftigte Siekmanns Aussage von Anfang November, dass es dieses Jahr und im ersten Quartal keinen neuen Verkaufsprozess geben werde. Dieser werde voraussichtlich erst im Laufe des zweiten Quartals angestoßen.

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