https://www.faz.net/-gzg-7jy2g

Kauf der Skulptur „Walking Woman“ : Kehrtwende mit Kaufpreisbeschränkung

Schritt nach vorne: Bad Homburg erwirbt nun doch die Figur der „Walking Woman“. Dafür stimmten fast alle, und Geld ist auch dafür da. Bild: Eilmes, Wolfgang

„Walking Woman“, die „Blickachsen“-Skulptur von Sean Henry, bleibt in Bad Homburg. Dafür heben die Stadtverordneten einen eigenen Beschluss auf.

          Am Ende ist der Beschluss fast einstimmig gefallen. Nur der Linken-Stadtverordnete Steffen Etzel stimmte am Donnerstagabend gegen den Kauf der Skulptur „Walking Woman“ von Sean Henry. Alle anderen Fraktionen waren dafür, den überlebensgroßen Bronzeguss einer schreitenden Frau für 100000 Euro zu erwerben. Er war in diesem Sommer bei der Freiluft-Skulpturenausstellung „Blickachsen 9“ im Bad Homburger Kurpark zu sehen. Zugleich hoben die Stadtverordneten ihre Entscheidung vom 4.Juli auf, die Etzel auch als Grund für seine Ablehnung anführte. Er sehe diese Kehrtwende nicht ein. Damals beschlossen die Kommunalpolitiker einstimmig, diesmal auf den sonst üblichen Ankauf einer Blickachsen-Skulptur zu verzichten. Die CDU hatte eigentlich beantragt, die Bürger mitentscheiden zu lassen. Das sei in der Kürze der Zeit nicht zu schaffen, und auch das Geld sei in diesem Jahr knapp, lautete im Juli das Argument der Bürgerliste Bad Homburg (BLB). Also wurde daraus ein interfraktioneller Antrag, diesmal auszusetzen und den Ankaufetat anwachsen zu lassen, um bei den nächsten „Blickachsen“ in zwei Jahren aus dem Vollen schöpfen zu können.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB), die in der Juli-Sitzung fehlte, hatte allerdings „Walking Woman“ als ideales Kunstwerk für den neu gestalteten Bahnhofsvorplatz ausgemacht und nach eigenen Worten auch ausreichend Geld in Haushaltstiteln der vergangenen drei Jahre zusammenbekommen. Die BLB wisse wohl ohne Kulturdezernentin Fleige nicht, was sie tun solle, sagte Stefan Schenkelberg (CDU) zu den kuriosen Umständen des Skulpturenkaufs. Das Argument, man könne in vier Monaten keine Bürgerbefragung auf die Beine stellen, sei nach wie vor nicht nachzuvollziehen. Sibylle Raquet (FDP) sah in der auf der Tagesordnung stehenden Vorlage des Kulturausschusses, die Verhandlungen mit „Blickachsen“-Organisator Christian Scheffel vorsah, noch keinen Kaufbeschluss. „Wir erwarten später eine genaue Vorlage zu den Modalitäten und Kosten.“

          Rhetorische Entgleisungen

          Raquets Fraktionskollege Wolfgang Hof hielt die Formulierung ebenfalls für unzureichend. Zuerst müsse der alte Beschluss aufgehoben werden. Daraus wurde dann der später nach einer Sitzungsunterbrechung verabschiedete Beschlusstext – ergänzt um die von Hof geforderte Begrenzung auf 100000 Euro. „Sonst wird’s am Ende noch teurer“, sagte der FDP-Politiker. Er hatte seinen Redebeitrag noch mit dem Hinweis gewürzt, er wisse einen guten Standort für die Skulptur, nämlich den Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Auf einen Zwischenruf, ob er schon einmal dort gewesen sei, sagte er: „Da fahre ich nicht hin, da sind Menschen gestorben.“ Um dann zu ergänzen: „Da fährt nur der Korwisi hin.“ Worauf dem Oberbürgermeister, der an diesem Wochenende zu einer Chinareise aufbricht, ein Schimpfwort mit „A“ entfuhr.

          Für die Bündnisfraktionen äußerte der BLB-Fraktionsvorsitzende Armin Johnert, man übernehme den von Hof formulierten Antrag. „Wir sehen den Fehler ein“, sagte Johnert zu dem Beschluss vom Juli, „und wollen ihn korrigieren.“ Er blieb aber dabei, dass eine Bürgerbeteiligung beim Kunstankauf der ausführlichen Vorbereitung bedürfe. Johnert verglich die Stadt mit einem Museum. In dem hingen bei der alleinigen Entscheidung der Besucher womöglich keine Mirós oder Picassos, sondern „Zigeunerbilder vom Woolworth“, sagte er mit Verweis auf entsprechende farbenfrohe Glitzerdrucke.

          Weitere Themen

          BKA muss Namenslisten nicht veröffentlichen

          Klage gescheitert : BKA muss Namenslisten nicht veröffentlichen

          Ein Journalist wollte, dass rechtsextreme „Feindeslisten“ veröffentlicht werden müssen. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat entschieden, dass die Listen nicht öffentlich zugänglich sein müssen. Der Kläger sieht das Ergebnis dennoch als Erfolg.

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.