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Katholische Kirche : Vertrauenskrise im Bistum Limburg spitzt sich zu

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst streitet sich mit dem Frankfurter Stadtdekan Bild: dapd

Frankfurter Stadtdekan Eltz geht davon aus, dass der Limburger Bischof Tebartz-van Elst seinen Rücktritt will. Für mehr Vertrauen schlagen nun Priester eine neue Kommission vor.

          Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz sieht sich vom Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Rücktritt aufgefordert. Das geht aus einer E-Mail Eltz’ hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Er wollte sich auf Anfrage dazu gestern nicht äußern. Das Bistum bestreitet eine Rücktrittsforderung. Unterdessen hat der Hofheimer Kreis, eine Gruppe von rund 20 Priestern, dem Bischof vorgeschlagen, eine Kommission einzusetzen, die wieder für mehr Vertrauen in der Diözese sorgen soll.

          Am Montag hatte der Bischof in der Plenarkonferenz, zu der die Dezernenten sowie Bezirks- und Stadtdekane des Bistums gehören, eine Erklärung abgegeben, in der er aus seiner Sicht falsche Behauptungen dieser Zeitung über ihn kommentierte. Zu der Erklärung gehörten auch Äußerungen über Loyalität, die Eltz so verstand, dass er für ein Fernsehinterview, das er Ende Juli gegeben hatte, „scharf getadelt und mir der Rücktritt von meinen Ämtern nahegelegt“ worden sei. Das schrieb er am Dienstag in einer E-Mail an Generalvikar Franz Kaspar und bat darum, dass die Erklärung des Bischofs den Teilnehmern der Konferenz zur Verfügung gestellt werde, was Kaspar ablehnte. In dem Interview hatte Eltz als Beispiel für „vorbildliches Handeln in einer Krise“ Papst Benedikt genannt - was so interpretiert werden kann, als habe Eltz dem Bischof den Rücktritt nahegelegt.

          Frankfurter Kirche signalisiert Solidarität

          Dass Tebartz-van Elst den Stadtdekan zum Amtsverzicht aufgefordert habe, wies ein Bistumssprecher gestern zurück. Der Bischof habe in der Konferenz die Frage gestellt, „ob jemand, der von ihm in eine besondere Vertrauensposition berufen wurde, das Amt weiter wahrnehmen kann, wenn er die Loyalität, wie es sie auch im politischen und gesellschaftlichen Bereich gibt, öffentlich verletzt“. Wie Sitzungsteilnehmer berichteten, war allen klar, dass der Bischof damit Eltz gemeint hatte. Dass der Stadtdekan dies als Rücktrittsaufforderung aufgefasst habe, sei verständlich, hieß es. Zugleich habe der Bischof für ein offenes Gespräch geworben, in das Eltz eingeschlossen sei.

          Aus der Frankfurter Kirche wurde Eltz gestern Solidarität signalisiert. Die synodalen Gremien stünden hinter ihm, sagte Christoph Hefter, der Vorsitzende der Stadtversammlung. Es gebe Überlegungen, ob und inwieweit man die Solidarität mit Eltz auch öffentlich zum Ausdruck bringen wolle. Dekan Rolf Glaser sagte, Eltz genieße bei einer „ganz überwiegenden Mehrheit“ in Kirche und Stadtgesellschaft eine hohe Anerkennung.

          Eine Woche vor der Plenarkonferenz hatte der Hofheimer Kreis, zu dem auch Eltz und Glaser gehören, dem Bischof vorgeschlagen, zur Krisenbewältigung eine diözesane „Kommission für Dialog und Beteiligung“ einzusetzen. Der Bischof begrüße eine Initiative zum Dialog, wolle aber erst mit den Unterzeichnern reden, so der Bistumssprecher. Offenbar reichten Priesterrat und andere Gremien nicht aus, um Vertrauen zurückzugewinnen, hatten die Priester geäußert. In der Kommission solle etwa über die Mitwirkung von Beratungs- und Leitungsorganen gesprochen werden und darüber, wie „die Aufsicht über die Finanzen des Bischöflichen Stuhls sichergestellt“ werde.

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