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Studie sexueller Missbrauch : Bis an die Wurzel der Kirche

Nach einer neuen Studie steht die katholische Kirche in Deutschland vor einem Missbrauch-Skandal. (Symbolbild) Bild: dapd

Eine Studie soll zeigen, wie viele Personen seit 1946 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland wurden. Mit Scham und Entschuldigung kommt die Kirche nicht weiter. Ein Kommentar.

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          Noch kennt kaum einer die komplette Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Was bisher bekanntgeworden ist, reicht aber aus, um die Institution auch in Deutschland bis in die Grundfesten zu erschüttern. So viele Opfer, so viele Täter. Manch einer, der sich der Kirche sein Leben lang verbunden fühlte, denkt über Austritt nach. Und manch einer, der sich seit Jahren in seiner Gemeinde ehrenamtlich engagiert, ringt um Worte. Verteidigen müsste er eine Kirche, die – wissenschaftlichbewiesen – Verbrechen über Jahrzehnte vertuscht und verschleiert, Opfer nicht gehört und Täter nicht enttarnt hat. Immer weniger Gläubige sind dazu bereit.

          Klar ist, dass die katholische Kirche mit Scham und Entschuldigung allein nicht weiterkommt. Sie wird sich im Wortsinne radikal, an der Wurzel ihrer inneren Verfasstheit, ändern müssen, um die Chance auf einen Neuanfang zu haben. Hoffnung macht, dass wichtige Kirchenleute wie der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz das erkannt haben. Seine Forderungen, das Pflichtzölibat für Gemeindepriester aufzuheben, die kirchliche Haltung zur Homosexualität zu revidieren, den Klerus nicht mehr allein vom Bischof auswählen und führen zu lassen sowie ergebnisoffen zu prüfen, ob Frauen die Priesterweihe empfangen dürfen, sind unbedingt bedenkenswert. Gleichwohl betreffen seine Vorschläge allein das Innere der Institution – so hart die Reformen am Ende auch ausfallen mögen.

          Noch dringlicher braucht die katholische Kirche Öffnung und Umgang nach außen. Sollte sich nächste Woche anhand der Details der Studie zeigen, dass sich in irgendeiner Gemeinde nach wie vor ein durch sexuellen Missbrauch straffällig gewordener Krimineller unerkannt tummelt, darf es nicht einmal Tage dauern, bis der Schuldige der Justiz benannt wird.

          Parallel dazu sollte die Kirche eine Kampagne starten, die alle Opfer zu Strafanzeigen auffordert und ihre Scham lindern hilft. Nur so lässt sich das ganze Ausmaß der Tragödie vielleicht irgendwann einmal erfassen und bewältigen. Außerdem ist das Kirchenrecht in aller Strenge anzuwenden. Wer Ende nächster Woche immer noch der Meinung ist, als Buße für den sexuellen Missbrauch Minderjähriger und Schutzbefohlener reichten fünf Vaterunser, ein paar Ave Maria und eine Versetzung irgendwohin, hat in der Führung eines Bistums nichts mehr verloren.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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