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Synodaler Weg in Frankfurt : Kirchliche Kehrtwende

Zukunft der Kirche: Beim Treffen in Frankfurt wird über mögliche Reformen diskutiert. (Symbolbild) Bild: dpa

In Frankfurt treffen sich Mitglieder der katholischen Kirche, um über Reformen zu diskutieren. Die Notwendigkeit einer Veränderung ist da, doch nicht jeder will die Zeichen der Zeit erkennen. Ändert sich nichts, steht die Kirche am Ende verloren da.

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          Selten stand die katholische Kirche in Deutschland so unter Druck. Jeder, der sich trotz Missbrauchsskandals, überkommener Sexualmoral und des im Jahr 2020 teils grotesken Umgangs mit Frauen immer noch nicht abgewandt hat, blickt mit Spannung auf das, was die 230 Mitglieder des Synodalen Wegs von Donnerstag an in Frankfurt auf die Beine stellen werden. Der Reformprozess soll bis Ende nächsten Jahres dauern. Schon jetzt lässt sich sagen: Sollte auch bloß der Anschein erweckt werden, die Kirche könnte so weitermachen wie bisher, wird sie Zehntausende Mitglieder und Tausende Ehrenamtliche verlieren.

          Dennoch lässt sich schwer vorhersagen, was zu erwarten ist. Die Teilnehmer lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Da gibt es eine relativ kleine, aber laute Gruppe konservativer Kritiker. Sie halten den Synodalen Weg für überflüssig und wollen weder Strukturen verändern noch Macht teilen. Das Projekt ist für sie nicht mehr als ein Gesprächsangebot ihrerseits. Selbst wenn am Ende nichts Konkretes steht, werden sie das Ganze als Erfolg verkaufen nach dem Motto: „Wer jetzt noch in die Kirche geht, ist ein wahrhaft Gläubiger.“

          Reform ist notwendig

          Die zweite Gruppe ist deutlich größer. Allen voran viele Priester und Ordensleute, aber auch etliche Bischöfe gehören dazu. Sie alle eint der Schock über das Ausmaß sexuellen Missbrauchs, das 2018 in der MHG-Studie dokumentiert wurde. Deshalb sind sie durchaus bereit, die „systemischen Faktoren“, die den Wissenschaftlern zufolge den Missbrauch erleichtert haben, in den Blick zu nehmen. Das Männerbündlerische zählt ebenso dazu wie die nahezu ungeteilte Macht der Bischöfe und die Ausbildung der Priester. Für diese zweite Gruppe ist eine umfassende Kirchenreform aber eher Mittel zum Zweck, und dieser Zweck heißt: den sexuellen Missbrauch bestmöglich verhindern.

          Für die Mitglieder der dritten Gruppe schließlich ist Missbrauchsprävention ebenfalls sehr wichtig. Anders als die zweite Gruppe sehen sie die MHG-Studie aber als eine Art Katalysator auf dem Weg hin zu einer umfassenden Strukturreform in der katholischen Kirche. An deren Ende muss, zumindest für viele, auch die Priesterweihe für Frauen und das Ende des Pflichtzölibats stehen. Der Erfolg des Synodalen Wegs hängt davon ab, wie ehrlich und offen sich die drei Gruppen aufeinander einlassen. Sie alle eint der Druck: Ändert sich nichts, steht die Kirche am Ende verloren da.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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