https://www.faz.net/-gzg-9f25q

Umstrittenes Kunstwerk : documenta-Obelisk muss weichen

  • Aktualisiert am

Der Obelisk muss weichen: Kassel lässt das documenta-Kunstwerk abbauen. Bild: dpa

Kein Kunstwerk der vergangenen documenta verursachte mehr Diskussionen. Nun ist eine vom Künstler Olu Oguibe gestaltete Steinsäule in Kassel demontiert worden. Mangels einer Einigung über den Standort schuf die Stadt Fakten im Morgengrauen.

          2 Min.

          Nach monatelangem Streit hat die Stadt Kassel das documenta-Kunstwerk Obelisk von seinem Standort entfernen lassen. Die Arbeiten mit schwerem Gerät begannen überraschend am frühen Mittwochmorgen. Die Stadt verwies in einer Erklärung auf den abgelaufenen Leihvertrag mit dem amerikanisch-nigerianischen Künstler Olu Oguibe. Die 16 Meter hohe Steinsäule mit dem Bibelzitat „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ stand auf dem Königsplatz. Oguibe wollte sein Kunstwerk dort belassen, die Stadt lehnte das ab und schlug einen anderen Ort vor.

          Verträge für den Königsplatz waren am vergangenen Sonntag ausgelaufen. Am Montag hatte ein Stadtsprecher erklärt, es würden „Vorbereitungen für einen möglichen Abbau geprüft und gegebenenfalls eingeleitet“. Man sei aber weiter zu Gesprächen bereit.

          Künstler und Stadt im Streit

          Vorangegangen waren monatelange Verhandlungen über den Standort. Immer wieder hatten sich Künstler und Stadt einen argumentativen Schlagabtausch geliefert, mehrfach schienen sowohl das Aus als auch ein Durchbruch nahe. Im August war Oguibe erneut selbst nach Kassel gereist, mehr als 100 Menschen hatten zu diesem Anlass für den Erhalt der Steinsäule demonstriert, die mit Hilfe des Bibelzitats in vier Sprachen das Thema Flucht aufgreift. Entstanden war sie für die documenta 14, die im September vergangenen Jahres zu Ende gegangen war.

          Nach dem Abbau am Mittwoch erklärte der Künstler nach Angaben seines Galeristen Alexander Koch, er habe noch nicht alle Hoffnungen in Bezug auf sein Kunstwerk aufgegeben. „Aber wenn der Obelisk nicht in Kassel bleiben sollte, ist es ein Verlust für Kassel, nicht für mich“, sagte Oguibe demnach. Er hatte argumentiert, das Kunstwerk sei eigens für den Königsplatz konzipiert worden. Die Stadt will den Platz aber für weitere Ausstellungen frei halten.

          Abgebaut am Tag der Deutschen Einheit

          Dass das Kunstwerk nun am frühen Morgen eines Feiertags entfernt wurde, begründete die Stadt damit, dass die Arbeiten an einem verkaufsfreien und verkehrsruhigen Tag zu weniger Beeinträchtigungen geführt hätten und so die größtmögliche Sicherheit gewährleistet gewesen sei. Arbeiter rückten mit großen Kränen an und transportierten den Obelisken in mehreren Einzelteilen ab. Die Entscheidung, was nun damit geschehen solle, obliege dem Künstler, teilte die Stadt mit. Das Werk werde sicher verwahrt.

          Auf einen Brief von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) mit einem Vertragsentwurf über einen Ankauf und eine Versetzung des Kunstwerks auf die in der Nähe liegende Treppenstraße gebe es weiter keine Antwort, hieß es am Mittwoch. Die Stadt sei auch weiter offen für Gespräche.

          Jede documenta hinterlässt im Kasseler Stadtbild Spuren. Oft sind es Publikumslieblinge, die über Spenden angekauft werden. Auch für den Obelisken hatte es eine Spendenaktion gegeben, die 126.000 Euro erbracht hatte. Nun werde die Rückzahlung des Geldes veranlasst, erklärte die Stadt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag beim OSZE-Gipfel in Bratislava.

          Nach Tiergarten-Mord : Nur eine mörderische Episode?

          Berlin und Moskau sind nach dem Tiergarten-Mord um Schadensbegrenzung bemüht. Beide Seiten wollen das deutsch-russische Verhältnis nicht beschädigen – auch mit Blick auf das bevorstehende Gipfeltreffen zur Ostukraine.
          Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

          Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

          Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.