https://www.faz.net/-gzg-9bcns

Kunst auf dem Königsplatz : Kassel entscheidet für Kauf von documenta-Obelisken

  • Aktualisiert am

Was wird aus dem Obelisken des Documenta-Künstlesr Olu Oguibe? Bild: dpa

Eine Mehrheit im Stadtparlament stimmt für einen Ankauf des documenta-Obelisken. Gleichzeitig setzen sie eine Einigungs-Frist mit dem Künstler Olu Oguibe - ansonsten droht der Abbau.

          Über kein Kunstwerk der vergangenen Documenta wurde mehr diskutiert: Der Obelisk des nigerianisch-amerikanischen Künstlers Olu Oguibe steht seit der vierzehnten Auflage der weltbekannten Ausstellung für moderne Kunst mitten in der Kasseler Innenstadt. Am Montagabend stimmte eine Mehrheit des Stadtparlaments für einen Ankauf des documenta-Obelisken, jedoch mit einer Einigungs-Frist. Bis Ende Juni soll eine Übereinkunft mit dem Künstler gefunden werden, ansonsten droht der Abbau.

          Jede Documenta hinterlässt im Kasseler Stadtbild Spuren. Oft sind es Publikumslieblinge, die über Spenden angekauft werden. Der Obelisk ist eine 16 Meter hohe Steinsäule, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigt und auch durch ihre Schlichtheit provoziert. Nur einen Tag nach Beginn der Spendensammlung und Bekanntwerden des angepeilten Preises von 600.000 Euro schrieb ein Mann mit Farbe auf das Kunstwerk: „600.000 Euro? Seid ihr blöd?“

          Standortfrage weiter ungeklärt

          Es folgte eine Debatte über den Wert von Kunst, dann über einen geeigneten Standort. Während die Stadt den Königsplatz für weitere Ausstellungen frei halten will, teilte der Künstler mit, der Obelisk sei nur „für diesen Standort konzipiert“. Die entscheidende Frage nach einem möglichen Standort des Kunstwerks bleibt auch an diesem Montagabend weiterhin unbeantwortet. Die Spendenaktion selbst blieb hinter den gesteckten Zielen zurück – 126.000 Euro waren es am Ende. Oguibe akzeptierte die Summe jedoch – und schlug vor einer Woche einen Kompromiss in der Standortfrage vor. Die Säule solle vorerst auf dem Königsplatz bleiben, später aber vor den geplanten Neubau eines Documenta-Instituts an der Uni umziehen.

          Die Grünen loben dagegen den Vorschlag des Künstlers, den Obelisken bis zur Fertigstellung des Documenta-Instituts am Königsplatz zu lassen. „Der Kompromiss birgt die Chance, die verfahrene Situation zu lösen“, sagt Fraktionschef Dieter Beig. Das Hin und Her habe der Stadt bereits genug geschadet, sagt dagegen die CDU. Sie sieht das Risiko eines „Gewöhnungsprozesses“, also dass der Obelisk am Ende dauerhaft auf dem Königsplatz steht. Man bleibe daher bei der Forderung, die Ankaufsverhandlungen einzustellen, sagt Fraktionsvorsitzender Michael von Rüden.

          Wer denkt, dass Oguibe angesichts langer Debatten in Kassel die Nase voll hat, irrt – sagt zumindest Alexander Koch, der Berliner Galerist des Künstlers. Die zentrale Botschaft sei: „Kassel, was ihr da macht, ist toll“, erklärt er. Es sei ein städtischer Selbstverständigungsprozess entstanden, den man wertschätzen müsse. Der Obelisk sei eines der erfolgreichsten Kunstwerke seit langer Zeit, weil er einen „lange nicht mehr gesehenen öffentlichen Diskurs anregt“. Mit einem bislang positiven Zwischenresultat für den Künstler Olu Oguibe - Ausgang offen.

          Weitere Themen

          Gift im Herzen

          „Othello“ in Darmstadt : Gift im Herzen

          Dieses Drama kann man nicht nur als einen Text über Rassismus lesen: Am Staatstheater Darmstadt geht es in Shakespeares „Othello“ um den Kampf zwischen Gut und Böse.

          Topmeldungen

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.
          Die saudische Ölraffinerie in Abqaiq nach dem Anschlag

          Attacken auf Ölanlagen : Der Krieg, in den Trump nicht ziehen will

          Der amerikanische Präsident bleibt nach den Attacken auf saudische Erdölanlagen zögerlich. Einen Schlag gegen Iran scheut Trump – und überlässt die Entscheidung über das weitere Vorgehen Riad.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.