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Karneval : Einmarsch, Helau, Ausmarsch

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Wie hier auf dem Jugendmaskenzug in Mainz sind dieser Tage viele karnevalbegeisterte Menschen in Frankfurt unterwegs und sind in Feierlaune. Bild: dapd

Frankfurts Prinzenpaar hat in den tollen Tagen zehn und mehr Auftritte pro Abend. Raus aus dem Auto, nicht übers Kleid stolpern, lächeln: Dahinter steckt eine fast perfekte Maschinerie.

          Als das Konfetti fliegt, verfliegt die Fastnachtslaune. Prinz Marcus I. und Prinzessin Ingrid II. kehren sich hastig die Schnipsel vom Leib und drücken sich noch näher an die Wand. Der Gang vor dem Saal des Depots in Oberrad ist schmal, es ist die fünfte Station für das Frankfurter Prinzenpaar an diesem Abend. Halbzeit also. Zum ersten Mal sind sie ernsthaft in Verzug. Für 20.55 Uhr war ihr Auftritt angekündigt. Jetzt ist es 20.52 Uhr, und die Frau von der „Karneval-Gesellschaft Wespen“ sagt, es dauere noch zehn Minuten.

          Zu viel, denn schon um 21.30 Uhr soll das Prinzenpaar im acht Kilometer entfernten Fechenheim sein. Da drängt sich eine lärmende Gruppe Musiker in den Gang und wirft das Konfetti. Einer will Prinz Marcus etwas davon von hinten in den Kragen stecken. „Hör auf“, raunzt der. Die Papierstückchen, Sinnbild für das Bunte, Flirrende des Karnevals, färben ab. Marcus ist besorgt um sein 6.000 Euro teures Kostüm. Anfang Februar, nach vier Wochen im heftigen Taumel der Fastnacht, an einem jener tollen Tage, der um 14 Uhr begann und immer noch vier Stunden dauern wird, ist das der Moment, an dem die Stimmung kippen könnte. Aber dann gibt es belegte Brötchen.

          „Eigentlich ruft das Bett“

          Die silberne Platte wird mit so viel Gefühl für den heiklen Moment hineingetragen, als gehöre auch das zur perfekt organisierten Maschinerie, die hinter der Frankfurter Fastnachtskampagne steckt. Früher an diesem Tag hatte das Prinzenpaar hofgehalten im „prinzlichen Haus“, einem Einkaufszentrum im Norden der Stadt, das auch der Hauptsponsor der Kampagne des Großen Rates der Karnevalsvereine ist. Es folgte ein Besuch beim Blindenbund Frankfurt. Der Abend, für den zehn Auftritte auf Fastnachtssitzungen in der ganzen Stadt geplant sind, beginnt in Griesheim. Um kurz nach sechs sind Marcus I. und Ingrid II. da. Im Saal hat die Sitzung der „Karneval Abteilung Rot-Weiße Funken“ gerade begonnen. Kinder sind holländisch kostümiert und laufen um eine Windmühle.

          „Eigentlich ruft das Bett“, sagt einer, der dem Prinzenpaar die Fahne trägt. Er sei froh, wenn er nach Aschermittwoch mal wieder ein echtes Wochenende habe. Er gehört zur Prinzengarde der „Heddemer Käwwern“. Wenn sie heute weit nach Mitternacht bei ihrem letzten Auftritt in Heddernheim auf die Bühne laufen, werden sie ihm mit einem Sonderapplaus danken dafür, dass er tut, was er tut. Jetzt aber erst einmal Griesheim. Helau nach allen Seiten, die Narren klatschen stehend. Dann, als sich Prinz, Prinzessin, Hofmarschall, Ex-Prinz, der Präsident und der Schatzmeister des Großen Rates, zwei Gardemädchen und zwei Standartenträger auf die Bühne gereiht haben, wird gesungen. Für Sitzungspräsidentin Sabrina, die hat nämlich heute Geburtstag.

          „Ihr tanzt und ihr lacht, mir kommt es vor, als ob ihr nichts anderes macht“

          Im Publikum sind Plätze leer, nur die Hälfte der Gäste ist verkleidet. „Ihr tanzt und ihr lacht, mir kommt es vor, als ob ihr nichts anderes macht“, reimt Prinz Marcus von der Bühne herunter. Rechts von ihm ist eine Bar aus Bambusstäben und pappenen Palmwedeln ins Dunkel geschoben. „Frankfurt!“, ruft Marcus, „helau“, antwortet der Saal müde.Die Band vermasselt einen Tusch, Sitzungspräsidentin Sabrina muss zum Applaus auffordern. Danach kommt endlich Lothar auf die Bühne. Der wollte Ingrid schon immer mal ein Küsschen geben und schmatzt ihr auf die Wange. Über die Lautsprecher hört sich das gewaltig an.

          18.22 Uhr, der obligate Marsch zum Abschied wird gespielt, draußen wirft jemand der Prinzessin den weißen Schal um den Hals, die Standartenträger drehen die Fahnenstangen auseinander und werfen sie in den Van. Die drei Karossen von Prinzenpaar und Gefolge haben dieChauffeure vorher schon so geparkt, dass sie nur noch Gas geben müssen, wenn der Hofstaat eingestiegen ist.

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