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Kapitalismuskritik : Byebye, Occupy

  • -Aktualisiert am

Da war die Welt der Kapitalismuskritiker noch in Ordnung: Blick auf die Demonstranten rund um das Occupy-Camp. Bild: Hoang Le, Kien

In den nächsten Tagen wird das Camp der Kapitalismus- und Bankenkritiker in der Frankfurter Innenstadt geräumt. Was bleibt von den knapp 300 Tagen dieser Besetzung?

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          Es wird mehr sein als zerstörter Rasen.

          Wer ein Gespräch mit Hajo Köhn beginnt, sollte etwas Zeit einplanen. Der selbständige Ernährungsberater kann aus dem Stegreif erklären, was er an der europäischen Krisenpolitik schlecht und am Gedanken an eine neue Geldordnung gut findet. Kommunalpolitik, Occupy, ESM - alles hängt mit allem zusammen. Was Köhn sagt, klingt plausibel und fundiert. Das unterscheidet ihn von den meisten Leuten, die dieser Tage im Protest-Camp am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt anzutreffen sind. „Wir sind der seriös-bürgerliche Teil der Bewegung“, sagt er.

          Köhn gehört zu Occupy Money, einer kleinen Gruppe, die sich Gedanken über ein neues Währungssystem macht, dabei aber eher auf die Kraft des Wortes setzt als auf die des Zeltens. Köhn wirkt etwas fehl am Platz in dem Zeltlager, trotzdem hat er sich dafür eingesetzt, dass es bleibt. Er gehörte zu der Occupy-Delegation, die mit Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) über die Zukunft des Lagers verhandelt hat. Es hat nichts genutzt. Was Frank schon vor Wochen angekündigt hatte, macht er wahr. Zum Monatsende soll das Camp geräumt werden.

          Es lockte das Gefühl, „Teil einer internationalen Bewegung zu sein“

          Die Aktivisten haben angekündigt, sich nur mit friedlichen Mitteln dagegen zu wehren. Gestern haben sie mit einem Protestmarsch gegen die Auflösung des Camps protestiert (siehe Bericht dazu in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung). Sie wollen allenfalls passiven Widerstand leisten und sich ähnliche Aktionen einfallen lassen wie im Mai. Mit Beginn der Blockupy-Proteste mussten sie das Lager schon einmal verlassen, allerdings nur vorübergehend. Als die Polizei morgens anrückte, hatten Occupy-Sympathisanten ein Planschbecken mit weißer Farbe gefüllt und die Beamten mit selbiger bespritzt.

          Occupy steht für Kapitalismuskritik, die cooler daherkommt als die altbekannte Polemik postkommunistischer Partei-Funktionäre. Die Atmosphäre zwischen Pfadfinderromantik, politischem Salon und Obdachlosen-Asyl zog von Beginn an nicht nur politisch Interessierte an. Es lockte das Gefühl, „Teil einer internationalen Bewegung zu sein“, wie die Unverdrossenen immer noch schwärmen. Es sind dieselben, die weiterhin behaupten, Occupy repräsentiere jene „99 Prozent“ der Gesellschaft, die nicht in den Bankentürmen säßen und von dort aus die Welt zugrunde richteten.

          Occupy hat den Kredit verspielt

          Abgesehen davon, dass dem Occupy-Kreis in Frankfurt nicht mehr als ein paar hundert Aktivisten und engere Unterstützer angehören, haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass die Mehrheit der Frankfurter nicht auf der Seite der Bewegung steht, jedenfalls dann nicht, wenn es um die Frage geht, ob ein zentraler Ort der Stadt weiterhin für eine Dauerdemonstration zur Verfügung stehen sollte. Über das Zeltlager in der Innenstadt wird nur noch selten mit Sympathie gesprochen.

          Zu Beginn war das anders. Eine benachbarte Bank stellte Duschen zur Verfügung, im Schauspiel durften die Camper die Toiletten benutzen. Vom neuen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sind die Worte überliefert, dass man Occupy erfinden müsse, wenn es diese Bewegung nicht schon gäbe. Auch das ist aber schon eine Weile her. Ein kritisches Wort zur jetzt anstehenden Räumung ist von ihm nicht bekannt geworden.

          Der Traum, Revolutionäre in Europas Bankenhauptstadt zu sein

          Occupy hat den Kredit verspielt, den die Stadt und ihre Bürger den Campern gegeben hatten. Und das im wahrsten Sinne. Lange Zeit warteten Unternehmen, die das Camp unterstützen, darauf, dass ihre Rechnungen gezahlt wurden. Zuletzt war noch die Rede davon, dass rund 10.000 Euro bei einer Entsorgungsfirma ausstanden, die mit der Müllbeseitigung beauftragt ist. Spötter könnten sagen, Occupy habe in den vergangenen 287 Tagen mehr Abfall und Schulden produziert als kluge Ideen. Immerhin: Linkspartei und Deutscher Gewerkschaftsbund stehen treu zu Occupy. Doch ihr Protest wird wohl nichts daran ändern, dass das Camp jetzt aufgelöst wird.

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