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Nach Übernahme von Condor : Freuen, aber nicht träumen

Wohin geht die Reise? Condor-Flugzeug in Frankfurt Bild: AP

Die Fluggesellschaft Condor hofft, mithilfe ihres neuen Eigentümers zu wachsen. Da der aber versuchen wird, die Kosten zu senken, bleibt abzuwarten, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht.

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          Die Freude über die Rettung der traditionsreichen Ferienfluggesellschaft Condor ist am Freitag, dem 24. Januar, groß gewesen. Verständlich. Die Gefahr, mit dem insolventen Reisekonzern Thomas Cook in die Tiefe gezogen zu werden, war erheblich. Auch Condor-Chef Ralf Teckentrup merkte man eine Erleichterung an, die über die professionelle Freude angesichts eines gelungenen Deals hinausging.

          Und doch sollte das Lob für die Condorianer, die Gewerkschaften, die Bundes- und Landesregierung und andere Helfer, das Teckentrup und Rafal Milczarski, der Chef der polnischen Aviation-Gruppe, die den Ferienflieger vor dem Ende gerettet hat, in dieser Stimmung verteilten, nicht täuschen. Beide Manager sind nicht dort hingekommen, wo sie derzeit sind, weil sie richtig nett sein können. Sie sind schließlich in einer Branche tätig, die mit einem enorm hohen Kapitaleinsatz für Flugzeuge, Kerosin, Wartung, Flughafenentgelte und dergleichen einen Ertrag je Ticket erwirtschaften muss, der aller Erfahrung nach bestenfalls gering ausfällt.

          Wachstum wünschenswert

          Deshalb sind sie es gewohnt, ziemlich unerbittlich auf die Kosten zu schauen und jede Gelegenheit zu nutzen, sie zu senken. Das hat Milczarski am Freitag auch – freilich freundlich verpackt – gesagt: Wer nicht immer auf die Kosten achte, um sie zu senken, wenn sich die Gelegenheit biete, der sei in der falschen Branche, warnte er.

          Dass die Condor nun mit dem polnischen Investor das Wachstum tatsächlich realisieren kann, das sie allein schon deshalb nicht hinbekommen hätte, weil sie neue Flugzeuge für die Langstrecke nicht hätte finanzieren können, ist aus Sicht der mit Frankfurt eng verbundenen Airline sehr zu hoffen. Aber weder das Management der Condor noch die neuen Eigentümer werden selbst in Zeiten des Wachstums darauf verzichten, alle Synergien zu heben, die sich ergeben, nachdem sich eine Gruppe eine weitere Airline dazugekauft hat. Das können sie sich gar nicht leisten.

          Kostensenkung für Investoren

          Der Abbau von 170 Stellen in der Condor-Verwaltung und weiteren 150 in der Kabine vor der Übernahme war auch sicher ein Aufhübschen für Investoren. Es spricht aber viel dafür, dass es nicht der letzte Schritt in Richtung Kostensenkung gewesen ist. Sicher, Condor ist nicht Opel. Doch die Vorgehensweise bei Übernahmen ist in aller Regel sehr ähnlich. Aus regionaler Sicht ist natürlich zu wünschen, dass die Condor nun mit Hilfe aus Polen wie wild wächst und gedeiht. Schließlich begann die Geschichte der Condor in Frankfurt mit einem Flug des Vorgängerunternehmens Deutsche Flugdienst GmbH am 29. März 1956 nach Jerusalem.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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