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Kanalarbeiter : Kein Job für jedermann

Im Schacht: Kanalarbeiter Norbert Stolzki. Bild: Rosenkranz, Henner

Wenn Norbert Stolzki zur Arbeit geht, steigt er durch eine schmale Röhre hinab in die dunkle, stinkende Kanalisation. Aber er macht es gerne.

          Die Eingeweide der Stadt dampfen. In Norbert Stolzkis Schnauzer sammeln sich drei Schneeflocken, als er die Leiter des engen Schachts hinuntersteigt, nur 57 Zentimeter breit, dafür aber sechs Meter lang. Unten angekommen, wimmeln im Schein seiner kleinen Lampe Mücken und kleine Fetzen von Papier. Der Fluss, der normalerweise dort unten fließt, ist heute nur ein Rinnsal, weil es die vergangenen Tage nicht viel geregnet hat. Norbert Stolzki, Kanalarbeiter im dreißigsten Jahr, fasst zusammen, was da alles so fließt: Abwasser, Urin - so riecht die Stadt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Arbeit im Kanal, das sagen sie selbst bei der Stadtentwässerung Frankfurt, ist kein Traumjob. Aber wer dort einmal anfange, bleibe meist für den Rest seines Lebens. Das klingt ein wenig pathetisch, aber Norbert Stolzki findet den Spruch nicht schlecht. Auch weil man nie den ganzen Kanal gesehen hat, Frankfurt immer weiter wächst und mit der Stadt auch ihr Verdauungstrakt. In der Innenstadt liegen noch gemauerte Kanäle von 1874, manche von denen sind nur hüfthoch, und die Arbeiter müssen auf allen vieren durch sie hindurchkriechen, die Nase ganz nah am Abwasser. Und auf dem Riedberg verbauen sie zurzeit moderne Betonrohre - in bequemer Stehhöhe. Viele Bewerber für den Job scheitern schon bei der ersten Begehung eines Kanals. Diejenigen, die durchhalten und in dem Beruf arbeiten wollen, sind - zumindest bislang - alle männlich.

          Genug Atemluft

          Norbert Stolzki erinnert sich auch noch an seinen ersten Besuch im Kanal. An das seltsame Klima in knapp zehn Metern Tiefe, wo es immer ein wenig schwül ist bei angenehmen 15 Grad, sommers wie winters. Und er erinnert sich an die ersten Bewohner, die er traf: Ratten, die kleiner seien, als man vermute, und Spinnen, die viel größer seien, als man vermute.

          Obwohl alle 160 Kilometer des Frankfurter Kanalnetzes inzwischen auch von Kameras gefilmt werden, müssen die 37 Mitarbeiter, die für den südlichen Teil der Stadt zuständig sind, regelmäßig nach dem Rechten schauen. Vor einem Gang in den Kanal wird immer der Sauerstoffgehalt unten gemessen, bei genügend Atemluft der Arbeiter an ein Geschirr geschnallt und abgeseilt. Im Kanal ist es dann stockdunkel, weil es festinstallierte Lampen, die Funken sprühen könnten, aus Brandschutzgründen nicht geben darf. Vielleicht gar nicht verkehrt, dass man in dem schmalen Kegel der mitgebrachten Lampe nicht alles erkennen kann, sagt Stolzki.

          Tätig werden müssen die Kanalarbeiter meistens dann, wenn etwas im Kanal landet, was dort nicht hingehört. Katzenstreu zum Beispiel. Das quillt im Abwasser auf und verstopft mitunter komplette Rohre. Dagegen hilft nur schweres Gerät. Das rollt bei akuter Verstopfung auch nachts an. Stolzki hat regelmäßig Nachtdienst, erst vor kurzem klingelte sein Handy um kurz vor Mitternacht. Dann Jacke an und raus in die kalte Nacht. Das Einsatzfahrzeug rutschte förmlich zum Eingang in den Kanal, so glatt waren die Straßen. Da war der Abstieg in den gemauerten Keller der Stadt für Stolzki fast schon angenehm. Denn da unten waren wie immer wärmende 15 Grad.

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