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Bryan Adams in Frankfurt : Wenn der Hallenchor übernimmt

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Knackiger Rock mit der Akustikgitarre: Bryan Adams auf einem Privatkonzert im Badischen Staatstheater 2015. (Symbolbild) Bild: dpa

Rasant, ruppig, rustikal: Bryan Adams gastierte in der Frankfurter Festhalle. Der kanadische Rocksänger blieb sich über die Dekaden hinweg treu. Auf der Bühne überzeugt er mit seiner Akustikgitarre.

          Er kann Deutsch. Ein bisschen. In der nicht ganz ausverkauften Festhalle nimmt Bryan Adams gerne mal „Schatzi“, „Dankescheen“ oder „Das ist wunderbar“ in den Mund. Das muss ihm jemand von der Plattenfirma oder dem Tourmanagement beigebracht haben. Oder aber der Kanadier des Jahrgang 1959 schnappte es bei einer seiner zahllosen deutschen Stippvisiten außerhalb von Tourneen auf. Wenn er zur sündteuren Kamera greift, stylish perfekte Fotos in Schwarz-Weiß schießt, um sie anschließend erfolgreich auszustellen und in Buchform zu publizieren.

          Auf Englisch funktioniert Bryan Adams selbstverständlich auch: „My Name is Bryan. I’m your singer for tonight“, lässt er formelhaft nach dem druckvoll lauten Rockkracher „Ultimate Love“ die Fans zum Einstand wissen. Ein Bekenntnis, das nicht nur enthusiastischen Beifall auslöst, sondern auch die Herrschaften mit den teuren Tickets im Parkett des komplett bestuhlten Innenraums jenen unglaublichen Frevel vergessen lässt, der sich wenige Minuten vor dem Auftakt vollzog: Binnen Sekunden füllte sich der Platz direkt vor der Bühne mit Hunderten Haltloser aus den hinteren Sitzreihen. Die optimalen Sichtverhältnisse für die Privilegierten sind dahin.

          Knackiger Rock, Beseeltes fürs Herz und Pop-Ohrwürmer

          Der Sänger, Gitarrist und Komponist aus Kingston, Ontario, mit dem auch als Song formulierten Lebenscredo „18 Til I Die“ mischt seit 1980 im internationalen Rockgeschehen mit. Er blieb sich über die Dekaden hinweg bis zum aktuellen 14. Studioalbum „Shine A Light“ stilistisch ebenso selbst treu wie er noch immer seine von Sologitarrist Keith Scott und Schlagzeuger Mickey Curry angeführten Langzeitweggefährten im Begleitquartett um sich schart: Knackigen Rock, Beseeltes fürs Herz, geradlinig Akustisches und locker leichte Pop-Ohrwürmer versteht der zusätzlich von Bassist Norm Fisher und Keyboarder Gary Breit begleitete Animal-Rights-Aktivist einfach aus dem Ärmel zu schütteln.

          Exakt so, wie eine seiner zumeist weltweit mit Edelmetall und vorderen Chartpositionen prämierten LPs funktioniert, gliedert sich auch die permanent mit perfekten Hochglanzwerbebildern auf Großleinwand unterfütterte zweieinhalbstündige Werkschau: Da schießen Adams und Co. Rasantes, Ruppiges und Rustikales härterer Gangart wie „Somebody“, „Go Down Rockin’“, „You Belong To Me“, „I Could Get Used To This“ und „Part Friday Night, Part Sunday Morning“ mal eben aus der Hüfte. Sidekick Scott greift öfter zum Bottleneck, demonstriert bei virtuosen Kabinettstückchen auf sechs Saiten Affinität zu Jimi Hendrix und darf bei „It’s Only Love“ gar die Sangesposition von Tina Turner einnehmen.

          Geschichten über Adams' Elternhaus

          Gleich mehrmals packt Bryan Adams die Akustikinstrumente aus: „Here I Am“ und „When You’re Gone“ serviert er in dunklem Lichtschein. Indes warten alle gebannt auf die nicht gerade wenigen Crowd Pleaser im Repertoire, also jene Gassenhauer mit Dauerabonnement in der Radiorotation wie „Heaven“, „Summer Of 69“, „Run To You“, „Cuts Like A Knife“, „(Everything I Do) I Do It For You“ und „Can’t Stop This Thing We Started“. Nach nur wenigen Sekunden Takt übernimmt da textsicher der Hallenchor.

          Fast andächtig endet das rauschvolle Fest: Anstatt noch einmal Vollgas zu geben, greift Bryan Adams noch einmal als Solist zur Akustikgitarre. Das Irish-Folk-Traditional „Whiskey In The Jar“, das mit Geschichten über Adams‘ Elternhaus eingeleitete „Straight From The Heart“ sowie das ursprünglich im Trio mit Sting und Rod Stewart etwas überkandidelt geratene „All For Love“ bereiten die Party auf das Ende vor.

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