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Kontrollen für Kampfhunde : „Ein Hund gehört nicht in solche Hände“

  • -Aktualisiert am

Einsteigen zur Überprüfung: Polizisten bringen einen Staffordshire Terrier und seine Halterin aufs Offenbacher Ordnungsamt. Bild: Wonge Bergmann

Wer mit einem Kampfhund unterwegs ist, muss mit Kontrollen rechnen. Wer dabei nicht über die nötigen Papiere verfügt oder gar handgreiflich wird, sieht einer saftigen Strafe entgegen.

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          In einer Straße, die zum Main führt, geht ein Mann mit zwei Hunden spazieren. Sie sehen aus wie American Bulldogs. Und die gehören in Offenbach zu den sogenannten Listenhunden– den Rassen also, die besonders oft zubeißen. Sascha Zimmer fährt das Fenster des Polizeiautos herunter. „Wo ist denn die Leine?“, ruft er über die Straße.

          Seit sechs Jahren fährt er für die Offenbacher Stadtpolizei Streife. Er ist 39Jahre alt, schlank, trägt Schnauzbart und hat einen Knopf im Ohr, damit er keinen Funkspruch verpasst. Neben ihm sitzt seine Kollegin Denise Rodenhäuser: wache, grünblaue Augen und rote Wangen, 35 Jahre, seit drei Jahren bei der Stadtpolizei. Vorher war sie wie Zimmer bei der Bundeswehr. Am Streifefahren mag sie die Abwechslung, wie sie sagt. „Man weiß nie, was kommt.“

          750 Euro Bußgeld für Listenhund ohne Leine

          „Tut mir leid“, stammelt der Hundebesitzer. Schnell nimmt er die Hunde ans Halsband. „Ich bin aber gleich zu Hause.“ Im Stadtgebiet Offenbach herrscht Leinenzwang. Wer sich daran nicht hält, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 50 Euro rechnen, bei Listenhunden sind es sogar 750 Euro. Der Mann fiel schon mehrmals auf. Weil unklar war, ob seine Hunde zu den Listenhunden zählen, musste ein Gutachter sie untersuchen. Ergebnis: Es sind keine reinrassigen American Bulldogs, und sie sind gutmütig.

          Ihr Besitzer kommt an diesem Morgen mit einer mündlichen Verwarnung davon. Denn der Streifenwagen blockiert den Verkehr, und Zimmer entscheidet sich, weiterzufahren. „Das nächste Mal angeleint!“, ruft er dem Mann noch zu.

          Wären es Listenhunde gewesen, hätten Zimmer und Rodenhäuser den Hundebesitzer nicht einfach so gehen lassen. „Jeder Hund kann zur Beißmaschine gemacht werden. Aber bei einem Rottweiler hat es andere Auswirkungen als bei einem Dackel“, sagt Zimmer.

          Wesenstest für Listenhunde alle paar Jahre

          Seit 2003 gibt es die Liste der gefährlichen Hunde. Jeder Offenbacher, der so ein Tier halten will, braucht eine Erlaubnis. Er muss volljährig sein und darf keine gravierenden Einträge im polizeilichen Führungszeugnis haben. In einer Prüfung muss er nachweisen, dass er die Regeln kennt: Listenhunde dürfen nur einzeln ausgeführt werden und müssen alle paar Jahre einen Wesenstest bestehen. Wer gegen die strengen Auflagen verstößt, hat mit drakonischen Strafen zu rechnen. Vergleichbar mit denen des Waffengesetzes.

          Etwa 160 Listenhunde sind in Offenbach gemeldet. Hin und wieder stoßen die Beamten bei Routinekontrollen und dem „Hundekontrolltag“ auf nicht angemeldete Vierbeiner. Zweimal im Jahr prüfen die Polizisten stichprobenartig, ob Gassigeher Steuermarke, Leine und Hundetüten parat haben. Bei Listenhunden fragen sie außerdem nach dem Hundepass. Er weist aus, wer das Tier hält und wer es ausführen darf. Diesen Pass muss der Begleiter immer mit sich führen – wie Führerschein und Fahrzeugpapiere beim Autofahren.

          Nicht der Hund, sondern der Halter ist schuld

          Das Halten gefährlicher Hunde über hohe Steuern zu regulieren, das halten die Stadtpolizisten für den falschen Weg. In Frankfurt kostet die Steuer für Listenhunde 900 Euro im Jahr, in Offenbach zahlt man für einen Pudel genauso viel wie für einen Bullterrier, Rottweiler oder türkischen Hirtenhund Kangal: 90 Euro. Oft sei weniger der Charakter des Hundes schuld an Beißattacken, sondern der Halter, sagt Zimmer. Der American Staffordshire Terrier etwa, der in Hessen auf der Liste steht, werde in Amerika auch Nanny-Dog genannt und sei dort ein beliebter Familienhund.

          Zimmer und Rodenhäuser fahren weiter. Ein paar Ordnungswidrigkeiten später piept das Funkgerät. Kollegen in Zivil haben Probleme mit einem Mann, der einen Listenhund ausführt. „Manchmal hilft es schon, wenn Beamte in Uniform dazu kommen“, sagt Zimmer. Er stellt Blaulicht und Sirene an. Für die Strecke, die normalerweise kaum unter sieben Minuten zu schaffen ist, braucht er zwei.

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