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Unternehmen und Darmstadt 98 : „Hier läuft keiner über den roten Teppich“

  • -Aktualisiert am

Im Gedenken an Jonathan Heimes: Ein Jahr nach dem Tod des jugendlichen Fans spielen die Darmstädter Profis die Partie gegen Mainz in einem Sondertrikot. Bild: Jan Huebner

Die Unternehmer Kai Beckmann und Arnd Zinnhardt sprechen im Interview über die Besonderheiten des SV Darmstadt 98, das Lebenswerk von Jonathan Heimes und die Motivation von Merck und der Software AG, sich bei den „Lilien“ zu engagieren.

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          Welche Bedeutung hat Sport für Ihre Unternehmen?

          Zinnhardt: Eine sehr hohe. Dabei stehen zwei Dimensionen für uns im Vordergrund. Einmal der Gesundheitsfaktor, aber auch das Miteinander. Bei der Software AG dreht sich relativ viel um den Laufsport. Als wir vor vielen Jahren ein internes Programm aufgesetzt haben, haben wir ganz bewusst gesagt: Jeder, der mitmachen will, ist herzlich willkommen. Das Faszinierende beim Sport ist: Man unterhält sich über Abteilungs- und Standortgrenzen; über Hierarchieebenen hinweg. Ich habe mich beim Laufen beispielsweise auch oft mit Azubis oder Praktikanten unterhalten, die im normalen Tagesgeschäft niemals zu mir kommen würden. Aber in Laufsachen ist die Hemmschwelle weg.

          Beckmann: Sport in Unternehmen ist ja keine neue Erfindung. Wir haben schon in den achtziger Jahren auf dem Betriebsgelände eine Sporthalle für unsere Betriebssportgruppe gebaut, die es noch viel länger gibt, nämlich seit 1929. Ich halte Sport gerade im Bereich des Gesundheitsmanagements für eminent wichtig, das spielt für einen Betrieb unserer Größe mit seiner Produktion und vielen körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten eine große Rolle. Beim Sport geht es uns um Gesundheitsvorsorge, es geht aber auch um Spaß und darum, außerhalb der Arbeit Gemeinschaft zu pflegen.

          Wo legen Sie die Schwerpunkte der Sportförderung außerhalb Ihrer Unternehmen?

          Beckmann: Wir sind in Darmstadt Nachbar in jeder Beziehung und versuchen, uns mit diesem Selbstverständnis bei gesellschaftlichen Themen zu engagieren. Dazu gehören Vereine – auch Sportvereine, aber auch Kultureinrichtungen oder Schulen. Es sind viele kleine Einheiten, die wir unterstützen. Was den Sport betrifft, so kommt es uns nicht auf die Bedeutung an, die Sportarten zugemessen wird, wir unterstützen nicht nur Fußball, sondern zum Beispiel auch Faustball. Wir unterstützen mehr als 200 Vereine, und es sind sicherlich einige darunter, die es ohne unseren Obolus und den von anderen Firmen gar nicht geben würde.

          Zinnhardt: Wir haben einen etwas anderen Ansatz. Wir haben zum Beispiel eine Charity-Lauf-Aktion, die sich „Move your feet to give a hand“ nennt. Mitarbeiter können dabei in den Disziplinen Schwimmen, Laufen und Radfahren individuell oder gemeinsam Wettkampfkilometer sammeln, die wir in Geldeinheiten umrechnen. Dieses Geld spenden wir dann wiederum für gemeinnützige Zwecke. Unser Sponsoring beschränkt sich auf den SV Darmstadt 98, bei dem wir seit 2008 präsent sind, als der Verein noch in der vierten Liga spielte.

          Wenn man Verbindungen zum Profisport betrachtet, zu Darmstadt 98 in Ihrem Falle – wird ein solches Engagement auch von persönlichen Vorlieben beeinflusst?

          Zinnhardt: Nein. Mich hat zwar Fußball schon immer begeistert, aber das hat nichts mit unserem Sponsoring der „Lilien“ zu tun. Das ist eher Teil meiner DNA und relativ naheliegend, weil ich gebürtiger Dortmunder bin und es in Dortmund quasi nichts anderes gibt als den Fußball. Mein erster Verein ist immer der BVB gewesen, insofern gab es keine spezielle Beziehung zwischen mir und dem SV Darmstadt 98. Und es kann beim Sponsoring natürlich nicht darum gehen, einem persönlichen Hobby zu frönen. Wir wollten damals in erster Linie den Standort Darmstadt unterstützen.

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