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Ein Standort vor dem Aus : Käufer für zwei Fabriken von Kappus Seife in Sicht

Wirtschaftsgeschichte: Produktion von Kappus Seife in Offenbach Bild: Rainer Wohlfahrt

Zehn Monate nach dem Aus für den Offenbacher Seifenhersteller Kappus zeichnet sich eine gute Lösung für zwei Standorte der insolventen Gruppe ab. Ein Standort muss sich aber auf die Schließung vorbereiten.

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          Im September 2018 ging dem Offenbacher Seifenhersteller Kappus das Geld aus, ein halbes Jahr später kam das Aus für das Stammhaus – doch drei andere Standorte des Familienunternehmens haben im Insolvenzverfahren weiter produzieren können. Seit Monaten bemüht sich Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko um eine Lösung für die Fabriken im rheinischen Krefeld, in Riesa in Sachsen und in Heitersheim in Baden-Württemberg.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie sein Büro mitteilt, zeichnet sich eine Investorenlösung für zwei dieser Standorte ab. Danko führt demnach „finale Kaufvertragsverhandlungen“. Eine Fabrik muss dagegen nach dem Stand der Dinge wie jene in Offenbach geschlossen werden. Dort verloren 70 feste Beschäftigte und zehn Aushilfen im März vergangenen Jahres ihre Arbeit.

          Ohne Investor kein Fabrik

          Kappus hatte auch und gerade namhafte Discounter sowie Industriekunden vor allem mit Festseifen beliefert, aber letztlich keine auskömmlichen Preise erzielen können. Der Insolvenzverwalter spricht rückblickend von gestiegenen Rohstoffkosten und hohem Preisdruck. Besonders tragisch wirkte die Pleite, weil die Familienunternehmer zwei Jahre zuvor noch den Umzug vom alten Standort an einen anderen Ort in Offenbach gewagt und viel Geld eingesetzt hatten. Auf dem alten Firmengelände Kappus-Höfe sind Wohnungen entstanden. Erst Danko konnte höhere Preise erreichen.

          Wie es weiter heißt, liegt dem Insolvenzverwalter „ein verbindliches und belastbares Angebot eines Investors“ für die Betriebe in Heitersheim mit 77 Mitarbeitern und Riesa mit 73 Beschäftigten vor. Der Investor wolle die Standorte übernehmen und „vollumfänglich“ weiterführen. „Für den Standort Krefeld, für dessen Erhalt wir bis zuletzt gekämpft haben, gibt es leider keine guten Nachrichten“, wird Danko zitiert. Der Kaufinteressent will demnach diesen Betrieb doch nicht mit übernehmen, obwohl es zunächst danach ausgesehen habe.

          Einer der größten Spieler in Europa

          Hintergrund: „Dort konnte mit den Kunden keine Einigung über auskömmliche Preise für den Zeitraum nach der Insolvenz erzielt werden.“ Ohne Investor könne diese Fabrik aber nicht bestehen. Ein Insolvenzverwalter darf nur einen Betrieb am Leben erhalten, der nicht dauerhaft im Minus wirtschaftet. „Die Gläubiger haben mich deshalb damit beauftragt, die Stilllegung vorzubereiten“, wird Danko zitiert. Die 100 Beschäftigten seien schon informiert.

          Kappus Seife ist auch nach dem Insolvenzantrag eine Branchengröße in Westeuropa. 70.000 Tonnen Seife stellt die Gruppe im Jahr her und erlöst damit etwa 80 Millionen Euro, wie es beim Insolvenzverwalter heißt. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1848 zurück. Zuletzt führte die Familie die Firmengruppe in fünfter Generation.

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