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Kabinett Bouffier : Hoffnung für Rhein, Puttrich und Kühne-Hörmann

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Noch vertraulich: Wer welchen Posten übernimmt, macht Volker Bouffier in erster Linie mit sich aus. Bild: dpa

Wie wird die hessische Regierung unter Volker Bouffier aussehen? Erst am 14. Januar will er die Posten mitteilen. Vermutungen über die Besetzung der Ressorts gibt es trotzdem.

          Seit Wochen sollen führende hessische CDU-Politiker unruhige Nächte haben. „Da schlafen einige bei offenem Fenster, um den Ruf aus der Staatskanzlei nicht zu verpassen“, lautet ein Spott in der Partei. Denn erst in der nächsten Sitzung der Landtagsfraktion am 14.Januar will Volker Bouffier verkünden, wen er vom 18.Januar an neben den Grünen Tarek Al-Wazir (Wirtschaft) und Priska Hinz (Umwelt) auf der Regierungsbank sehen will. Bekannt werden soll dann auch, welcher Parteifreund die Fraktion nach dem Ausscheiden von Christean Wagner auf den schwarz-grünen Kurs einschwören soll.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Da die Grünen anders als die FDP nur zwei statt drei Ministerien erhalten, hat Bouffier nun ein zusätzliches Ressort, um Karrierewünsche zu erfüllen oder ein frisches Gesicht in sein Kabinett zu holen. In der Union herrscht bei manchen die Einschätzung, dass Bouffier mit der Entscheidung für das Experiment Schwarz-Grün den Veränderungsbedarf erfüllt sehe und die Personalauswahl konservativ bleibe.

          Mann für Führungsaufgaben

          Seine Entscheidung, wer wo was wird, macht der 62 Jahre alte Bouffier wie sein Vorgänger Roland Koch weitgehend mit sich selbst aus. Seit Tagen finden sich dem Vernehmen nach Minister, Staatssekretäre und mögliche Aufsteiger in der Staatskanzlei zum vertraulichen Gespräch ein. Den erlösenden Anruf hat angeblich aber noch niemand erhalten.

          Womöglich in der Rolle des Fraktionsvorsitzenden wird sich der bisherige Minister für Bundesangelegenheiten, Michael Boddenberg, wiederfinden. Der 54Jahre alte Frankfurter Abgeordnete gilt schon länger als Mann für Führungsaufgaben. Der 46 Jahre alte Finanzminister Thomas Schäfer, den viele als Bouffiers Kronprinzen sehen, könnte auf seinem Posten bleiben, den er – wie man hört – sehr gern behalten will.

          Zwei Bewerber aufs Innenministerium

          Um seinen Verbleib als Innenminister kämpft Boris Rhein, dessen Verhältnis zu Bouffier in den vergangenen Jahren nicht immer ungetrübt gewesen sein soll. Als Argumente für seine Weiterbeschäftigung werden in der CDU sein entschlossenes Auftreten gegen militante Salafisten und die Zerschlagung der Frankfurter Rocker-Filiale der Hells Angels angeführt. Zudem habe der 42 Jahre alte Rhein als Frankfurter CDU-Chef die meiste Erfahrung mit einer schwarz-grünen Koalition. Als möglicher Mitbewerber für das Innenressort fällt im Landtag aber auch der Name des Gießener Regierungspräsidenten Lars Witteck. Der 39 Jahre alte frühere Richter und CDU-Politiker diente dem damaligen Innenminister Bouffier einige Jahre als Leiter seines Grundsatzreferats.

          Gute Chancen auf eine Anschlussverwendung im Kabinett nach ihrem Ausscheiden als Umweltministerin darf sich Lucia Puttrich machen. Die 52Jahre alte CDU-Frau aus der Wetterau gilt als eine Türöffnerin bei der Annäherung an die Grünen. In Bouffiers Mannschaft könnte sie das frei werdende Kultusministerium oder im Fall von Boddenbergs Wechsel in die Fraktion das wieder um Europapolitik erweiterte Ministerium für Bundesangelegenheiten erhalten. Im Kabinett bleiben soll dem Vernehmen nach auch die bisherige Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann. Als einziger Vertreterin der CDU-Nordhessen dürfte der 51Jahre alten Kasselerin trotz einer durchwachsenen Amtsbilanz ein Platz an Bouffiers Seite sicher sein, heißt es in der Partei. Die Juristin könnte jedoch in das ebenfalls frei werdende Justizressort wechseln. Als Chef des Wissenschaftsministeriums käme ihr von Bouffier geschätzter Staatssekretär, der 35Jahre alte Ingmar Jung, in Frage.

          Unverzichtbarer Koordinator für Justizressort

          Hoffnungen auf den Posten des Justizministers soll sich auch der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, machen. Als sein möglicher Nachfolger ist der 45Jahre alte CDU-Generalsekretär Peter Beuth im Gespräch. Andere in der Partei sehen jedoch weiter den 54 Jahre alten Wintermeyer als unverzichtbaren Koordinator der Regierungspolitik und glauben eher an einen Wechsel Beuths ins Bundesressort.

          Sozialminister Stefan Grüttner werden Ambitionen auf den Posten des Landtagspräsidenten nachgesagt. Der 57Jahre Offenbacher müsste für diesen Fall den bisherigen Amtsinhaber Norbert Kartmann von einem Verzicht für eine Bewerbung um eine dritte Amtszeit überzeugen. Bei einem Wechsel Grüttners könnte dann seine Staatssekretärin Petra Müller-Klepper zur Sozialministerin aufsteigen. Die 55Jahre alte Rheingauerin gilt auch bei den Grünen als versierte Sozialpolitikerin.

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