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Kabarettist Herbert Bonewitz : „Ehret die Alten, ehe sie erkalten“

„Doktor humoris causa“: Bonewitz tritt heute nur noch in kleineren Kreisen auf. Bild: dpa

Der Mainzer Fastnachter und Kabarettist Herbert Bonewitz feiert heute 80. Geburtstag. Als „Nestbeschmutzer“ war er nicht immer unumstritten.

          Getreu dem von ihm selbst ausgegebenen Motto „Ehret die Alten, ehe sie erkalten“ wird sich Herbert Bonewitz sicherlich gerne hochleben lassen. Richtet ihm doch seine Heimatstadt heute im Mainzer Unterhaus einen Geburtstagsempfang aus. Auch wenn es nicht unbedingt ein Spaß ist, achtzig Jahre auf dem Buckel und so viele verschiedene Orden um den Hals hängen zu haben.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Ausgezeichnet sind nicht nur die meist hintersinnigen, bisweilen auch bissigen Wortverdrehungen des Jubilars, der dem Volk nach eigenem Bekunden „aufs Maul schaut, ohne ihm nach dem Munde zu reden“ – sondern auch viele seiner sonstigen Leistungen in den Fächern Fastnacht, Kabarett, Zeichnen, Bücher schreiben und Humorpflege. Weshalb sich Bonewitz, der bereits die vom Unterhaus für stets ausverkaufte Vorstellungen verliehene Ehrenglocke, einen Stern der Satire auf dem Mainzer Walk of Fame sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande besitzt, von heute an auch noch über das Stadtsiegel in Silber freuen kann.

          Als „Prinz Bibi“ in der Fernsehsitzung

          Was ihm fast alle Mainzer gönnen dürften – mit Ausnahme einiger älterer Mitstreiter vielleicht, die dem „Nestbeschmutzer“ dessen Mitte der siebziger Jahre laut und vernehmlich geäußerte Fastnachtskritik noch immer nicht ganz verziehen haben. „Ein Narr packt aus“ hieß damals sein erstes Soloprogramm, mit dem der bundesweit bekannte „Hackethal der Mainzer Fastnacht“ 1975 für ein tagelang ausverkauftes Forumtheater Unterhaus gesorgt hatte; 16 weitere Programme folgten. Dass die ehemalige „Gonsbach-Lerche“, die seinerzeit auch als „Prinz Bibi“ in der Fernsehsitzung überzeugte, die eigene Zunft zu schelten wagte, ist allerdings schon lange keine Aufregung mehr wert.

          In der vergangenen Kampagne hat Bonewitz übrigens die Gelegenheit vorübergehen lassen, an der Seite seiner Ehefrau, Prinzessin Bärbel, noch einmal den Prinzen zu geben. An seiner Stelle übernahm der Ranzengardist Johannes Gerster die männliche Hauptrolle beim nicht ernsthaft proklamierten „Allerscheensten Meenzer Prinzenpaar“.

          Übersetzte Asterix in Mainzerische

          Ansonsten ist der „Doktor humoris causa“, der bis zum 1983 vollzogenen Wechsel in die Freiberuflichkeit Werbeleiter, Autor, Grafiker und Prokurist beim Mainzer Hygienepapierhersteller Hakle war, noch immer für jeden Spaß und jede Tollheit zu haben. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil seine beiden erwachsenen Kinder Ulrike und Michael sowie die mittlerweile vier Enkel den früheren Leistungssportler stets angespornt und auf Trab gehalten haben. Dass er nach zwei nicht ganz einfachen Operationen im Jahr 2009 ein wenig an Kondition eingebüßt hat, hindert ihn nicht daran, immer mal wieder in kleiner Runde zum Mikrofon zu greifen. Am liebsten bei Lesungen und Benefizauftritten, so wie nächste Woche bei der Mainzer Bücher-Messe im Rathaus-Foyer.

          Geschrieben und gezeichnet hat der bisweilen als „Professor für Määnzer Dialektologie“ gepriesene Autor und Karikaturist in den vergangenen Jahren so einiges: darunter Bücher wie „Typisch Bonewitz – Satiren von B bis Z“ und sein autobiographisches Werk „Zwischen allen Stilen“. Und selbstverständlich hätte es keinen Besseren geben können, als es 2001 darum ging, den Comic-Band „Asterix und der Kupferkessel“ ins Mainzerische zu übersetzen. Was den Lesern das Heft „Kuddelmuddel ums Kupperdibbe“ und dem Übersetzer die Ehrenmitgliedschaft im Verein Deutscher Sprache beschert hat.

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