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Kabarett-Duo „Kabbaratz“ : Das Paradies hinter dem Haus

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Peter Hoffmann und Evelyn Wendler vom Kabarett „Kabbaratz“ fühlen sich in ihrem Garten ausgesprochen wohl. Bild: Marcus Kaufhold

Auf der Bühne stehen sie als „Kabbaratz“ seit Jahrzehnten. Seit einigen Jahren sind die Kabarettisten Evelyn Wendler und Peter Hoffmann auch im Gartenglück.

          Die Holzbank aus den achtziger Jahren ist eigentlich eine Gartenbank. Sie steht in der Küche und sieht aus wie neu. Gartenmöbel ohne Garten war lange Zeit der Normalzustand bei Evelyn Wendler und Peter Hoffmann, dem Darmstädter Kabarett-Duo „Kabbaratz“. Seit mehr als 30 Jahren stehen sie zusammen auf der Bühne, seit 1989 sind sie verheiratet und seit zehn Jahren stolz auf ihren Garten hinter dem Haus, das wegen Eternitplatten und Asbest einst keiner haben wollte. Der Garten war voller Fichten und hatte ein Wegekreuz aus Betonplatten.

          Seit sie dort leben, hat sich das geändert. „Wir wollten, dass immer was blüht“, lautete ihr Wunsch, als sie an die Arbeit gingen. Inzwischen machen Veilchen und Vergissmeinnicht den Anfang, Mohn folgt und dann Rosen. Mit den Nachbarn gibt es einen regen Austausch. Fingerhut bekam das Paar geschenkt, Mohn gab es weiter. Abgesteckt wird regelmäßig etwas und wechselt dann den Garten, wie die Bourbon-Rosen, die sie ihrem Regisseur gaben.

          Eine „Affinität zur Natur“ habe es schon immer gegeben, sagt Hoffmann. 2007 zog das Paar an die Mollerstraße und hatte zum ersten Mal ein eigenes „Gärtchen“. „Da wurde klar: Ein Garten ist unseres“, erinnert sich Wendler. Ihr Mann kaufte sich alle sieben Bände von Kreuzers Gartenpflanzen Lexikon. In den knapp zwei Jahren, die sie an der Mollerstraße lebten, wurde es auf den 80 Quadratmetern voll. Viele Pflanzen sind mit umgezogen und wachsen nun auf den 450 Quadratmetern hinter ihrem Haus.

          Hühner als Herausforderung

          Dabei war es nicht immer einfach. „Wir hatten wirklich null Ahnung“, erinnert sich Wendler und erzählt, dass sie die Blätter der Herbstzeitlosen für Tulpen hielten, die nicht blühen wollten, und daher entfernten. Wie Eichhörnchen seien sie sich vorgekommen, als sie Frühblüher-Zwiebeln setzten und deren Standort schon vergessen hatten, als sie neue Pflanzenbeete anlegten. Durchdacht gingen sie dagegen mit Wendlers Wunsch nach eigenen Hühnern um: Sie mieteten sich fünf Hühner für zwei Wochen, inklusive Hühnerhaus, Futter- und Wasserautomat. Danach war die Wiese nicht mehr zu erkennen, es stank – und der Wunsch nach eigenen Hühnern wurde wieder aufgegeben.

          Von den zuvor zahlreichen Lupinen wächst auf der Wiese heute nur noch eine. Pimpinelle, Sauerampfer, Margeriten kommen hinzu. Zweimal im Jahr wird mit der elektrischen Sense gemäht, dabei aber immer ein Teil der Blüten für Insekten stehen gelassen. Tiere gibt es reichlich im Garten. Einmal fand sich sogar eine Schlange im Gartenhaus, die Wendler mit der Schaufel über den Zaun zum Friedhof brachte. Und eine „riesige Kröte“, die die Sechzigjährige davon abhielt in den Garten zu gehen, bis das Tier von selbst verschwand. Hinzukommen Molche, Fledermäuse und Vögel.

          Hoffmann las sieben Bücher über Gartenteiche. Danach war er unsicher. „Wir hatten ständig ein Loch“, erinnert sich Wendler. Inzwischen haben sie zwei Teiche, einen kleinen und einen großen, an dem sie abends den Sonnenuntergang genießen. Frösche gehören auch dazu. Es sei aber „Frauen-WG“, scherzt Hoffmann, da sie nicht zu hören seien.

          „Ökologischer Nullgarten“

          Der einstige „ökologische Nullgarten“, wie Wendler ihn nennt, den sie vor zehn Jahren vorfanden, ist zu einem Ort geworden, an dem schon ein Reiher im Teich einen Frosch im Hals hatte. Für Insekten blieb ein Holzstapel liegen, und Vögel können das ganze Jahr hindurch genügend Futter finden.

          Ein wenig ist der grüne Flecken auch ein Nutzgarten: Es gibt einen Holunder, Himbeeren und Blaubeeren, Tomaten und Gurken, Salat und Kohl. Außerdem Spalierobst und sogar Äpfel, obwohl beide eine Allergie dagegen haben. Die werden dann weiterverschenkt, wie das Paar berichtet. Was bei ihnen nicht angeht, sind Zwiebeln, Dill, Fenchel: „Klappt alles nicht“, haben sie gelernt.

          Viel haben die beiden im Garten selbst gebaut: den Steg am Teich, den Komposter, die Sandsteinmauer. Und drei Hochbeete, nicht nur wegen der vielen Schnecken, sondern auch „wegen dem Alter“, wie Wendler hinzufügt, obwohl sie „gern auf dem Boden rumkrabbelt“. Ansonsten macht im Garten „jeder so seins“. Hoffmann gießt gerne, Wendler zupft lieber. Zum Glück gibt es einen eigenen Brunnen. Der half im heißen Sommer des vergangenen Jahres. Bis zu dreimal am Tag musste das Paar nach eigenen Worten phasenweise gießen.

          Ein Faible für eine bestimmte Pflanze haben die beiden Kabarettisten nicht. Was sie für ihren Garten wollten, war trotzdem „alles“: ein Garten für Tiere, ein Garten, der duftet, mit Blumen und etwas zum Ernten. Der Winter ist ihnen nicht wichtig, da treten sie auf. Mit ihrer eigentlichen Arbeit beschäftigen sich die beiden im Garten weniger. Manchmal kommen Hoffmann Ideen beim Gießen; mitunter werden Texte memoriert. Aber meist lassen sie sich doch vom Garten ablenken. Denn zu entdecken gibt es immer etwas.

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