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Gebäude geräumt : Serie von Bombendrohungen an deutschen Landgerichten

  • Aktualisiert am

Bild: Cornelia Sick

Am Freitagvormittag sind wegen der Drohungen bundesweit fünf Landgerichte geräumt worden. Noch ist der Absender unbekannt – eine Mail in Kiel war jedoch mit „nationalsozialistische Offensive“ unterschrieben. Der Staatsschutz ermittelt.

          Nach einer Serie von Bombendrohungen sind am Freitagvormittag die Landgerichte in mehreren Städten in Deutschland geräumt worden. Betroffen waren Gerichte in Potsdam, Magdeburg, Erfurt, Saarbrücken, Wiesbaden und Kiel. In allen Fällen sei die Drohung per E-Mail eingegangen, bestätigte die Polizei. Nach Angaben der Polizei in Magdeburg wurde in der Mail mit einem Anschlag auf bundesweiter Ebene gedroht. Der Absender sei anonym, hieß es weiter.

          Ausnahme war wohl die Drohung an das Landgericht Kiel: Diese sei mit „nationalsozialistische Offensive“ unterschrieben gewesen. „Es ist eine Mail eingegangen, die mit „nationalsozialistische Offensive“ gezeichnet ist“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Kiel. Zuvor hatte „KN-online“ („Kieler Nachrichten online“) darüber berichtet. Die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei Schleswig-Holstein ermittelt. Eine Einschätzung, wie real ein rechtsextremistischer Hintergrund sein könnte, sei bisher nicht möglich.

          Das Kieler Landgericht ist inzwischen wieder zugänglich. „Der Einsatz ist beendet, es gab nichts“, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten Spürhunde den Außenbereich des Komplexes abgesucht, aber nichts Verdächtiges gefunden. In Kiel war die Bombendrohung nach Angaben der Polizei mit „nationalsozialistische Offensive“ unterschrieben. Die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei Schleswig-Holstein ermittelt. Eine Einschätzung, wie real ein rechtsextremistischer Hintergrund sein könnte, ist laut Polizei bisher nicht möglich.

          Ein Gerichtssprecher in Hamburg erklärte, die E-Mail enthalte rechtsextreme Bezüge. Laut Polizei Magdeburg wurde in dem Schreiben mit einem Anschlag auf bundesweiter Ebene gedroht. Der Absender sei anonym, hieß es weiter.

          Zunächst gab es eine Drohung in Schleswig-Holstein

          Rund 200 Menschen mussten in Potsdam aus dem Justizzentrum gebracht werden. Hier wurde mit einem Sprengstoffhund das Gebäude abgesucht und der Bereich um das Gebäude abgesperrt. In Erfurt wurden rund 30 Bedienstete aus dem Gerichtsgebäude gebracht. Ein Sprengstoffspürhund schlug bei der Suche nicht an. Laut Polizei in Erfurt vom Vormittag könne die Arbeit im Gerichtsgebäude bald wieder aufgenommen werden.

          Auch im Landgericht Saarbrücken wurde kein gefährlicher Gegenstand gefunden.„Jetzt läuft der Betrieb wieder ganz normal“, sagte eine Sprecherin. Gebäude des Landgerichts Kiel und des Justizzentrums Wiesbaden wurden ebenfalls zeitweise geräumt.

          Bundesjustizministerin verurteilt die Taten

          In Wiesbaden wurden die Menschen aufgerufen, den Bereich rund um das Justizzentrum weiträumig zu meiden. Es sollen derzeit Durchsuchungsmaßnahmen im Gebäude stattfinden. Mehrere Straßen um das Gebäude wurden gesperrt.

          In den vergangenen Wochen hatten bereits Bombendrohungen an anderen Landgerichten in Schleswig-Holstein die Einsatzkräfte beschäftigt. Bei keinem der Vorfälle wurden verdächtige Gegenstände gefunden.

          Bundesjustizministerin Katarina Barley verurteilte die Bombendrohungen gegen mehrere Landgerichte als Angriff auf die Justiz und das demokratische Gemeinwesen. „Die Bombendrohungen an mehreren Landgerichten und den Angriff auf den Bundesgerichtshof in der Silvesternacht in Leipzig verurteile ich scharf“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Wer Gerichte bedroht, greift die unabhängige Justiz und unser demokratisches Gemeinwesen an. Diese Straftaten müssen mit allem Nachdruck aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden.“

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