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Ausstellung im Jungen Museum : Geschichten und Stoffe selbst weben

Weben an einer gemeinsamen Sache: die ersten Besucher der Textil-Ausstellung im Jungen Museum Bild: Wpnge Bergmann

Das Junge Museum Frankfurt zeigt die Welt der Textilien – dank einer neuen Reinigungstechnik wird die Ausstellung auch ein Pionier in der Pandemie.

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          Manches T-Shirt wird in den nächsten Monaten dran glauben müssen. Aber dafür wird der Flickenteppich in der Ausstellung „Werk * Stoff * Textil – Vom Faden zum Gewebe“ wachsen. Knüpfen ist nur eine der vielen Techniken, die man an den Stationen der neuen Ausstellung im Jungen Museum selbst ausprobieren kann. Es gibt so viele, dass man eigentlich mehrmals vorbeikommen müsste dazu noch einen Webstuhl mit professioneller Anleitung. Und Anregungen für zu Hause, von der Gabel-Minibommel bis zum Kopfkissenbezug aus alten Hemden.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass überhaupt alle in dieser Ausstellung Hand anlegen dürfen – trotz der Sicherheits- und Hygieneauflagen – verdankt sich einer kleinen Kiste, die an Omas Schönheitsköfferchen erinnert: Innen wie verspiegelt, sterilisiert die kleine Kiste mit UV-Licht alle Gegenstände, mit denen alle Besucher von sieben Jahren an in der Textilausstellung experimentieren dürfen: Spindel und Strickliesel, Schneideschere und Nadeln. Ein UV-Stab kann überdies wie ein Laserschwert über die Oberfläche der Stationen geführt werden und Viren außer Gefecht setzen. Nur ein paar Minuten soll es jeweils dauern, bis die nächsten Besucher sich ans Werk machen dürfen, maximal 20 Personen dürfen in dem großen Raum sein.

          Die Geschichte des Stoffs und der Stadt kennen lernen

          Parallel zur Sonderausstellung „Kleider in Bewegung“ des Historischen Museums gibt es ein paar Meter weiter im dort angesiedelten Jungen Museum eine Ausstellung über Textilien. Solche Verbindungen versuche ihr Team oft, sagt Susanne Gesser, die Leiterin des Jungen Museums. Auch für die künftigen Großprojekte „Die Stadt und das Grün“ oder „Kindheit im Nationalsozialismus“ im nächsten Jahr wird das Junge Museum thematisch die Sonderausstellungen des Historischen Museums flankieren.

          T-Shirts zu Teppichen und Taschen, Stoffreste zu Webware – heute ist „Upcycling“ und Kreativwerken als Freizeitbeschäftigung schwer angesagt. Früher war es eine Notwendigkeit. Wie es kommt, dass der Mensch webt und strickt, knüpft und näht, aus was die Fäden bestehen und wie daraus ein fertiger Stoff wird, warum früher die Fischer gut stricken konnten, warum Stuntleute feuerfeste Hosen tragen und warum in Frankfurt früher tatsächlich Hutmacher an der Goldhutgasse gearbeitet haben, ist nun im Jungen Museum zu erfahren. „Werk * Stoff * Textil“ ist eine Übernahme aus dem Museum Rüsselsheim. Die dort geschaffene Ausstellung mit ihren Tischen, die aussehen wie riesige Garnrollen, mit den Web- und Knüpfrahmen, die zugleich Geschichten weben und Fäden in die Geschichte knüpfen, hat die Frankfurter überzeugt. Neu eingearbeitet haben sie Bezüge zur Ortsgeschichte und zur aktuellen Ausstellung. So kann man an einer Mischstation nicht nur selbst einen neuen Farbton kreieren, sondern lernt auch, wie die ersten Chemiefarben in Frankfurt produziert worden sind – und gleich darauf die erste chemische Reinigung gegründet wurde.

          Seit 30 Jahren wolle das Museum „ Möglichkeiten und Räume bieten, die eigene Kreativität zu entdecken“, sagt Susanne Gesser. Viele Kinder hätten dazu kaum Möglichkeiten. Erst recht nicht angesichts der Beschränkungen durch Corona. Da das gesamte Workshop-Programm in den relativ engen Werkräumen des Jungen Museums nicht stattfinden kann, wurde nach reiflicher Überlegung entschieden, dafür die Mitmach-Ausstellung trotz der hohen Auflagen aufzubauen. Glücklicherweise. Und weil so viel Stoffe, Garne, Knöpfe verbraucht werden, um Flickenteppiche und Wimpelgirlanden zu fabrizieren, sucht das Junge Museum weiter Stoff- und andere Sachspenden.

          Ausstellung „Werk * Stoff * Textil – Vom Faden zum Gewebe“ im Jungen Museum

          Die Ausstellung ist von 7. Juni bis 21. Februar dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Größere Familiengruppen sollten sich anmelden.

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