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Junge Start-Ups : Aus der Bank in die Bäckerei

Selbst ist der Mann: Die Lizza-Gründer Marc Schlegel (links) und Matthias Kramer in ihrer Produktionshalle Bild: Esra Klein

Den Job aufgeben, das eigene Ding machen: Wer das will, braucht eine gute Idee und Mut, Ausdauer und Geld. In Frankfurt wollen zwei Teams mit besonderem Essen ihren Traum verwirklichen.

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          Auf einmal werden Marc Schlegel und Matthias Kramer ganz still. Eigentlich erzählen die jungen Männer viel und gerne, aber als Firmeninhaber muss man auch seine Geheimnisse haben. Und hüten. „Das Rezept kennen nur wir beide“, sagt Kramer. Jeden Tag ziehen sich die beiden Jungunternehmer weiße Kittel über, gehen in die Backstube und mischen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ihrer Mitarbeiter jene Zutaten zusammen, aus denen ihr spezieller Pizzateig hergestellt wird. Wobei sie den Begriff Pizza nicht gerne hören. Denn der Teig besteht nicht überwiegend aus Hefe und Mehl, und er wird auch nicht zu einer Pizza. Er besteht vor allem aus Leinsamen und Chiasamen - und nennt sich Lizza. So einfach ist das.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Rezept ist das Heiligtum das Betriebs, für den Schlegel und Kramer viel aufgegeben haben: jede Menge Freizeit zum Beispiel. Aber vor allem einen sicheren Job. „Wir könnten heute vermutlich 150 000 Euro verdienen“, vermutet Kramer. Der Einunddreißigjährige ist einer, der nicht mehr ein kleines Teil im riesigen Puzzle seines ehemaligen Arbeitgebers Deutsche Bank sein wollte, sondern etwas anderes. Was das ist, fassen die Gründer in einem Satz zusammen: „Wir wollten unser eigenes Ding machen.“

          „Direkt neben einem Waffenladen und Scientology“

          Genau das hat auch Nina Rümmele und Ekatarina Bozoukova angetrieben. Die eine Bänkerin, die andere Beraterin, verdienten sie gut, machten Karriere, waren aber auch 80 Stunden jede Woche unterwegs, manchmal mehr. Ein Leben aus dem Rollkoffer. „Und immer ist man vom Feedback und vom Input anderer abhängig“, sagt Bozoukova. Jetzt dagegen, als Besitzerinnen eines Restaurants mit einem völlig neuen Konzept, arbeiten sie mindestens genauso viel, aber eben auch autark. War früher jeder Schritt mit Netz und doppeltem Boden abgesichert, haben ihre Entschlüsse heute, als Selbständige, eine ganz andere Tragweite. Zum Beispiel der, ihr Restaurant mit dem Namen What the food mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel zu eröffnen, „direkt neben einem Waffenladen und Scientology“. Nur 400 Meter vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt bieten die Frauen auf rund 100 Quadratmetern das an, was sie sich zu ihrer Zeit als Angestellte gewünscht hätten: gesundes Essen, gerne auch in der veganen, gluten- und laktosefreien Form, frisch zubereitet und vor allem: innerhalb von weniger als zehn Minuten serviert.

          Lizza und What the food - die beiden Geschäftsmodelle und die vier Gründer haben viele Gemeinsamkeiten. Alle vier hatten gute Jobs, alle vier wollten raus aus den starren Hierarchien ihrer Arbeitgeber, alle vier haben ihr Erspartes investiert und vor allem: Alle vier wollen sich auf einem hart umkämpften Markt nicht nur behaupten, sondern ihn auch verändern.

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