https://www.faz.net/-gzg-7gzcg

Junge Krebspatienten : „Wir wollen das Leben feiern“

  • -Aktualisiert am

Stark und lebensfroh: Janna Rupprecht organisiert schon zum dritten Mal das Festival „Sound of Life“. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Janna Rupprecht ist 21 Jahre alt, schwer krebskrank und die Organisatorin des „Sound of Life“-Festivals. Mit dem Open Air auf der Rennbahn in Niederrad will sie anderen Patienten Mut machen.

          4 Min.

          Christine Hauser ist Leiterin der Jugendgruppe des Vereins „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“. An der Komturstraße, ein paar Gehminuten von der Kinderkrebsstation entfernt, hat der Verein ein Haus. Es gehört den Kindern, den Eltern und den Geschwistern. Es ist ein Treffpunkt, ein Ruheraum, ein Ort des Trostes und der Hoffnung. Christine Hauser, die seit 24 Jahren für den Verein arbeitet, organisiert die Treffen im Haus. In der Jugendgruppe treffen sichJugendliche und junge Erwachsene, die die Therapie hinter sich haben, aber auch Geschwisterkinder - jene, deren krebskranke Brüder und Schwestern noch durch die Tortur von Operationen, Chemos und Bestrahlungen müssen, aber auch jene, die ihre Geschwister verloren haben. Zwischen 20 und 30 Mitglieder zählt die Gruppe, die sich regelmäßig trifft, zu gemeinsamen Unternehmungen, Ausflügen, Workshops und zu allem, was Hauser so einfällt. Betreuer wie diese kleine, warmherzige Frau halten das Schiff in stürmischer See über Wasser, wobei sie das Wort „Betreuer“ gar nicht mag. Sie sieht sich als Partnerin der Jugendlichen, mit vielen ist sie befreundet.

          Janna Rupprecht ist eine der jungen Frauen aus Hausers Jugendgruppe, und wer mit ihr ein paar Worte spricht, der weiß, was Krebs aus einem Menschen machen kann. Er kann ihn krank machen, sterbenskrank, aber er kann ihn auch stark machen, unfassbar stark. Janna Rupprecht ist 21 Jahre alt, hübsch und intelligent. Sechs Jahre ist es her, dass sie plötzlich Schmerzen im Bein verspürte. Immer heftiger, bis die Ärzte auf Röntgenbildern einen Tumor im Beckenknochen fanden und Metastasen in der Lunge. Die Fünfzehnjährige kam auf die Kinderkrebsstation, erhielt Chemotherapien und Bestrahlungen. Mit all den typischen Folgen: Haare weg, Finger- und Fußnägel weg, Schleimhäute kaputt. „Ich habe einfach nur dagelegen“, erinnert sie sich, „und alles über mich ergehen lassen.“ Dann, nach 15 Monaten die Entwarnung: Tumor und Metastasen waren besiegt, verschwunden, Janna konnte wieder zur Schule, machte Abitur und begann ein Medizinstudium. Und sie begann, in der Jugendgruppe ein Konzert zu organisieren, zugunsten des Krebshilfevereins. Sie wollte jenen helfen, die auch ihr so sehr geholfen hatten, und Christine Hauser war sofort dabei. „Sound of Life“, sollte das Festival heißen, ein Konzert mit vielen Bands, um das Leben zu feiern und um der toten Freunde zu gedenken.

          200 Euro gab es für den Verein

          Als die Idee langsam Formen annahm, riefen die beiden bei der Galopprennbahn in Niederrad an, um zu fragen, ob das Open Air dort stattfinden könnte. „Die Leute dort haben unglaublich reagiert“, sagt Hauser, „extrem großzügig.“ Genau wie die Firma „satis&fy“, die alljährlich auch bei „Rock am Ring“ für die Technik sorgt und zusagte, sich um die Bühne und die Anlage für „Sound of Life“ zu kümmern. Alles andere - Genehmigungen, Catering, Sponsoren, Security, Sanitäter, Aufbauhelfer, Reinigungskräfte, Plakate, Homepage - organisierten Rupprecht und Hauser mit Feuereifer. Bei der Suche nach Bands half ihnen Hassan Annouri, ein Frankfurter Rapper, der ganz begeistert von der Idee war.

          Und so erlebten im September 2011 sieben Bands und 450 Besucher die „Sound -of-life“-Premiere auf der Rennbahn in Niederrad. 2000 Euro blieben am Ende für den Hilfsverein übrig. Ein Jahr später machten sich die Organisatorinnen an die zweite Auflage des Benefiz-Konzerts. Fünf Jahre waren seit Jannas Krebsdiagnose vergangen. Nach fünf Jahren ohne Rückfall, heißt es, hat man es geschafft. Und so schickte das Versorgungsamt einen Brief mit der Nachricht, dass Jannas Behindertenausweis seine Gültigkeit verlieren werde, weil sie wieder gesund sei.

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Armin Laschet nach der Präsidiumssitzung der CDU am Montag in Berlin

          Laschet in Not : Warten auf die Wende

          Die launige Stimmungsdemokratie tut Laschet nicht den Gefallen einer „Wende“ durch die Medien. Auf die konnte sich die CDU noch nie verlassen. Aber das war und ist nicht die Schwäche der Union, sondern ihre Stärke.
          Frank Plasberg wollte anhand von Leitfragen die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen.

          TV-Kritik Hart aber fair : Die Nato wird wohl nicht aufgelöst

          Frank Plasberg hat sich kurz vor der Wahl etwas Besonderes ausgedacht. Mit Leitfragen will er die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Doch am Ende entgleitet es ins Aberwitzige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.