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„Fridays for Future“ : Den Unrat anderer Leute eingetütet

  • -Aktualisiert am

Eingetütet: Jugendliche von „Fridays for Future“ auf dem Römerberg mit dem Müll anderer Leute Bild: Wonge Bergmann

Normalerweise halten die Schüler von „Fridays for Future“ ihre Plakate in die Höhe, an diesem Karfreitag aber geht ihr Blick zum Boden. Sie sammeln in Frankfurt den Müll ein, den andere hinterlassen haben.

          Normalerweise halten die Schüler von „Fridays for Future“ ihre Plakate in die Höhe, an diesem Karfreitag aber geht ihr Blick zum Boden. Jugendliche aus Frankfurt und dem Umland haben sich getroffen, um die Stadt vom Müll anderer Leute zu befreien. Zumindest ein Stück weit. Valerie Wolter hat die Aktion mit organisiert. Um zwölf Uhr schiebt sie einen Einkaufswagen voll mit Zangen, kompostierbaren Müllsäcken und Handschuhen auf den Römerberg.

          Die 15 Jahre alte Schülerin engagiert sich seit Januar für eine bessere Umwelt und hat das Thema zu ihrem Hobby gemacht. Um den Klimawandel aufzuhalten, müsse sich endlich etwas ändern. „Wir haben keine Zeit mehr“, sagt sie. In Kleingruppen aufgeteilt durchkämmen die Jugendlichen das Mainufer und suchen an der Europäischen Zentralbank, am Willy-Brandt-Platz und auf der Zeil nach Unrat.

          „Die Politik muss aufwachen“

          Zwischen den Stühlen eines Cafés knien sie auf dem Boden und pulen mit ihren Händen Zigarettenstummel aus den Ritzen des Kopfsteinpflasters. Zwei Schülerinnen sind in der Ferienzeit aus Hanau angereist, um mitzuhelfen, andere kommen aus Bad Soden oder Mörfelden. „Der Klimawandel macht auch keine Ferien“, sagt eine Schülerin. Dass sie von Seiten der Politik oft als Schulschwänzer betitelt werden, macht viele Teilnehmer sauer. Es handele sich um einen „Schulstreik“, sagt Antonia Schilling. Der Duden definiert „schwänzen“ als ein Fernbleiben des Unterrichts, „weil man gerade keine Lust dazu hat“. Darum gehe es ihnen nicht. Sie wollten sich wirklich engagieren und ihre Eltern stünden auch hinter ihr, hebt sie hervor.

          Die sind in diesen Stunden auch mit dabei und begleiten die Schüler mit einem großen Banner. Die Erwachsenen seien viel zu lange untätig geblieben. „Wir haben versagt, die Kinder werden nicht versagen“, meint Vera Schilling. Demonstranten der Bewegung „Extinction Rebellion“, die einen Schweigemarsch für „Klimaopfer“ organisiert haben, beobachten die Jugendlichen beim Müllsammeln. Sie bleiben stehen und spenden den Mädchen und Jungen für ihr Engagement Beifall. Später treffen sich die beiden Bewegungen auf dem Römerberg, auf dem der gesammelte Müll zusammengetragen und der Müllabfuhr übergeben wird. Es reiche nicht, dass man sie für diese Aktion lobe, sagt Wolter. „Die Politik muss aufwachen.“

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