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Jugendliche Flüchtlinge : Fluchtpunkt Fußball

  • -Aktualisiert am

Bolzen im Herbst 2014: Jugendliche und Kinder spielen bei der „Bolzplatzliga“ Fußball. Bild: F.A.Z.

In der Frankfurter „Bolzplatzliga“ spielen Jugendliche aus Kriegsgebieten gegeneinander Fußball. Der Sport soll dabei auf vielen Wegen helfen.

          Die Frankfurter „Bolzplatzliga“ ist in ihre dritte Saison gestartet. Der Tag wird von mehr als 250 Kindern und Jugendlichen sehnlichst erwartet. Endlich wieder Fußball, endlich wieder Spiele um „Punkte“, endlich wieder „Auswärtsfahrten“. Gekickt wurde natürlich auch im Winter und in den ersten Monaten des Jahres, in der Halle, auf den Bolzplätzen, in Schulhöfen. Aber eben nicht organisiert. Jetzt beginnt die Liga mit voraussichtlich zwanzig Mannschaften aus zehn Stadtteilen der Mainmetropole. „Jeder kann mitmachen“, beschreibt der Sportdezernent Markus Frank den größten Vorteil dieser Liga aus seiner Sicht, „die Einstiegsmöglichkeiten sind niederschwellig.“ Gespielt wird in verschiedenen Altersgruppen, es gibt eine U-11-Liga, eine U-13-, eine U-15- und zwei U-17-Gruppen.

          Fußball verbindet, das ist die Grundidee. Fußball ist im Sinne des Wortes Zeitvertreib. Fußball ist Freizeit. Fußball ist gelebte Integration. Was an den jährlichen Teilnehmern mehr als deutlich wird. Auch in diesem Jahr werden wieder „UMF“-Mannschaften mitspielen. Das Kürzel steht für „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. Ein Wortungetüm, hinter dem sich menschliche Schicksale verbergen. Es sind Kinder und Jugendliche, die aus den Krisengebieten dieser Welt, aktuell besonders aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, und Syrien, in Einzelfällen auch aus Kongo und Iran, nach Deutschland geflüchtet sind, ohne Eltern, ohne irgendwelche Bezugspersonen. Und nun in Frankfurt angekommen sind. Untergebracht unter anderem von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Gutleutviertel, in Obhut genommen, wie es offiziell heißt.

          Die Belastung einer ungewissen Zukunft

          Sie lernen Deutsch in den Einrichtungen, sie haben einen halbwegs normalen Tagesablauf mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen, sie haben Schlafplätze und bekommen Hilfe bei den täglichen Herausforderungen wie Arztbesuchen oder dem Überwinden bürokratischer Hindernisse. Kontakt zu den Eltern in der fernen Heimat gibt es kaum, ab und zu ein Telefongespräch, mehr ist nicht möglich. Da ist es wenig überraschend, dass der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Besonderen nicht willkommene Abwechslungen sind, sondern Höhepunkte der Tage. „Ich freue mich auf jeden Tag, an dem ich Fußball spielen kann“, sagt der 16 Jahre alte Mehdi, geboren in Iran, aufgewachsen in Syrien. Wie seine Freunde Eltaf, Homayon und Matia hat es ihn nach Frankfurt verschlagen. Mehdi will Fußball spielen, er kann es auch erstaunlich gut. Kein Anfänger, einer, der schon zu Hause oft gekickt hat. Doch er hat nicht nur Fußball im Kopf. „Ich will etwas lernen, ich will in Deutschland bleiben“, sagt er. Deshalb hat er sich ganz besonders bemüht, die Sprache zu lernen. Ob es für ihn in diesem Sinne ein gutes Ende nimmt, entscheiden andere.

          Jetzt kümmern sich um die Jugendlichen erst einmal Menschen wie Dennis Bambusek, der Organisator der „Bolzplatzliga“, oder Daniel Mühlig von der Awo mit der sperrigen Berufsbezeichnung „pädagogische Fachkraft“. 45 Jugendliche sind aktuell in der Einrichtung im Gutleutviertel im Westen der Stadt untergebracht. Im Schnitt bleiben sie zwischen fünf und acht Monate, bevor sie in sogenannte Folgeeinrichtungen gebracht werden. Irgendwann wird auch über die Asylanträge entschieden. Immerhin, eine Abschiebung von unter achtzehnjährigen Flüchtlingen ist in den letzten Jahren nicht vorgekommen.

          Die ungewisse Zukunft ist eine Belastung, der Fußball mit der Bolzplatzliga mehr als nur ein willkommener Ausgleich. „Die Motivation ist sehr hoch“, sagt Bambusek über die Spieler der Mannschaften. „Das Interesse am Fußball ganz allgemein ist extrem hoch“, sagt Mühlig. Drei Mannschaften hat die Awo gemeldet für die Liga. „Sie kommen raus aus ihrem Viertel und lernen andere Jugendliche kennen“, nennt er einen weiteren großen Vorteil der Fußballidee.

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