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Jugendfußball : Wiesbadener Suchspiele

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So sehen Sieger aus: Der Eintracht-Nachwuchs ist diesmal als Turniergewinner allen anderen Mannschaften voraus. Bild: Wonge Bergmann

Beim „Liliencup“ treten seit Jahren Profiklubs mit ihren größten Talenten an. Die Späher notieren eifrig Namen, denn schon Podolski, Hummels, Badstuber und Schürrle spielten hier als Jugendliche vor.

          Die Frage blieb unbeantwortet, und dennoch war sie beim Wiesbadener Liliencup eigentlich wichtiger als die nach dem Sieger des wie immer hochkarätig besetzten Turniers für U-17-Fußballmannschaften. Ein 15 Jahre alter Kölner Stürmer mit exzellenter Schusstechnik hat vor einigen Jahren hier gespielt, ebenso zwei junge Verteidiger des FC Bayern München und ein Angreifer mit auffällig dünnen Beinen, der damals um den Pokal des Torschützenkönigs kämpfte - aber wer von den 15 bis 17 Jahre jungen Spielern, die am Wochenende in der Sporthalle am Elsässer Platz zu sehen waren, es tatsächlich wie einst Lukas Podolski, Mats Hummels, Holger Badstuber, Thomas Müller und André Schürrle in die Bundesliga oder sogar in die Nationalelf schafft, ist noch offen.

          Seit 19 Jahren veranstaltet die Spielvereinigung Sonnenberg den Liliencup, der ursprünglich als einmalige Aktion zum Jubiläum des Wiesbadener Stadtteilvereins gedacht war. Inzwischen gibt es in Deutschland kaum ein Turnier, das ähnlich elitär besetzt ist. „Wenn ich anrufe, dann kommen die Topklubs“, sagt Norbert Roth stolz. Der Organisator hat sich in all den Jahren ein prall gefülltes Buch mit Kontakten angelegt, in der europäischen Jugendfußballszene ist er bestens vernetzt. In diesem Jahr konnte er unter anderem Aston Villa, Rapid Wien, den FC Basel und mal wieder Bayern München nach Wiesbaden locken.

          Großer Pokal, große Zukunft? Marc Stendera wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt Bilderstrecke

          Jeweils zwölf Mannschaften werden eingeladen, ein Platz ist jedoch immer reserviert - für die B-Jugend der Spielvereinigung Sonnenberg, die ansonsten in der Gruppenliga Wiesbaden spielt und hier zwei Tage gegen künftige Nationalspieler antritt. „Für unsere Jungs ist das eine Riesensache. Wenn eine Niederlage nicht zweistellig wird, ist das schon ein Erfolg“, sagt Roth. Vor drei Jahren gelang dem Gastgeber mit einem 3:2 gegen Young Boys Bern der bislang einzige Sieg, 2012 schied Sonnenberg mit fünf Niederlagen und 2:30 Toren aus.

          Etat des Turniers mehr als 20.000 Euro

          Um den Turniersieg kämpften andere Mannschaften, allen voran Mainz 05 und Eintracht Frankfurt. Die Rheinhessen holten den Liliencup 2011, diesmal revanchierte sich die Eintracht mit einem 4:1-Finalsieg gegen den Nachbarn. Dritter wurde der FC Bayern, Vierter der SC Freiburg. Vor allem in jenen vier Mannschaften standen vermutlich einige Spieler, die es mal zum Profi bringen. Der Freiburger Adel Daouri etwa, der mit neun Treffern Torschützenkönig wurde. Oder Patrick Nothhaft (Bayern München), der beste Torhüter des Turniers.

          Der auffälligste Akteur des Liliencups trug allerdings ein Eintracht-Trikot: Marc Stendera wurde von den Trainern mit großer Mehrheit zum besten Spieler gewählt. „Er gefällt mir hervorragend, weil er sich nicht nur selbst in Szene setzt, sondern auch seine Mitspieler besser aussehen lässt“, sagte Stefan Böger. Der Trainer der deutschen U-17-Nationalmannschaft lud den Eintracht-Kapitän sogleich zu einem Anfang Februar in Hamburg stattfindenden Leistungstest ein. Stendera darf sich also Hoffnungen auf sein baldiges Länderspiel-Debüt während der U-17-Europameisterschaft machen. Auch für den Veranstalter hatte Böger viel Lob übrig. „Die Spielvereinigung betreibt einen unglaublichen Aufwand, um das alles auf die Beine zu stellen.“ Und auf der Tribüne saßen einige Herren, die eifrig Notizen machten - Spielerberater fangen schließlich immer früher an, Klienten von morgen zu sichten.

          Norbert Roth beziffert den Etat des Turniers auf mehr als 20.000 Euro, Antrittsprämien werden nicht gezahlt. Eher werden die Vereine mit dem starken Teilnehmerfeld gelockt - und natürlich mit einer ausverkauften Halle. An beiden Tagen waren jeweils mehr als 1100 Zuschauer dabei. „Was den Fußball angeht, ist in Wiesbaden ja ansonsten eher tote Hose“, sagte Roth, „aber der Liliencup ist europaweit ein Begriff“. Inzwischen muss der Organisator selbst Bundesligaklubs absagen, der SC Freiburg und der VfL Bochum aus der zweiten Spielklasse etwa dürfen 2013 nicht mehr antreten. Neu dabei ist dafür Hertha BSC Berlin. Welcher Verein den zwölften und letzten Platz im Feld bekommt, steht noch nicht fest. Roth verhandelt derzeit mit zwei Klubs. Sollten beide zusagen, kann er sich zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid entscheiden.

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