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Judith Butler : Frankfurt steht hinter umstrittener Adorno-Preisträgerin

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Nennt die Vorwürfe gegen sich verleumderisch und haltlos: Judith Butler, Adorno-Preisträgerin 2012 Bild: ullstein bild

Die anstehende Verleihung des Adorno-Preises an die Philosophin Judith Butler sorgt für Wirbel. Der Zentralrat der Juden protestiert, in Frankfurt bleibt es bei der Entscheidung.

          Nach der heftigen Kritik an der bevorstehenden Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler hat die Stadt Frankfurt die Entscheidung noch einmal bekräftigt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte nach Angaben der Stadt, er stehe voll hinter der Entscheidung des Kuratoriums. Diese werde nach der Kritik auch nicht geändert. Das Kuratorium hatte die 56 Jahre alte amerikanische Philosophin Butler als „eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit“ gewürdigt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte gegen die Auszeichnung protestiert.

          Es sei empörend, dass in Butler ausgerechnet jemand geehrt werde, der zum Boykott gegen Israel aufrufe und Organisationen wie Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichne, hatte Zentralrat-Generalsekretär Stephan J. Kramer erklärt. Semmelroth sagte, die Kritik sei verständlich, aber ungerechtfertigt.

          Butler: Vorwürfe verleumderisch

          Die jüdische Philosophin, die an der University of California in Berkeley lehrt, unterstützt die Boykottbewegung, die gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel protestiert. Butler hatte in einem Zeitungsinterview erklärt, ihre angebliche Unterstützung für Hamas und Hisbollah sei „schrecklich“ missverstanden worden. Sie lehne jede Form von Gewalt ab.

          In der Wochenzeitung „Die Zeit“ bezeichnete sie Vorwürfe gegen sich als verleumderisch und haltlos. Sie sei weder antisemitisch noch unterstütze sie Hamas und Hisbollah. „Es ist falsch, absurd und schmerzlich, wenn irgendjemand behauptet, dass diejenigen, die Kritik am israelischen Staat üben, antisemitisch oder, falls jüdisch, voller Selbsthass seien.“

          „Lassen Sie sich überraschen“,

          Frankfurts Kulturdezernent Semmelroth machte keine Angaben dazu, ob der Protest Konsequenzen für die Preisverleihung am 11. September in der Frankfurter Paulskirche haben wird. „Lassen Sie sich überraschen“, sagte er dazu. Der Theodor-W.-Adorno-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt vergeben.

          Am 15. September will Butler sich der Diskussion stellen und mit dem Sozialwissenschaftler Micha Brumlik im Jüdischen Museum Berlin über Zionismus und Judentum debattieren.

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