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Jonglieren : Wie von Zauberhand

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Technisch perfekt, aber immer für einen „Fehler“ gut, um das Publikum zu unterhalten: Kris Kremo auf der Bühne des Frankfurter Tigerpalstes Bild: Finger, Stefan

Der Jongleur Kris Kremo ist weltweit der Meister seines Faches. Gelernt hat er seine Kunst bei seinem Vater Béla Kremo, ebenfalls eine Legende. Zur Zeit tritt der Schweizer im Tigerpalast auf.

          5 Min.

          Drei Bälle, drei Hüte, drei Zigarrenkisten – Kris Kremo. Wobei es sich bei den Hüten um Zylinder handelt. Rote Zylinder. Sie lässt der Jongleur durch die Luft wirbeln. Einer fliegt auf Kremo zu, der duckt sich blitzschnell; mit einem leichten Knacken stößt der Rand des Hutes auf die Stirn des Meisters; der Zylinder prallt ab, fliegt wieder durch die Luft und landet genau richtig auf Kremos Kopf.

          Dieser Trick ist weltberühmt. Millionen haben ihn schon gesehen. Kremo hat ihn elf Jahre lang im „Stardust“ in Las Vegas gezeigt, jeden Abend vor gut 1000 Zuschauern. Er hat ihn im „Lido“ in Paris vorgeführt, in Monte Carlo vor Fürst Rainier und einmal sogar vor der englischen Königin Elisabeth II. Derzeit zelebriert er ihn im Frankfurter Varieté „Tigerpalast“, wo er in den vergangenen beiden Jahrzehnten regelmäßig aufgetreten ist und das ihm mittlerweile zu einer Art Heimat geworden ist. Dort, auf der Bühne, hat übrigens ein Pfarrer seinen Sohn Harrison getauft.

          Er gilt als „Jonglage-Gott“ in der Szene

          Kris Kremo ist eine Legende, ein internationaler Star, der Meister seines Fachs. In Artistenkreisen wird folgender Witz erzählt: Treffen sich drei Meisterjongleure. „Ich bin der beste Jongleur der Welt“, behauptet selbstbewusst Viktor Kee, der Star der Cirque du Soleil-Erfolgsproduktion „Dralion“. „Nein“, entgegnet Anthony Gatto, der mehrere Weltrekorde hält, „ich bin der Beste. Gott hat es gesagt.“ „Was soll ich gesagt haben?“, meldet sich daraufhin Kris Kremo zu Wort.

          17 Minuten dauert Kremos Nummer, die er zwei Mal am Abend im „Tigerpalast“ aufführt und die jeweils das Programm abschließt. Varité-Direktorin Margareta Dillinger weiß, warum sie Kremo immer als letzten Künstler auftreten lässt. Denn auf die Schlussnummer kommt es an, sie entscheidet darüber, ob ein Gast begeistert oder enttäuscht aus dem Saal geht. Kremo ist ein Garant dafür, dass die Zuschauer euphorisiert das Varieté verlassen.

          Seit fast fünf Jahrzehnten lässt Kremo drei Bälle, drei Hüte und drei Zigarrenkisten durch die Luft tanzen. Für diese 17 Minuten hat der Mann aus der Schweiz ein Leben lang gearbeitet, getüftelt, trainiert. Dennoch wirkt die Nummer jeden Abend völlig frisch. Als ob er die Tricks gerade einstudiert hätte und die Witze, mit denen er sie kommentiert, ihm gerade spontan eingefallen seien. Keine Spur von Routine. Genau dies macht seinen Erfolg aus.Kremo absolviert keinen Job auf der Bühne, er ist auch noch nach so vielen Jahren mit dem Herzen dabei: „Man kann in diesem Beruf nur erfolgreich sein, wenn man ihn liebt.“

          Guter Riecher: Kris Kremo vor seinem Auftritt in der Umkleidekabine im Frankfurter Tigerpalast. Bilderstrecke
          Guter Riecher: Kris Kremo vor seinem Auftritt in der Umkleidekabine im Frankfurter Tigerpalast. :

          Einen Jongleur hat es freilich gegeben, der genauso gut oder möglicherweise sogar besser war als Kris Kremo. Seinen Vater Béla Kremo. Der hat die Nummer mit den drei Bällen, den drei Hüten und den drei Zigarrenkisten erfunden. Sein Name war einem breiten Publikum in aller Welt ein Begriff. Wenn Béla Kremo mit einem Zirkus in Spanien, Dänemark oder England auftrat, hingen Plakate aus, auf denen nur sein Name stand über einem Bild, das einen Mann mit drei wirbelnden Zigarrenkisten zeigte. „Swizerland sent his best man“, stand darunter. Dass Belá Kremo Jongleur war, musste man nicht dazuschreiben: Alle wussten es.

          Für Belá Kremo stand außer Frage, dass sein Sohn Kristian ebenfalls Artist werden würde. Schließlich waren es schon sein Vater und sein Großvater gewesen. Stammvater Josef Kremo, der 1854 in Böhmen als Josef Kremka geboren wurde, hatte aus seinen zehn eigenen Kindern und zwei Söhnen seines Bruders eine Truppe zusammengestellt, die das Publikum mit Akrobatik, Trapeznummern und Keulenschwingen unterhielt. Karl Kremo setzte die von Vater Josef begründete Tradition der ikarischen Spiele mit Kindern und Verwandten fort. Mit dem Rücken auf einer Trinka, einem gepolsterten Gestell, liegend, schleuderten die Antipodisten ihre Partner mit den Füßen in die Luft, wo diese Salti und andere Sprünge ausführten. Einer seiner Söhne, eben Béla Kremo, dachte sich etwas Besonderes aus, jene Jonglage-Nummer mit drei Bällen, drei Hüten und drei Zigarrenkisten.

          Autoritäre Dressur durch den Vater

          Sohn Kristian musste sie ihm nachmachen. Der Vater ließ ihn schon als Kind trainieren. Als Kris, wie er sich später nannte, fünf Jahre alt war, drückte Béla Kremo ihm Bälle in die Hand und erteilte ihm den ersten Unterricht. Wenn der Vater auf Tournee war – und dies war häufig der Fall –, gab er dem Sohn in seitenlangen Briefen detaillierte Jonglier-Anweisungen und stellte ein ausgeklügeltes Trainingsprogramm zusammen.

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