https://www.faz.net/-gzg-9gfrm

Jewish Monkeys in Frankfurt : Klezmer-Punk mit Westend-Wurzeln

Klezmer-Punk: Die Jewish Monkeys um Jossi Reich (vorn Mitte) Bild: Greedy Music

Ihr einziges Deutschlandkonzert spielen die Jewish Monkeys in Frankfurt. Während die Band in Israel bisher eher wenig Beachtung gefunden hat, ist das deutsche Publikum begeistert.

          Treffen sich ein Tierarzt, ein Psychologe und ein Unternehmer und machen was? Sie gründen eine Band, um herrlich böse Lieder mit satirischen, politisch unkorrekten Texten in bester Tradition jüdischen Humors zu spielen. So lässt sich die Gründungsgeschichte der israelischen Band Jewish Monkeys kurz zusammenfassen, deren Mythos allerdings weiter reicht. Dieser Mythos erzählt von zwei Chorknaben, die sich Anfang der siebziger Jahre in der Westend-Synagoge in Frankfurt kennenlernten und Freunde wurden: Roni Boiko, heute Tierarzt, und Jossi Reich, heute sozialen Projekten und einem Plattenlabel verbundener Unternehmer. Damals beließen sie es bei den Gesängen im Chor.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst gut 30 Jahre später kam dann die Idee, es doch einmal mit einer Band zu versuchen. Da lebten die Freunde mit ihren Familien schon in Tel Aviv, hatten Frankfurt und Deutschland hinter sich gelassen, als sie in dem aus Belgien nach Israel ausgewanderten Psychologen Gael Zaidner einen Bruder im Geiste fanden, der gleichfalls Gefallen an frivol-obszönen Texten zu einen wilden Mix aus Punk, Klezmer, Rock, Varietémusik und jiddischen Volksliedern hatte, die mit Hilfe einer aus versierten Musikern der Tel Aviver Szene zusammengestellten Band dem Affen Zucker geben sollte. Dass der von Jossi Reich kreierte Bandname Jewish Monkeys in einigen arabischen Ländern als böses Schimpfwort verwendet wird, passte der Gruppe sogar ins Konzept.

          Begeistertes Publikum

          „Wir Juden dürfen das! Dass wir uns trauen, politisch unkorrekt zu sein und uns selbst als Juden verarschen ist unser Überlebensrecht seit jeher gewesen. Aber am Ende suchen wir das Gemeinsame und nicht das Trennende“, lassen sie sich von ihrem Label Greedy for Best Music zitieren. Diesen Anspruch haben sie auch schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt, etwa als sie im Jahr 2015 in Dresden vor syrischen Flüchtlingen spielten. Zu deren großer Begeisterung übrigens, was Jossi Reich mit einer Ähnlichkeit von osteuropäisch-jiddischer und arabischer Mentalität erklärt.

          Begeistert von den Jewish Monkeys ist auch das deutsche Publikum, während die Band in Israel bisher eher wenig Beachtung gefunden hat. Wie Jossi Reich berichtet, wird die musikalische Melange der Monkeys nicht überall goutiert. So habe etwa das renommierte jüdische Musik-Festival in Krakau Auftritte der Band abgelehnt, weil die „zu jiddisch-osteuropäisch“ klänge, das Festival hingegen modern und zukunftsoffen sein möchte. Jossi Reich, mittlerweile 56 Jahre alt, deutet daher an, dass das dritte Album der Monkeys, dessen Veröffentlichung nächstes Jahr geplant ist, das letzte sein könnte: „Irgendwie muss es sich ja rechnen. Wenn nicht, dann haben wir eben drei tolle Platten gemacht.“

          Noch glaubt die vor allem für ihre Konzerte gefeierte Band, von der sich Roni Boiko mittlerweile aus Zeitgründen verabschiedet hat, an ihre große Stunde. Mit dem zwischen Tel Aviv und Los Angeles pendelnden, für den MTV-Award nominierten Regisseur A.T. Mann haben sie zu ihrem neuen Song „Catastrophic Life“ einen Videodreh vereinbart. Davor gehen sie im Dezember mit ihrem guten Freund Shantel auf eine Tour durch große Hallen in den Niederlanden. Zur Einstimmung spielen sie ein einziges Konzert in Deutschland, passenderweise in der Stadt, in der alles begann: in Frankfurt.

          Jewish Monkeys in Frankfurt

          Die Jewish Monkeys spielen am Sonntag ab 20 Uhr im Frankfurter Club Das Bett, Schmidtstraße 12.

          Weitere Themen

          Lilien freuen sich auf Ausflug nach Osnabrück

          Zweite Liga : Lilien freuen sich auf Ausflug nach Osnabrück

          Zum Abschluss des dritten Zweitliga-Spieltags trifft Darmstadt 98 auf den VfL Osnabrück. Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis freut sich auf das Spiel. Er muss jedoch auf einige Spieler verzichten.

          Tornado? Eher eine Superzelle!

          Mehrere Verletzte in Südhessen : Tornado? Eher eine Superzelle!

          Augenzeugen meinen, ein Tornado sei Teil des Unwetters über Südhessen am Sonntag gewesen. Der Wetterdienst geht aber von etwas anderem aus, das zu 1000 Einsätzen der Feuerwehr führte. Das Verkehrschaos dürfte noch anhalten.

          Topmeldungen

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.
          Formiert sich gerade eine breite politische Front gegen Salvini? Der italienische Innenminister strebt weiter Neuwahlen an.

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.